te der Presseabteilung der Reichsregierung, sich in Propagandafragen des Westens im
Hintergrund zu halten. Für die Geschäftsstelle „Saar-Verein“ erwies es sich von
großem Vorteil, Kraus für die eigene Organisation verpflichten zu können, da sie
gleichermaßen von den Ressourcen der RVP profitierte und ihr eigenes Lektorat als
kompetente Presseorganisation überund für das Saargebiet28 29 darstellen konnte. In der
Anfangsphase war Kraus auch für den Ausbau und die Pflege des Archives zuständig,
in welchem wichtige Meldungen aus saarländischen Zeitungen sowie alle
Nachrichten und Mitteilungen der Vertrauensleute gesammelt wurden. Sukzessive
übernahm sein Angestellter Richard Posselt diese Aufgaben.
4.2 Der „Saar-Freund“
Im Unterschied zur Zeitung besitzt die in periodischen Abständen erscheinende
Zeitschrift den Vorteil, tagespolitische Ereignisse aus einer relativen Distanz heraus
darstellen und erste Synthesen anfertigen zu können24. Ihre Einzelhefte werden als
Teil eines Gesamtwerkes verstanden, was am augenscheinlichsten durch eine fortlaufende
Seitenzählung zum Ausdruck kommt.
Bereits in der Gründungsphase der Geschäftsstelle „Saar-Verein“ stand fest, daß an
die Stelle der hektographierten Nachrichtensammlungen und Presserevuen des Saargebietsschutzes
eine Halbmonatsschrift treten sollte. Die Erstausgabe des „Saar-Freund“
(17. Januar 1920) mit dem Untertitel „Nachrichten aus dem abgetrennten
Saar- und Pfalzgebiet“ hatte eine Startauflage von 2.000 Exemplaren und begann mit
einer Erläuterung der programmatischen Ausrichtung30. Angesichts der großen Not
im Saargebiet, über welche kaum im unbesetzten Teil des Reiches berichtet werde,
wol le der „Saar-Freund“ den durch die französische Zensur geknebelten Saarländern
seine Stimme leihen. Das Blatt stehe fest auf dem Boden des Versailler Friedensvertrages,
auf dessen loyale Durchführung es stets achten werde. Ungeachtet dessen, daß
eines seiner Ziele sei, die französische Propaganda unschädlich zu machen, betreibe
der „Saar-Freund“ keine verhetzende Gegenpropaganda, sondern wolle lediglich
Unwahrheiten richtigstellen. Dies sei die Voraussetzung für ein friedliches Miteinander
zwischen Franzosen und Deutsche. Derart versöhnliche und von Polemik freie
Töne gegenüber dem „Erbfeind“ im Westen fanden sich in den folgenden 15 Jahren
nur selten. Natürlich durfte auch das obligatorische Bekenntnis zur Überparteilichkeit
Posselt, S. 257; Denkschrift über die Aufgaben der GSV (01.04.20), in; BA-R 8014/2.
29 „Während die Zeitung in den ersten Linien des politischen Kampfes kämpft, steht die Zeitschrift hinter
der Front, um von dort aus alles das in die vorderen Gräben zu tragen, was dort Mut, Kraft, Treue zu
stärken vermag. Sie betrachtet ihrem Wesen gemäß die Geschehnisse von höherer, weniger umstürmter
Warte aus, verarbeitet sie, scheidet das Wichtige vom Wertlosen und trägt so gleichsam die von der
Tagespresse gesammelten Steine zu einem großen Mosaikbilde zusammen.“: BALDAUF, S. 167. Vgl.
speziell zum SF: Ebd., S. 168-172. Vgl. HAACKE, S. 207 f. Siehe dort (S. 102-115) auch allgemeine
Kennzeichen einer Zeitschrift.
10 Vgl. im folgenden: SF 1 (1920) 1, S. 1 („Was wir wollen“). Die fortlaufende Seitenzählung setzte erst
ab dem zweiten Lieft ein.
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