Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

über  die  Versöhnungsbemühungen  der  vom  Auswärtigen  Amt  protegierten  Vereinigung.
  Ebensowenig  nahm  das  Bundesorgan  Notiz  vom  bahnbrechenden  „Sohlbergtreffen“
  im  Sommer  1930  zwischen  französischen  und  deutschen  Jugendlichen4''7.
  Vielmehr  warnte  es  davor,  das  Saargebiet  zum  Experimentierfeld  für
(Briands)  Pan-Europagedanken  zu  mißbrauchen457 458.
Wenige  Monate  vor  den  innenpolitischen  Umwälzungen  im  Deutschen  Reich  hatte
die  Abgrenzung  von  Frankreich  ein  solches  Ausmaß  angenommen,  daß  Posselt  sogar
abriet,  das  Saargebiet  in  die  Rolle  der  verbindenden  Brücke  zwischen  beiden  Staaten
zu  drängen,  weil  Frankreich  unter  dem  Deckmantel  der  Verständigung  lediglich
wirtschaftliche  Interessen  durchzusetzen  versuche459.
3.3.4 Reaktionen  auf  die  Gegenpropaganda
Zur  gleichen  Zeit,  als  Vogel  mit  großer  Genugtuung  feststelite.  daß  es  ihm  bislang
gelungen  sei.  die  tatsächliche  Propagandaarbeit  der  Geschäftsstelle  ..Saar-Verein“  vor
den  Franzosen  geheimzuhalten460,  kursierte  im  Quai  d'Orsay  ein  Dossier,  demzufolge
Posselt  und  ein  gewisser  Kansert  unter  Vogels  Leitung  als  die  Hauptprotagonisten
der  antifranzösischen  Pressepropaganda  an  der  Saar  anzusehen  seien461.  Angesichts
der  umfangreichen  Aktivitäten  der  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  war  es  nur  eine
Frage  der  Zeit,  bis  die  Saarbrücker,  Pariser  und  Genfer  Behörden  der  Saarorganisation
  auf  die  Schliche  kamen.  Während  der  Völkerbund  keinen  Anlaß  sah,  selbst
gegen  die  Arbeit  des  Bundes  einzuschreiten,  hatten  die  Regierungskommission  und
die  Vertreter  Frankreichs  ein  wachsames  Auge  auf  die  Propaganda,  die  von  der
Berliner  Königgrätzerbzw.  Stresemannstraße  ausging.  Einen  ersten  Rückschlag  hatte
die  konspirativ  aufgezogene  Saarheimatschutzorganisation  schon  Monate  vor  der
Verhaftung  Olimerts  Ende  Juli  hinzunehmen:  Dem  Leiter  der  französischen  Propagandasteile
  im  Saargebiet,  Major  Richert,  war  es  gelungen,  einen  Spitzel  in  die
Berliner  Geschäftsstelle  des  Saarvereins  einzuschleusen.  Als  Flüchtling  getarnt,
kundschaftete  der  aus  dem  saarländischen  Altenwald  stammende  Ludwig  Fink  die
Zentrale  in  der  Königgrätzer  Straße  im  Frühjahr  1920  aus  und  entwendete  allem
Anschein  nach  auch  verschiedene  vertrauliche  Schreiben.  Zwar  war  man  bemüht,  den
entstandenen  Schaden  herunterzuspielen462,  doch  ergeben  die  Veröffentlichungen  des
Spions  ein  anderes  Bild:  Fink  deckte  in  einer  grenznahen  französischen  Zeitung

457 Vgl.  TlEMANN:  Deutsch-französische  Jugendbeziehungen;  Ray,  S.  23-71.
45s  Ebenfalls  auf  strikte  Ablehnung  stieß  die  Idee,  den  Völkerbundssitz  nach  Saarbrücken  zu  verlegen:
Vgl.  SF  12(1931)  1,  S.  2;  SF  12(1931)3,5.  35  f.
459  SF  13  (1932)  17,  S.  269  f.
460  „Eine  solche  Verschleierung  herbeizuführen,  ist  von  uns  auch  durchaus  beabsichtigt.“:  Vgl.  Brief  der
GSV  an  das  AA  (23.02.20),  in:  BA-R  8014/664.  Hintergrund  war  ein  Artikel  in  der  „Libre  Parole“
vom  22.01.20,  in  welcher  der  Autor  zwar  über  unermeßliche  Subsidienzahlungen  zu  berichten  wußte,
welche  die  prodeutsche  Propaganda  von  der  Berliner  Regierung  erhielte,  den  Saarverein  aber  auf  seine
Frankfurter  Nebenstelle  beschränkte.
461  Feuille  de  renseignement  Nr.  2880  (21.02.20),  in:  MAE,  Sarre  115.
462  Vgl.  Brief  Kraus’  an  das  AA  (08.06.20),  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  76.090.

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