deutschen Gesinnung und zugleich als Beobachterin französischer Propagandaoffensiven
an der Saar beibehalten, zumal zu erwarten war, daß Frankreich aus der
vorzeitigen Liquidierung der Saarfrage größtmöglichen wirtschaftlichen Profit würde
ziehen wollen. Erstmals zeichnete sich aber ein neues Betätigungsfeld für den Bund
der Saarvereine ab, der offensichtlich nicht gewillt war, sich nach der Erfüllung
seines ursprünglichen Ziels zurückzuziehen oder gar aufzulösen: Nach Ansicht
Vogels könne die Geschäftsstelle „Saar-Verein“ bei der Wiedereingliederung der
saarländischen Wirtschaft in den deutschen Wirtschaftsorganismus wertvolle Unterstützungsarbeit
leisten, indem sie beispielsweise bei der Öffnung des deutschen
Marktes behilflich sein werde. Während von ihr sowie den Vertretern der Arbeitgeber-
bzw. Arbeitnehmerverbände und den Handelskammern des Saargebiets alle
maßgebenden Stellen des In- und Auslandes über die politischen und wirtschaftlichen
Verhältnisse des Saargebiets aufgeklärt und hierdurch Interesse und Verständnis für
die wirtschaftspolitische Entwicklung geweckt werden sollte, wollte Vogel alle
Bestrebungen unterstützen, die geeignet schienen, die Rahmenbedingungen an der
Saar den Gegebenheiten des Reiches anzugleichen. Über diesen primär ökonomisch
orientierten Lobbyismus hinaus sollte die Dominanz der französischen Industrie an
der Saar sukzessive zurückgedrängt werden441. Die hinter diesen Gedankengängen
liegende Intention dürfte nicht zuletzt gewesen sein, sich - unabhängig vom Ausgang
der Gespräche - selbst unentbehrlich zu machen, um nicht im Zuge der deutschfranzösischen
Verständigung ausgebootet und von anderen Organisationen verdrängt
zu werden.
Die Position des Bundes in den Wochen vor Beginn der Konferenz in Paris (21.
November 1929) läßt sich auf folgenden Nenner bringen:
„Restlose Rückgabe des Saargebiets ohne Preisgabe auch nur eines Quadratzentimeters saardeutschen
Bodens, restlose Eingliederung der saarländischen Wirtschaft in die Wirtschaft des
Reiches, Lösung der Saarfrage in Verbindung mit der Räumung des Rheinlandes als unverrückbare
Vorbedingung für die Übernahme der Lasten der Reparationseinigung und für eine Verständigung
mit Frankreich!“44“
Da sich die deutsche Seite ihres Erfolges bei der Abstimmung 1935 absolut sicher
sein könne, sollten die Verhandlungsführer um Staatssekretär Ernst von Simson keine
überflüssigen Kompromisse eingehen und Konzessionen nur in dem Rahmen gewähren,
wie sie aus Sicht der gesamtpolitischen Lage zu verantworten seien443. Um den
Jahreswechsel 1929/30 schien die Saarfrage an ihrem entscheidenden Wendepunkt
angelangt zu sein; zahlreiche Vorträge über den Gang der Verhandlungen zeigen, daß
441 Vgl. Protokoll der Besprechungen vom 30./ 31.08.29 (04.09.29), in: BA-R 8014/8; Vortrag Vogels
vor der Berliner Ortsgruppe (26.10.29), in: SF 10 (1929) 21, S. 449-453.
442 SF 10 (1929) 12/13, S. 254. Vgl. zur Konferenz: KNIPPING: Ende der Locarno-Ära, S. 74-84. S.
124-131 und S. 148-154. Ferner: HIRSCH: Saar von Genf, S. 47-51; JACOBY, S. 67-79; RÖDDER. S.
96-13; Zenner: Parteien und Politik, S. 211-250.
441 Vgl. SF 10 (1929) 22, S. 469 f.; Die Tätigkeit 1929, S. 6; SF 10 (1929) 23, S. 503. Im Tätigkeitsbericht
des darauffolgenden Jahres lehnte der Verein bereits alle Konzessionen ab: Vgl. Das Wirken
im Jahre 1930, S. 4.
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