nicht fehlen, welche die Tätigkeit des
„Saar-Freund“ aus den Niederungen des
engstirnigen Parteienstreits erheben sollte:
„Wer im ,Saar-Freund* * spricht, soll nichts
anderes zu sagen haben, als was seiner Heimat
Schicksal betrifft. Das ist eine deutsche Sache
und hat nichts mit Parteipolitik zu tun. Über
allen Hader innerer Parteien steht das Schicksal
des Deutschen Volkes an der Saar!"31
In welche Hände die Herausgeber dieses
Schicksal am liebsten gelegt sehen wollten,
zeigten sie durch ein Zitat von
Hindenburgs, das dem ersten Leitartikel
- und damit der gesamten Zeitschrift -
vorangestellt war.
Das Blatt erschien nach anfänglichen
Anlaufschwierigkeiten zweimal monatlich.
Zunächst im Berliner „Ost-West-Verlag“,
ab der sechsten Ausgabe im Verlag der Geschäftsstelle „Saar-Verein“,
herausgegeben und gedruckt bei der ..Deutschen Schriftenverlag GmbH" kostete die
Einzelnummer 50 Pfennig. Ende 1921 mußte der Preis angesichts der wirtschaftlichen
Entwicklung verdoppelt werden. Gleichzeitig stieg aber auch die Auflage des
Bundesorgans auf 5.000 Exemplare32. Der Umfang einzelner Ausgaben schwankte
zwischen vier und 52 Seiten, lag aber im Schnitt bei 16 Seiten. Die Graphik oben
spiegelt den Gesamtumfang der 15 Jahrgänge wider; sie zeigt, wie stark der „Saar-Freund“
von der wirtschaftlichen Gesamtlage und damit Spenden und Zuwendungen
der öffentlichen Hand abhängig war.
Während der ersten Monate wechselte die Schriftleitung noch häufig: Zunächst
zeichnete Hellmut Gansser33 für die ersten zehn Ausgaben verantwortlich, ihm
folgten bis Ende 1921 Herbert Mertens und Dr. Günther Schulz van Endert. Größere
Kontinuität brachten erst Oswald Jaensch, Karl Ommert und Kurt Meurer. Von Mitte
1928 bis zum Einstellen des „Saar-Freund“ Anfang 1935 zeichnete Richard Posselt
750
700
650
600
550
| 500
$450
400
350
300
250
200
1920 1922 1924 1926 1928 1930 1932 1934/35
Jahre
Seitenumfang der Jahrgänge des
„Saar-Freund“ 1926-1935
Der SF wollte hierdurch eine allseits beklagte Lücke schließen und sich von anderen Blättern wie der
„Volksstimme“, der S.Z. oder der späteren „Saarbrücker Landeszeitung“ abheben.
•12 Vgl. Tätigkeitsbericht Schulz van Enderts auf der Mitgliederversammlung in Kassel (03.04.21), in: BA-R
8014/18.
Der damals 22jährige Neffe Vogels arbeitete nach seinem kurzen Gastspiel in der Redaktion des SF
zunächst weiterhin in Berlin als Journalist, bis er 1923 zur S.Z. wechselte. Ab 1926 war er Chefredakteur
des „Saarbrücker Abendblattes“, bis er 1928 in Genf das Depeschenbüro „Europapress“ übernahm
und damit sowohl die S.Z. als auch das Blatt seines Onkels mit Informationen über den Völkerbund
versorgte. Kurzzeitig zog er 1932 nach Paris um, mußte aber krankheitsbedingt seine Arbeit aufgeben.
1933 verstarb er in Saarbrücken: Vgl. BRUCH: Weg und Schicksal, S. 168; SF 12 (1931) 13/14, S. 200:
SF 14(1933)9, S. 143 f.
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