Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Die  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  polemisierte  nicht  nur  gegen  das  Völkerbundsorgan
  als  solches,  sondern  agitierte  ebenso  gegen  deren  politische  Entscheidungen.
Zwei  der  Propagandathemen  des  Saarvereins  aus  dem  Bereich  der  saarländischen
Innenpolitik  sollen  im  folgenden  in  geraffter  Form  dargestellt  werden.
Der  Kampf  gegen  die  französische  Schule  und  den  französischen  Sprachunterricht
stand  in  keinem  Verhältnis  zu  der  eigentlichen  Bedeutung  des  Problems:  Trotz  aller
Vergünstigungen  für  die  Kinder  und  deren  Eltern  und  trotz  teilweise  massiver
Druckmittel  seitens  der  Grubenverwaltung”s  besuchten  auf  dem  Höhepunkt  der
Werbekampagne  lediglich  etwa  5%  der  schulpflichtigen  saarländischen  Kinder
französische  Schulen.  Drei  Jahre  vor  dem  Plebiszit  waren  es  nach  einem  starken
Rückgang  zu  Ende  der  zwanziger  Jahre  ungefähr  3.200  Kinder'  '1'.  Dessenungeachtet
stand  für  das  Bundesorgan  fest:
„Die  französische  Schule  ist  eine  Pestbeule  an  dem  saarländischen  Schulkörper.  Sie  zu  bekämpfen.
  muß  uns  jedes  Mittel  recht  sein,  das  sittlich  erlaubt  und  erfolgversprechend  ist  [...].  Hinweg
mit  diesem  welschen  Gewächs!“338 340
Die  Agitation  nahm  teilweise  groteske  Formen  an.  So  heroisierte  der  „Saar-Freund“
beispielsweise  die  mangelnde  Lernbereitschaft  einer  saarländischen  Oberklasse  im
Französischunterricht  als  Akt  des  stillen  Widerstandes341.  In  zahlreichen  Artikeln  und
Vorträgen  ereiferten  sich  Vogels  Mitstreiter  vor  allem  gegen  die  Zurückdrängung  der
traditionellen  Konfessionsschule  und  gegen  die  mangelnde  Befähigung  der  protegierten
  französischen  Lehrerschaft,  die  es  den  Kindern  später  unmöglich  mache,  ein
Studium  in  Deutschland  aufzunehmen.  Ebenso  machte  sie  gegen  die  inhaltliche
Ausrichtung  der  reformierten  Schulbücher  mobil,  die  ihrer  Meinung  nach  den  saarländischen
  Heimatgedanken  auf  Kosten  des  deutschen  Nationalgefühls  überbetonten342.

Ebenso  war  das  im  Saargebiet  stationierte  französische  Militär  vielen  Mitgliedern  des
Bundes  der  Saarvereine  ein  Dorn  im  Auge,  hatten  die  meisten  von  ihnen  doch  selbst
im  Feld  gestanden  und  während  der  etwa  15monatigen  Dauer  des  Besatzungsregimes
eigene  leidvolle  Erfahrungen  sammeln  müssen.  Mit  dem  Inkrafttreten  des  Saarstatuts
und  dem  Amtsantritt  der  Regierungskommission  Ende  Februar  1920  war  die  Phase
der  französischen  Militärverwaltung  zwar  de  iure  beendet,  tatsächlich  verstand  es  die

verhaftet,  aus  Mangel  an  Beweisen  aber  freigesprochen  wurde,  vgl.  Mallmann/  Paul:  Bartholomäus
Koßmann;  BOST.
338  Vgl.  SF4  (1923)  2,  S.  16:  SF4  (1923)  20,  S.  262;  SF4  (1923)  22,  S.  282;  SF  5  (1924)  12,  S.  176.
339  Vgl.  SF  14(1933)6,  S.  92.
340  SF8  (1927)  11.  S.  171.
341  Vgl.  SF  8  (1927)  8,  S.  125.
342  Vgl.  zur  deutschen  Position:  HANNIG:  Historisch-politische  Erziehung  im  Saargebiet,  S.  73-76.  Vgl.
allgemein  zum  „Schulkampf':  SF4  (1923)  3,  S.  25  ff.;  SF5  (1924)  6,  S.  78  f.;  SF  5  (1924)  9,  S.  134
f.;  SF5  (1924)  10,  S.  137-  142;  SF  5  (1924)  10,  S.  146;  SF  7  (1926)  21,  S.  386  ff.;  SFB  (1927)  12,
S.  192  f.;  SF  11  (1930)  13/14.  S.  248  ff.;  SF  11  (1930)  22,  S.  406  ff.;  SF  12  (1931)  4,  S.  55  f.;  SF  12
(1931)6,  S.  90  f.;  SF  12(1931)  13/14,  S.  209-212;  SF  12  (1931)  13/14,  S.  222-227;  SF  12(1931)
20,  S.  337  f.;  SF  12  (1931)  21,  S.  355  f.;  SF  12  (1931)  22,  S.  369  f.;  SF  12  (1931)  23,  S.  402  ff.

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