Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Saarbrücker  „Saar-Korrespondenz“,  wurde  von  Johannes  Hoffmann  gegründet  und
etwa  ein  Jahr  lang  geleitet:  sie  diente  ebenso  wie  die  anderen  Agenturen  als  Drehscheibe
  für  Informationen  über  bzw.  für  das  Saargebiet22.
Da  Kraus  auch  weiterhin  die  Presseabteilung  der  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  in
Personalunion  führte,  verfügte  die  Königgrätzer  Straße  nun  über  eine  indirekte
Anbindung  an  die  offiziöse  RVP.  Nicht  zuletzt  dieser  Doppelfunktion  von  Kraus  ist
es  zuzuschreiben,  daß  die  Polwona  in  den  Akten  oft  synonym  für  die  Presseabteilung
verwandt  wurde;  auch  der  französische  Sicherheitsdienst  hatte  Schwierigkeiten,  beide
Organisationen  zu  unterscheiden2Durch  die  Affäre  Ollmert  geriet  auch  die  Polwona
ins  Kreuzfeuer  der  Kritik,  was  ihre  Umbenennung  in  „Allgemeines  Politisches
Informationsbüro“  zur  Folge  hatte.  Gleichzeitig  wurde  sie  in  eine  GmbH  umgewandelt24.
  An  der  Arbeitsweise  änderte  sich  nichts,  wobei  Kraus  zur  Verbreitung  von
Nachrichten  im  unbesetzten  Teil  des  Reiches  nun  ein  Kartell  mit  dem  „Verein
deutscher  Zeitungsverleger"  einging.  Die  lokalen  Zweigstellen  in  Köln  („Mirbach’s
telegraphisches  Büro“),  Mannheim  (ONB),  Mainz  („Südwestdeutscher  Zeitungsdienst“)
  und  Saarbrücken  („Saar-Korrespondenz“)  fungierten  weiterhin  als  Vermittler25,
  und  auch  die  bisherige  Symbiose  mit  der  RVP  wurde  nach  der  Reorganisation
beibehalten26.  An  die  Stelle  der  periodischen  „Polwona“-Nachrichten  trat  ab  Mai
1921  die  „Grenzlandkorrespondenz  der  deutschen  Zeitungsverleger“,  die  nun  verstärkt
  auch  separatistische  Blätter  sowie  französische  und  belgische  Zeitungen
beobachtete27.  Trotz  verschiedener  Anfeindungen  bestand  das  „Allgemeine  Politische
Informationsbüro“  mit  fast  allen  Nebenstellen  bis  zum  Frühjahr  1930  und  ermöglichund

  undatierte  Aktennotiz  (wahrscheinlich  Sommer  1920),  in:  PA  AA,  Presseabteilung,  R  122.462.  Die
Notwendigkeit  der  Berliner  Zentrale  ergab  sich  in  erster  Linie  durch  ihre  Funktion  als  übergeordnete
Koordinierungs-  und  Sammelstelle  aller  Informationen,  die  anschließend  telefonisch,  telegraphisch  oder
per  Post  übermittelt  wurden.  Zum  Wolff-Havas-Abkommen  vom  November  1919  vgl.  KOSZYK,  S.
98-102.  Zum  Mirbach-Konsortium  vgl.  Renseignement  (  11.07.22).  in:  MAE.  Sarre  116,  die  undatierte
Aufzeichnung  Kraus’  (1930),  in:  BA-R  43-1/2479  sowie  KOSZYK,  S.  100  f.
Anschließend  kehrte  Hoffmann  nach  einer  vorübergehenden  Tätigkeit  beim  Mannheimer  ONB  in  die
Berliner  Zentrale  zurück,  die  inzwischen  in  „Mirbachs  telegraphisches  Büro“  umbenannt  worden  war:
Vgl.  HOFFMANN:  Journalistische  Erfahrungen,  in:  StA  Saarbrücken,  Handbibliothek  453/76,  S.  5.
''  Feuille  de  renseignement  Nr.  2880  (21.02.20),  in:  MAE,  Sarre  115.  Die  zahlreichen  Konsonantenfehler
bei  der  Schreibweise  der  angeführten  Namen  -  Dröge  taucht  als  „Tröge“  auf  -  legen  den  Schluß  nahe,
daß  die  französische  Sûreté  zu  diesem  Zeitpunkt  noch  vor  allem  mündliche  Auskünfte  über  die  Arbeit
des  Saarvereins  erhielt.
24  Vgl.  Aufzeichnung  Kraus'  über  die  Gestaltung  des  Nachrichtendienstes  (14.12.20).  in:  BA-R
1501/102.860  und  undatierte  Aufzeichnung  (Dezember  1920),  in:  PA  AA,  Presseabteilung,  R  122.462.
25  Geplant  waren  ursprünglich  weitere  Zweigstellen  im  Westen  (Köln  mit  Ableger  Koblenz,  Frankfurt  mit
Ableger  Mainz,  Saarbrücken  und  Mannheim),  Norden  (Flensburg)  und  Osten  (Königsberg,  Allenstein,
Marienwerder,  Scheidemühl  und  Danzig),  die  jedoch  nicht  realisiert  wurden.
26  Vgl.  „Haushaltungsplan  des  Lektorates  der  Rheinischen  Volkspflege“  (31.12.20),  in:  BA-R  1603/2692.
27  Im  Frühjahr  1921  schloß  Kraus  sogar  mit  der  Berliner  Nachrichtenagentur  „Est-Europe“  -  einem
französischen  Tarnunternehmen  -  ein  Kooperationsabkommen,  das  seinem  Informationsbüro  die
Möglichkeit  eröffnete,  den  Vertrieb  der  französischen  Propagandameldungen  im  Rheinland  zu  redigieren.
  „Est-Europe“  kündigte  daher  die  Zusammenarbeit  schon  nach  wenigen  Monaten  auf:  Vgl.  Aktennotiz
  Kraus’  (Oktober  1921),  in:  BA-R  1601/1649;  MÜLLER,  S.  56  ff.

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