Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

die  Folgen  der  nieht  eingestandenen  Niederlage  beseitigen  und  letztendlich  die
„Schmach  von  Versailles“  aus  der  Geschichte  tilgen  zu  können.  Dabei  ist  es  eher
unwahrscheinlich,  daß  sich  die  führenden  Köpfe  des  Bundes  mit  theoretischen
Schriften  zur  Propaganda  oder  der  damals  modernen  Massenpsychologie  auseinandergesetzt
  haben.  Insbesondere  der  langjährige  Geschäftsführer  Theodor  Vogel
knüpfte  an  Erfahrungen  aus  seiner  Saarbrücker  Zeit  als  Redakteur  im  Dienst  der
Königlich  Preußischen  Bergwerksdirektion  an,  für  die  er  über  Jahrzehnte  tendenziöse
Artikel  verfaßt  hatte,  während  er  im  bürgerlich-nationalen  Vereinsmilieu  und  innerhalb
  des  „Nationalliberalen  Wahlvereins“  Mechanismen  der  Massenbeeinflussung
und  Suggestion  kennenlernte.  Die  Wirkung  von  symbolgeschmückten  Aufmärschen
war  ihm  ebenso  vertraut  wie  die  Erwartungshaltung  eines  Publikums,  das  der  Einladung
  zu  einer  Vortragsveranstaltung  gefolgt  war.  Infolgedessen  stößt  man  beim
Bund  der  Saarvereine  auf  kein  geschlossenes  theoriegestütztes  Propagandakonzept,
sondern  findet  vielmehr  eine  Kumulation,  Selektion  und  letztendlich  Adaption  von
diversen  Elementen  aus  der  damaligen  Vereinskultur  und  Publizistik  vor.  Zur  Steigerung
  der  propagandistischen  Durchschlagskraft  wandte  Vogel  Methoden  der  kommerziellen
  Reklame  zielgruppenorientiert  an,  beispielsweise  wenn  er  für  das  Produkt
„Deutsche  Saar“  die  immer  wiederkehrende  Parole  „Deutsch  ist  die  Saar“  einhämmerte.
  Als  scheinbar  propagandistisches  Naturtalent  beherrschte  Vogel  die  fünf
„Grundgesetze“3  der  Propaganda:  Mit  emotionalem  Pathos  polarisierte,  trivialisierte,
reduzierte  und  wiederholte  er.  Doch  blieb  für  ihn  Propaganda  ein  Instrument  und
lediglich  Mittel  zum  Zweck,  nicht  das  Ziel  seiner  Tätigkeit.
In  Anlehnung  an  die  Überlegungen  MALETZKEs  und  Pauls  sollen  unter  „Propaganda“
  sowohl  die  Gesamtheit  der  Mittel  und  Methoden  als  auch  all  jene  planmäßig
initiierten  Versuche  verstanden  werden,  durch  Kommunikation  und  konkrete  Hilfsmaßnahmen
  Einstellungen,  Meinungen  und  Verhaltensweisen  von  Zielgruppen  zu
beeinflussen  '4.  Die  Grenze  zur  „Aufklärung“,  die  ähnliche  Ziele  verfolgt,  ist  sicherlich
  oft  verschwommen,  doch  wird  der  Unterschied  ihrer  Methoden  an  den  Kampagnen
  des  Bundes  der  Saarvereine  deutlich:  Weder  seine  publizistische  Tätigkeit  noch
seine  Vorträge  fanden  unter  der  Prämisse  statt,  die  Rezipienten  auf  der  Grundlage
objektiv  nachprüfbarer  Fakten  zu  einem  eigenen  Urteil  gelangen  und  individuelle
Schlußfolgerungen  ziehen  zu  lassen.  Stets  lieferten  Vogel  und  seine  Mitstreiter  die
von  ihnen  erwarteten  Antworten  mit.  die  anschließend  -  beispielsweise  durch  unzählige
  Resolutionen  -  als  scheinbar  gültige  Wahrheiten  weitertransportiert  wurden.

33  Behrenbeck,  S.  51.
34  Wichtig  ist  in  diesem  Zusammenhang,  auch  schon  den  Versuch  der  Beeinflussung  als  „Propaganda“  zu
bezeichnen,  da  sonst  in  jedem  einzelnen  Fall  zunächst  untersucht  werden  müßte,  ob  das  angestrebte  Ziel
tatsächlich  erreicht  wurde.  Vgl.  MALETZKE,  S.  156  f.  und  PAUL:  Aufstand  der  Bilder.  S.  18.  Vgl.  hierzu
ebenfalls:  JOWETT/  O'DONNELL,  S.  5-11;  STRAUSS/  HASS/  HARRAS,  S.  303  ff.

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