und damit ihre Erfolgschancen zu paralysieren. Im Gegensatz zu den offiziellen
Pariser Saarvertretern, die sich zu dieser Zeit bereits dafür entschieden hatten, eine
Politik der Besitzstandswahrung zu betreiben, hielt die am 14. Februar 1928 in Paris
gegründete AFS an den bisherigen Positionen fest:
„[Elle - F.B.j estime que les dispositions du traité ne permettent pas d'apporter avant 1935 une
modification au régime de la Sarre, il convient d’y maintenir le statu quo tout en s’efforçant
d’accroître l’influence française dans le Bassin.“393
Unter der Leitung ihres Präsidenten Henry Rossignol, zugleich Präsident der „Union
Nationale des Combattants“ und ihres Ehrenpräsidenten Jacques Bardoux. Professor
an der Staats wissenschaftlichen Fehranstalt in Paris und während des Krieges Berater
Maréchal Fochs394, verzichtete die AFS darauf, eine dem Bund der Saarvereine
vergleichbare Organisation aufzubauen: Sie hielt zwar ebenfalls jährlich eine Generalversammlung
ab und vereinigte sowohl Einzelmitglieder als auch Körperschaften'95,
doch blieb sie zentralistisch nach Paris orientiert und konnte sich nicht
landesweit auf lokale Ableger stützen. Nach Artikel 2 ihrer Statuten verfolgte die
Vereinigung das Ziel, alles in die Wege zu leiten, das geeignet schien, die französischen
Interessen an der Saar zu verteidigen396. Ab Januar 1929 erschien vierteljährlich
das anfangs zwölfseitige „Journal des Français de la Sarre“397, ein in Nancy
publiziertes Blatt, das zwar die Verbindung zu privaten Vereinigungen geschweige
w Entschließung der AFS auf der Jahresversammlung (06.12.28), in: AN, F14 18.206. Zur AFS eingehend:
Lempert, S. 459^168.
,v4 Einer der beiden Vizepräsidenten war der Präsident der Ende 1922 gegründeten „Société des Amis des
Pays de la Sarre“, Commandant Lanrezac. Zur Person Lanrezacs, der das Pseudonym „Cazernal“
benutzte, vgl. Brief Lanrezacs an den Minister für öffentliche Arbeiten (Mitte April 1929) sowie
Note für den Minister (14.04.29), in: AN. F14 18.206; SF 10(1929) 1,S. 11 f.; SF II (1930) 4, S. 71
f.; SF 15 ( 1934) 6. S. 95 f. Zur „Société“ und ihrem bis 1934 erschienenen Bulletin, das Ähnlichkeiten
mit dem „Saarkalender“ Albert ZÜHLKEs aufwies, vgl. Baldauf, S. 52-59; Lempert, S.
455-458. Die AFS verfügte über zwei Generalsekretäre: Edmond Bloch in Paris, zugleich Generalsekretär
der „Association des Mutilés de Guerre“, sowie Robert Herly im Saargebiet. Unter dem
Pseudonym „Jean Revire“ publizierte Herly verschiedene Propagandaschriften. Offiziell füngierte
Herly als Magazinverwalter der Grubendirektion Dudweiler: Vgl. SF 11 (1930) 5, S. 95 ff.
,95 Unter diesen spielten Wirtschafts- und Frontkämpferverbände die maßgebende Rolle. Intern war die
AFS in eben diese beiden Flügel gespalten: In ihrem Verwaltungsrat und Vorstand dominierten die
Vertreter nationalistischer Organisationen wie der „Ligue des Patriotes“, der „Ligue Française“, des
„Comité de la Rive Gauche du Rhin“ und der „Union Fédérale des Associations Françaises des
Victimes de la Guerre“, während ihre eigentlichen Initiatoren in den Reihen des „Groupement des
Français possédant des intérêts en Sarre“ zu suchen waren. Diese französischen Industriellen standen
einer aus ökonomischer Vernunft diktieren Kompromißlösung aufgeschlossen gegenüber.
Vgl. Statuten der AFS (Frühjahr 1928). in: BA-R 8014/881. Die Finanzierung erfolgte durch Mitgliedsbeiträge,
Subventionen und Zinsen (Artikel 21). Mit dem Scheitern der Saarverhandlungen
zogen sich die Saarindustriellen allerdings zurück, so daß die AFS verstärkt auf die Förderung durch
die öffentliche Hand angewiesen war. die sich entgegen den Behauptungen aus dem deutschen Lager
in Grenzen hielt.
197 Vgl. „Journal des Français de la Sarre" Nr. 2 (Avril 1929). Vgl. Lempert, S. 486-490. Jedes Heft
besaß einen thematischen Schwerpunkt, dem Berichte über heimatkundliche und wirtschaftliche
Themen sowie eine Presseschau englischer und französischer Zeitungen über die Saar folgten: Vgl.
fernerden Brief Lanrezacs an den Minister für öffentliche Arbeiten (Mitte April 1929), in: AN, F14
18.206.
199