Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

gebrauch seien sogar zahlreiche Tote zu beklagen'47. Da die gegen die Schuldigen 
verhängte Strafen in aller Regel verhältnismäßig mild ausfielen, stand für den „Saar- 
Freund“ fest: „Diese Herrschaften durften morden, vergewaltigen, anrempeln, 
schlagen, stechen, schießen. Herr Rault lächelte nur befriedigt [.„]“347 348. Vor allem 
Frauen und Kinder fielen immer wieder dem ungebührlichen Verhalten der französi¬ 
schen Soldaten zum Opfer: die Bandbreite der unterstellten Delikte reicht von 
einfacher Belästigung auf offener Straße über Vergewaltigung bis hin zum Sexual¬ 
mord349. In noch viel stärkerem Maße als die einfachen Soldaten aus Innerfrankreich 
waren die farbigen Besatzungstruppen den Haßtiraden des Vereins ausgeliefert. 
Ähnlich wie im gesamten Rheinland wurden auch an der Saar die aus Nordafrika und 
Indochina stammenden Verbände als Provokation für die deutsche Bevölkerung 
empfunden. Schon die reine Anwesenheit des „verbrecherischen Gesindels aus dem 
Osten“ bzw. der ,,schwarze[n] Pest“350 galt als Gefahr für die Zivilbevölkerung: Nicht 
nur die Zahl der mit Geschlechtskrankheiten infizierten Personen sei dramatisch 
angestiegen, sondern die farbigen Soldaten wurden bezichtigt, die Schlafkrankheit 
eingeschleppt zu haben"1. Die gesamte europäische Zivilisation schien durch die 
Kolonialregimenter bedroht352. In ihrem Propagandafeldzug kooperierte die Berliner 
Zentrale mit verschiedenen Organisationen wie beispielsweise der „Rheinischen 
Frauenliga“, in deren Auftrag sie die Flugschrift „Farbige Franzosen am Rhein“ einer 
frühen Ausgabe des „Saar-Freund“ beilegte353. Da bis Anfang 1922 alle farbigen 
Regimenter aus dem Saargebiet abgezogen waren, rückte die rassistische Komponen¬ 
te der Saarvereinsagitation gegen die französischen Verbände in den Hintergrund. 
* * * 
Schon allein durch die Einbindung der Völkerbundssatzung in das Versailler Ver¬ 
tragswerk mußte das als Aufsichts- und Schiedsorgan konzipierte Gremium zur 
friedlichen Beilegung internationaler Konflikte und zur Wahrung der kollektiven 
Sicherheit der deutschen Propaganda verdächtig erscheinen. Ihre Befürchtungen 
347 Insgesamt zehn Opfer gingen bis 1924 auf das Konto der französischen Truppen: Vgl. BRUCH: 
Franzosen im Saargebiet, S. 5. 
ms <jp -j (1926) 5, S. 77. Sonstige ähnliche Vorwürfe - allein bezogen auf das Jahr 1920 in: SF 1 
(1920)7, S. 40; SF 1 (1920) 8, S. 47 f.; SF 1 (1920)9, S. 62; SF 1 (1920) 13,S. 114 ff.; SF 1 (1920) 
14, S. 125; SF 1 (1920) 17, S. 170; SF 1 (1920) 20, S. 203; SF 1 (1920) 22, S. 223. Die Unzufrieden¬ 
heit unter den französischen Soldaten nach Kriegsende und deren enttäuschte Erwartungen, die 
manche Entgleisung zwar nicht rechtfertigen, aber verständlicher machen können, hat CABANES 
untersucht. 
349 Vgl. die Berichte über die Vergewaltigung eines Dienstmädchens durch zwei asiatische Soldaten, in: 
SF 1 (1920) 3, S. 11; SF 1 (1920) 8, S. 48. Vgl. auch SF 1 (1920) 11, S. 87; SF 1 (1920) 16, S. 155; 
SF 7 (1926) 19, S. 361 f.;SF 10(1929) 10, S. 186 f. 
350 SF 1 (1920) 9, S. 63. Weitere Ausfälle gegen die farbigen Soldaten: „Unheil stiftenden 
Heuschreckenschwarm“ (SF 2 (1921) 3, S. 27), „Niggergreuel im besetzten Gebiet“ (SF 2 (1921) 12, 
S. 164) oder auch „finstere Menschen finsterer Erdteile“ (SF 2 (1921) 2, S. 15). 
351 Vgl. SF 2 (1921) 3, S. 29; SF 2 (1921) 7, S. 82. 
352 Vgl. SF 1 (1920) 16, S. 155; SF 2 (1921) 6, S. 68 f.; SF 2 (1921) 6, S. 86; SF 2 (1921) 7, S. 102. 
353 Vgl. SF 1 (1920) 12, S. 95 ff. und S. 104. 
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