830 saarländische Kinder nach mehrwöchigem Aufenthalt in Pommern, Ostpreußen
und Rügen auch für einige Tage in der Reichshauptstadt Station machten, wurden sie
bereits am Bahnhof von Vertretern verschiedener Parteigliederungen und des Saarvereins
feierlich empfangen. Auch wenn das dreitägige Besichtigungs- und
Empfangsprogramm bis ins Detail dem früherer Fahrten glich, blieb die Berliner
Ortsgruppe außen vor. Resigniert erkannte Vogel, daß der Saarverein fortan auch aus
dieser jahrelangen Funktion verdrängt worden und seine Beteiligung bestenfalls am
Rande erwünscht war1.
3.2.7 Wahrnehmung des Vereins im Saargebiet
„Im Saargebiet selbst hat der Verein zunächst nur geringen Anhang, namentlich
stehen ihm die Arbeitermassen fern. Von gewissen Kreisen wird er sogar heftig
bekämpft.“275 276 Dieses Urteil des Auswärtigen Amtes vom Sommer 1920 bringt die
Schwierigkeiten, mit denen die Geschäftsstelle „Saar-Verein“ in den ersten Jahren
ihres Bestehens zu kämpfen hatte, auf den Punkt. Wenn auch Kritik an der Tätigkeit
des Bundes gerne als persönliche Voreingenommenheit oder parteipolitische Engstirnigkeit
abqualifiziert wurde, mußte Vogel den Widersachern dennoch den Wind
aus den Segeln nehmen. Anderenfalls riskierte die Geschäftsstelle „Saar-Verein“, die
Unterstützung der Behörden zu verlieren, die größere Distanz wahrten, um sich durch
eine Kooperation mit Vogel nicht selbst im Saargebiet zu diskreditieren277 279. Insbesondere
an der Person Vogels schieden sich die Geister: Fast zur gleichen Zeit, als
ein Neunkircher USPD-Stadtrat die Rolle ins Gedächtnis rief, die Vogel vor und nach
dem Krieg an der Saar gespielt hatte, mahnte ein Pfarrer den Verleger der „Saarbrücker
Zeitung“, im Interesse des Blattes den Kontakt zu Vogel zu meiden: als
Intrigant und Lügner kenne er weder Moral, noch kümmere ihn sein Gewissen2™.
Vogel erklärte diese Feindschaft durch seine jahrelange Tätigkeit für den „Bergmannsfreund“,
durch parteipolitische Frontstellungen aus seinerzeit als Saarbrücker
Stadtverordneter sowie durch seine eigene, persönliche Aufrichtigkeit und Integrität,
die auch infolge der politischen Umwälzungen nach 1918 nicht gelitten habe276.
Anzeichen von Selbstkritik sucht man bei Vogel vergebens. Geriet Vogel wegen
verschickt werden: Vgl. Rundschreiben des „Winterhilfswerks 1933/34“ (04.01.34), in: Staatsarchiv
Amberg, Bezirksamt Regensburg 1031.
275 Vgl. Brief der GSV an das AA (23.12.33), in: PA AA, Il a Saargebiet, R 75.447 sowie den Bericht
über den Empfang von 1.000 Saarkindern in den Krollfestsälen, zu dem auch Hitler erschien, in: SF
15 (1934) 3, S. 43.
276 Brief des AA an das BayMA (18.08.20), in: BayHStA, MA 108.203.
277 Auch die Franzosen wußten von den Vorbehalten gegen den patriotischen Heißsporn Vogel: „II a
laissé dans le Territoire de la Sarre le souvenir d'un homme très actif, entreprenant et intrigant.“: Brief
Morizes an Außenminister Briand (29.08.27), in: MAE, Sarre 13.
278 Vgl. „Volksstimme“ Nr. 194 (20.08.20); Brief Pfarrer Raguths an Hofer (21.08.20), in: BA-R
1603/2509.
279 Vgl. Brief der GSV an StS Adelmann (14.07.21 ), in: BA-R 1601/1696. Zu dieser Zeit scheinen im
Saargebiet Unterschriften gegen Vogel gesammelt worden zu sein: Vgl. Brief der GSV an Lillig
(08.09.21), in: BA-R 8014/341.
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