Im Frühjahr 1923 entfielen der französische Untertitel des NSK sowie sein französischsprachiger
Teil, was als Indiz dafür gewertet werden kann, daß er selbst unter
den im Saargebiet ansässigen Franzosen nur unzureichenden Absatz fand'80. Besaß
das Blatt zu dieser Zeit angeblich nur noch 500 Abonnenten'81, mußte es drei Jahre
später sein Erscheinen gänzlich einstellen, da auch sein neuer Chefredakteur Wilhelm
Schöttler es nicht vermochte, das Versiegen der französischen Subventionsquellen
abzuwenden. Überdeutlich zeigte der „Saar-Freund“ seine Genugtuung über das
langsame Eingehen der gegnerischen Zeitung: „Die Richertsche französische Giftnatter,
der sogenannte ,Neue Saarkurier’ ist eingegangen, verreckt im eigenen Kot.“’82
Gegen Ende der zwanziger Jahre begann der „Saar-Freund“ verstärkt, Artikel mit
Saarbetreffen in französischen Zeitungen zu sichten, wobei mißliebige Ausführungen
der Gegenseite als „Seifenblasen eines offenbar Geistesgestörten“380 383 abqualifiziert
wurden. In ähnlicher Weise verfuhren Vogel und die Autoren des „Saar-Freund“ mit
der französischen Saarliteratur, die nach dem Ersten Weltkrieg die bisher populäre
Rheinliteratur ablöste384 385. Meist titulierten die Rezensionen die Untersuchungen aus
der Feder französischer Autoren als „Illusionen und Geschichtsklitterungen“, um am
Ende zu dem Schluß zu gelangen, daß allein schon ihre Existenz die Notwendigkeit
der Saarvereinsarbeit unterstreiche und forderten energischeres Auftreten ein383.
Diese Strategie war nicht neu: Seien es Anfang der zwanziger Jahre die Machenschaften
des dämonisierten französischen Majors Richert386, sei es die Existenz des
und ihre Haltlosigkeit demonstrieren wolle: Vgl. SF 2 (1921) 4. S. 38; SF 2 (1921) 14. S. 187 f.; SF
2 (1921) 23, S. 333 f.
380 Vgl. NSK Nr. 130 (08.06.23); LEMPERT, S. 419.
381 Vgl. undatiertes Protokoll der Sitzung des Aufsichts- und Beratungsausschusses sowie des interfraktionellen
Saarausschusses vom 22.06.23, in: LA Saarbrücken, Saar-Verein 2.
382 SF 7 (1926) 3, S. 46. Mitte Juni 1931 erschien mit der „Saar-Chronik“, deren Ziel nach eigenem
Bekunden war, die Interessen der Saarländer zu verteidigen („Saar-Chronik“ Nr. 1 (14.06.31)),
wöchentlich wieder eine Zeitschrift im Saargebiet, die offen für die Autonomie des Mandatslandes
eintrat. Ihre Anfangsauflage von 6.000 Exemplaren konnte sie nicht aufrechterhalten: bis Mitte
November 1934 sank sie auf eine Stückzahl von 1.200: Vgl. Baldauf, S. 44-49; Lempert, S.
438—447; SF 12(1931) 19. S. 324 ff.; SF 12 (1931)20, S. 342; SF 12 (1931) 21, S. 349 ff.
383 SF 12 (1931) 18, S. 302. Damit vermied der BdS den Fehler, vor dem Stern-Rubarth (S. 114)
bereits 1921 gewarnt hatte: Er verzichtete auf eine ins Leere laufende Gegenpropaganda, die lediglich
danach trachtete, französische Argumente zu widerlegen. Statt dessen betrieb er eine „prohibitive
Propaganda“, d.h. er versuchte der gegnerischen Propaganda frühzeitig das Wasser abzugraben.
384 Vgl. KF.RN, S. 321-325. Zur französischen Saarforschung vgl. insbesondere HELLWIG (Die Saarliteratur
Frankreichs), der über 300 französische Titel nachweisen konnte.
385 Vgl. die Besprechungen von BOURSON (in: SF i 1 (1930) 23, S. 424) und Revire: La Sarre. in: SF 9
(1928)11.S. 167-171.
386 Vom Leiter des französischen Propagandaapparates behauptete der SF, daß er als Neffe Clemenceaus
der wirkliche Präsident der Reko und für die Eskalation der Situation während des Beamtenstreiks
1920 verantwortlich gewesen sei: Vgl. SF 1 (1920) 10, S. 71 ff.: SF 1 (1920) 16. S. 150; SF 2 (1921)
14, S. 182; SF 3 (1922) 9, S. 139; SF 3 (1922) 6/7. S. 78. 1923 wurde Richert von der französischen
Regierung wegen seiner Verstrickung in einen Münchener Putschversuch gegen seinen Willen nach
Frankreich versetzt: Vgl. Note des französischen Außenministeriums (02.03.23), in: MAE. Same 7;
SF 4 (1923) 16, S. 229 f.; SF 4 (1923) 19, S. 256 ff.; SF 4 (1923) 20. S. 263 ff.
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