Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

sowohl  die  Strukturen  der  Polwona  auf,  wie  er  auch  die  dort  tätigen  Mitarbeiter
namentlich  nannte463.  Etwa  zwei  Wochen  vor  der  endgültigen  Enttarnung  der
Saarvereins-  bzw.  Heimatdienstaktivitäten  an  der  Saar  veröffentlichte  die  USP
anläßlich  der  Kommunalwahlen  ein  Flugblatt,  in  welchem  sie  die  Verbindungen
zwischen  der  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  und  den  vier  großen  saarländischen
Tageszeitungen  aufdeckte464.  Verglichen  mit  den  katastrophalen  Auswirkungen,
welche  die  Verhaftung  Ollmerts  für  die  Saarvereinspropaganda  im  Saargebiet  hatte,
war  die  Affäre  Fink  zwar  nur  eine  nebensächliche  Episode.  Sie  demonstrierte  aber
die  Anfälligkeit  der  als  sicher  geglaubten  Berliner  Zentrale  für  Spitzel.  Zwar  gelang
es  Vogel  im  Laufe  des  folgenden  Jahres,  das  Vertrauen  der  Behörden  zurückzugewinnen.
  doch  blieb  die  „ligue  de  protestation  en  faveur  des  habitants  de  la  Sarre“465
nun  dauerhaft  im  Fokus  des  französischen  Nachrichtendienstes466  und  damit  auch  der
Regierungskommission.
Dort  war  es  in  aller  Regel  dem  jeweiligen  französischen  Mitglied  Vorbehalten,  die
Aktivitäten  des  Saarvereins  zu  beobachten  und  entsprechende  Dossiers  nach  Paris
weiterzuleiten.  Als  Ganzes  reagierte  das  Fünfergremium  hingegen  nur  selten  auf  die
Berliner  Propaganda  Vogelscher  Prägung.  Zwar  klagte  Rault  schon  in  seinem  ersten
Rapport  an  den  Völkerbund  über  die  Agitation  gewisser  Kreise  an  der  Saar  und
jenseits  der  neuen  Grenzen,  welche  die  Unzufriedenheit  schürten  und  die  Unruhe
nutzten,  um  die  Arbeit  der  Regierungskommission  zu  sabotieren,  doch  verwies  er  nur
ein  einziges  Mal  auf  den  Saarverein  als  Urheber  der  Destabilisierungsversuche467.
Ohne  zu  den  umfangreichen  Anschuldigungen  Stellung  zu  beziehen468,  wandte  sich
Vogel  Anfang  Juli  mit  einem  offenen  Brief  im  „Saar-Freund“  an  Rault,  in  welchem
er  die  bisherige  mangelnde  Objektivität  der  Regierungskommission  anprangerte  und
zugleich  sein  persönliches  Schicksal  als  Ausgewiesener  darlegte  -  ein  nicht  ungeschicktes
  Vorgehen,  da  er  sich  dadurch  einem  wachsenden  Leserkreis  als  energischer,
  mutiger,  kämpferischer  sowie  vor  allem  kompetenter  Fachmann  in  Saarangelegenheiten
  präsentierte  und  die  Regierungskommission  zu  einer  Entscheidung
in  seinem  Fall  nötigte469.  Rault  blieb  -  wie  nicht  anders  zu  erwarten  -  die  Antwort

4,0  Vgl.  „L’Echode  Forbach“  (21.05.20).  Zur  Polwona  vgl.  Kap.  4.1.
464  Das  zugrundeliegende  Schreiben  Vogels  an  das  AA  war  von  Fink  seinerzeit  entwendet  worden:  Vgl.
Flugblatt  (Juli  1920),  in:  MAE.  Sarre  115;  SF  1  (1920)  13,  S.  110;  SF  1  (1920)  21.  S.  211.  Zu  den
weiteren  in  der  Öffentlichkeit  ausgetragenen  Auseinandersetzungen  zwischen  Vogel  und  Fink  vgl.
NSK  Nr.  215  (10.08.20);  NSK  Nr.  24  (29.01.21);  SF  2  (1921)  2,  S.  15  f.;  SF  2  (1921)4.  S.  38.
465  Renseignement  d’Alsace  (26.10.20),  in:  AN,  AP  3155.  Der  Informant  wußte  von  mehreren  Tausend
Mitgliedern  und  315  dem  Bund  angeschlossenen  Vereinigungen  zu  berichten.
466  Vgl.  hierzu  die  Momentaufnahme  des  PrMI  aus  dem  Jahr  1927  über  die  verschiedenen  Stellen  in
Saarbrücken,  Sarreguemines  und  Forbach:  Briefe  des  PrMI  an  das  AA  (01.06.27  und  28.06.27),  in:
PA  AA,  H  a  Saargebiet.  R  76.129;  Mayer:  Französische  Politik,  S.  92-97.
467  Vgl.  I.  periodischer  Bericht  der  Reko  (25.03.20),  in:  JO  1  (1920)3,  S.  102.  Ähnlich  äußerte  er  sich  im
folgenden  Bericht  (01.05.20),  in:  JO  1  (1920)  4.  S.  199.
4f,s  Es  ist  ohnehin  fraglich,  ob  Vogel  zu  diesem  frühen  Zeitpunkt  überhaupt  das  „Journal  Officiel“  des
Völkerbundes  kannte.
469  Vgl.  SF  1  (1920)  12,  S.  93  f.

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