Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Beachtung  schenkte4*1.  Auch  die  regulären  diplomatischen  und  konsularischen
Vertretungen  Frankreichs  konzentrierten  sich  erheblich  stärker  auf  die  Aktivität  der
bayerischen  Pfalzzentrale  in  Mannheim  und  Heidelberg  sowie  die  stets  der  Konspiration
  bezichtigte  Reichszentrale  für  Heimatdienst481 482.
Dieser  quantitativ  und  qualitativ  durch  die  Auswertung  der  entsprechenden  Akten  des
Quai  d'Orsay  gestützte  Befund  bietet  Raum  für  zwei  einander  ergänzende  Interpretationen:

1.  Es  war  dem  Bund  der  Saarvereine  gelungen,  seine  Tätigkeit  weitestgehend  im
verborgenen  zu  betreiben  und  die  französischen  Beobachter  zu  täuschen.
2.  Der  französische  Nachrichtendienst  erachtete  die  Propaganda  der  privaten  Saarorganisation
  als  zu  unbedeutsam,  um  sich  eingehender  mit  ihr  auseinanderzusetzen483.

Selbstverständlich  konnte  Vogel  kein  Interesse  daran  haben,  die  Strukturen  des
Bundes  und  noch  viel  weniger  seine  Verbindungskanäle  den  Franzosen  offenzulegen.
Doch  um  sich  von  den  verschiedenen  konkurrierenden  Verbänden  abzugrenzen  und
somit  in  den  Genuß  staatlicher  wie  privater  Finanzspritzen  zu  gelangen,  war  der
Verein  geradezu  darauf  angewiesen,  in  der  französischen  Öffentlichkeit  nicht  nur
Beachtung  zu  finden,  sondern  ihn  mußte  darüber  hinaus  die  Aura  des  bekämpften
Widersachers  umgeben.  Die  gelegentlichen  Warnungen  der  französischen  Presse  vor
dem  Bund  der  Saarvereine484 485  oder  die  Tatsache,  daß  der  „Saar-Freund“  auf  unbestimmte
  Zeit  im  Saargebiet  verboten  war,  schien  die  Effizienz  der  Saarvereinspropaganda
  unter  Beweis  zu  stellen  und  zu  zeigen,  daß  man  „den  Lindwurm  bei  seiner
empfindlichsten  Stelle  gepackt“  habe488.

481  Tirard  beschränkte  sich  darauf,  über  vereinzelte  Kundgebungen  und  Rundschreiben  des  Vereins  nach
Paris  zu  berichten.  Vgl.  hingegen  die  umfangreichen  Dossiers  über  andere  Organisationen,  die  unter
der  Rubrik  „Propagande  allemande“  subsumiert  wurden,  in:  AN.  AP  683,  2905  f„  3154-3160,
3163-3168,6330-6336:  MAE.  Rive  Gauche  194-199  und  288.  Die  Beobachtungen,  welche  von  den
verschiedenen  Polizeistellen  entlang  der  saarländisch-französischen  Grenze  über  die  Aktivitäten  des
Saarvereins  angesteüt  wurden,  waren  nur  sehr  allgemeiner  Art  und  beschränkten  sich  in  der  Regel  auf
die  Wiedergabe  von  Presseberichten  deutscher  Blätter:  Vgl.  hierzu:  AN,  F  13.471  f.
482  Eine  gute  Zusammenfassung  des  französischen  Kenntnisstandes  bietet  der  „Rapport  au  sujet  du
,Heimatdienst'“  (16.07.20,  in:  MAE,  Allemagne  415  bzw.  die  „Note  sur  le  ,Heimatdienst'“
(26.01.22),  in:  AN,  AP  3154/1  ;  Renseignement  (Organisation  du  Heimatdienst,  29.11.21),  in:  MAE,
Allemagne  416.  Obwohl  MARVAUD  der  deutschen  Propaganda  gegen  den  Friedensvertrag  ein  eigenes
Kapitel  widmete  (S.  104-111),  klammerte  er  die  Agitation  des  Saarvereins  aus,
483  Für  diese  These  spricht,  daß  es  auch  keinen  nennenswerten  publizistischen  Schlagabtausch  zwischen
den  diversen  französischen  Propagandaorganisationen  und  dem  BdS  gab.
484  Vgl.  SF  1  (1920)  23,  S.  236;  SF  2  (1921)  6,  S.  65;  SF  2  (1921)  12,  S.  159;  SF  4  (1923)  16,  S.  218  ff.
Die  Durchsicht  des  1920-1921  erschienenen  „Compte-Rendue  Mensuel  de  Renseignements  concernant
  la  Propagande  Allemande“  (hrsg.  vom  Service  des  Œuvres  Françaises  à  l'Etrange,  in:  AN,  AP
3167  und  6336),  der  mehrseitigen  „La  Propagande  Allemande  pendant  l'Année  ....  d’après  l'Etude  de
la  Presse“  (in:  C.  ADN,,  Amb.  Berlin  B  458)  sowie  auf  deutscher  Seite  der  „Rhein-Saar-Ruhr“-Hefte
(1921-1926,  hrsg.  von  der  Pfalzzentrale,  in:  PA  AA,  Presseabteilung,  R  122.241  )  ergab  das  Bild,  daß
die  französische  Presse  den  Saarverein  meist  ignorierte  und  seine  Veranstaltungen  und  Publikationen
nur  beiläufig  zur  Kenntnis  nahm.
485  SF  2  (1921  )  6,  S.  65;  Brief  der  GSV  an  das  AA  (24.01.24),  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  76.091  ;  SF

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