Um nicht in den Verdacht zu geraten, sich in Fundamentalopposition zum offiziellen
Kurs der Reichsregierung zu begeben, mußte der „Saar-Freund“ im unmittelbaren
Vorfeld des Beitritts (September 1926) seine bisherige Position revidieren; Deutschland
solle die Entscheidung unabhängig vom Saargebiet treffen und sich im Interesse
des Gesamtstaates auf keine Konzessionen zugunsten des Mandatsgebietes einlassen.
Dabei empfahl der „Saar-Freund“ den deutschen Verhandlungsführern, aus dem
Beitritt das größtmögliche Kapital zu schlagen, da die Entente ihn mindestens ebenso
wünsche '70. Von dem ständigen Sitz im Völkerbundsrat versprach sich die Redaktion
eine bessere Kommunikation zwischen den verschiedenen Institutionen des Völkerbundes
auf der einen und den politischen Vertretern der Saarbevölkerung auf der
anderen Seite. Insgesamt äußerte sie sich positiv und hoffte auf Verbesserungen
durch den Beitritt Deutschlands* 371.
Schon binnen weniger Monate entpuppten sich derartige Erwartungen nach Ansicht
des „Saar-Freund“ als Illusion. Während die weitreichende Bedeutung der Aufnahme
Deutschlands in den Völkerbund geflissentlich übergangen wurde, attestierte das
Blatt der Arbeit der Staatengemeinschaft eine negative Bilanz. Auch in den kommenden
Jahren riß diese Kritik nicht ab, wenngleich sie nicht mehr so leidenschaftlich
wie in den vorangegangenen Jahren geäußert wurde372. Der Austritt Hitlerdeutschlands
im Jahr 1933 galt den „Saar-Freunden“ nach einer jahrelangen und durch
Enttäuschungen geprägten Mitgliedschaft daher als adäquate Maßnahme373.
3.3.2 Bekämpfung der französischen Propaganda an der Saar
Unmittelbar nach dem Einmarsch der französischen Besatzungstruppen in den
linksrheinischen Gebieten startete im Winter 1918/19 die erste französische Propagandaoffensive
mit dem Ziel, für die bevorstehende Friedenskonferenz Fakten zu
schaffen. Frankreichs Ambitionen, das Saarbecken zu annektieren, scheiterten zwar
in Versailles am Widerstand der anderen Delegationen, doch hatte das Saarstatut dem
französischen Staat eine Fülle von Vorrechten eingeräumt, die er in den folgenden
Jahren gezielt dazu einsetzte, die in Aussicht gestellte Abstimmung für sich zu
entscheiden. Die Geschäftsstelle „Saar-Verein“ setzte ihrerseits alles daran, den
einstigen Kriegsgegner seiner Chancen zu berauben, dauerhaft an der Saar Fuß zu
fassen und die von den Franzosen anvisierte Konsolidierung der Verhältnisse zu
6 (1925) II.S. 167 f.; SF 6 (1925) 14. S. 217; SF 7 (1926) 5, S. 72 f.; SF 6 (1925) 12/13,S. 180.
Vermeintliche Verfehlungen des Völkerbundes wie sein Verhalten im „Danziger Briefkastenstreit“
wurden immer wieder aufgegriffen, selbst wenn sie mit dem Saargebiet nichts zu tun hatten: Vgl. SF
6(1925) 20, S. 331 f.
370 Vgl. SF 6 (1925) 14, S. 231; SF 6 (1925) 19, S. 314.
371 Vgl. SF 7 (1926) 4, S. 53 f.; SF 7 (1926) 18, S. 333 f.
372 Vgl. SF 8 (1927) 13, S. 201-204; SF 8 (1927) 20, S. 377 f.; SF 9 (1928) 10, S. 149 f.; SF 11 (1930)
23, S. 417 f.; SF 12(1931) 8. S. 117 f.; SF 12(1931) 18, S. 305 ff.;SF 12(1931) 13/14. S. 206-209.
Zur polemischen Zurückweisung des Vorschlages, den Sitz des Völkerbundes nach Saarbrücken zu
verlegen: Vgl. SF 11 (1930) 23, S. 424; SF 11 (1930) 24, S. 440 f.; SF 12 (1931) 2, S. 21 ff.
373 Vgl. SF 14 (1933) 21, S. 397 f.; SF 14 (1933) 22. S. 413 f.
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