Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Erweiterung  von  Vereinshäusern  und  -anlagen  oder  zur  Anschaffung  neuer  Gerätschaften
  und  Literatur  benötigt  wurden246.  Der  Umfang  des  Schriftverkehrs  und
ebenso  die  Art  und  Weise,  wie  Anträge  gestellt  wurden,  legen  die  Vermutung  nahe,
daß  erste  erfolgreiche  Vermittlungen  eine  Lawine  weiterer  Gesuche  nach  sich  zogen
und  daß  die  Geschäftsstelle  im  Saargebiet  als  eine  Art  „Kulturinstitut“  wahrgenommen
  wurde.  Der  Förderung  kultureller  Institutionen,  die  sich  direkt  oder  indirekt  der
Pflege  deutschen  Geistes  und  deutscher  Kulturgüter  verschrieben  hatten,  wollte  die
Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  ihre  besondere  Aufmerksamkeit  widmen247.  Welches
Verständnis  von  Kultur  dieser  Protektion  zugrunde  lag,  zeigte  sich  beispielsweise  auf
einem  Vortragsabend  der  Ortsgruppe  Mannheim,  auf  welchem  die  Gattin  des  Vorsitzenden
  über  das  Volkslied  an  der  Saar  referierte  und  es  als  wertvoller  als  die  sinnlose
„Negermusik  und  den  sentimentalen  Kitschschiager  der  Jetztzeit“  anpries248.  Ebenso
lag  die  Heimatdichtung  Liesbet  Dills  den  „Saarfreunden“  näher  als  die  expressionistischen
  Werke  der  „düsteren  Fanatiker  der  Langeweile“  und  „neurasthenischen
Literaturmenschen“249 250.
Abgesehen  vom  klaren  Bekenntnis  des  Antragstellers  zum  Deutschtum  lassen  sich
keine  einheitlichen  Kriterien  für  die  Bewilligung  von  Geldern  durch  die  Geschäftsstelle
  „Saar-Verein“  erkennen.  In  aller  Regel  leitete  sie  die  Schreiben  an  die  preußischen
  Ministerien  für  Volkswohlfahrt,  für  Handel  und  Gewerbe  bzw.  für  Wissenschaft,
  Kunst  und  Volksbildung,  an  den  bayerischen  Staatskommissar  Jolas  oder  das
Reichsinnenministerium  bzw.  das  Reichsministerium  für  die  besetzten  Gebiete
weiter.  In  Fällen,  die  Vogel  besonders  förderwürdig  schienen,  fügte  er  eine  eigene
Stellungnahme  hinzu.  Sofern  von  seiten  der  Behörden  Gelder  bewilligt  wurden,
gelangten  diese  über  die  Kölner  Verbindungsstelle  des  preußischen  Innenministeriums
  bzw.  den  bayerischen  Saarkommissar  an  die  saarländischen  Vereine,  ohne
daß  die  Geschäftsstelle  erneut  dazwischengeschaltet  wurde.  Meist  handelte  es  sich
nur  um  begrenzte  Zuschüsse  in  Höhe  von  maximal  wenigen  Tausend  Reichsmark,  die
nach  dem  Gießkannenprinzip  vergeben  wurden:  Möglichst  breit  gestreut  sollten
möglichst  viele  Organisationen  in  den  Genuß  finanzieller  Hilfe  kommen25".  Trotz
regelmäßiger  Proteste  der  Regierungskommission  gegen  diese  offene  Subventions¬246

  Vgl.  den  entsprechenden  Schriftwechsel  mit  Freizeitvereinen  wie  Schützen-  und  Kriegervereinen,
Turn-  und  Sportvereinen,  Segelflug-Vereinen,  Gesangsvereinen  und  Theatergruppen  ebenso  wie  mit
konfessionellen  und  genossenschaftlichen  Vereinen  oder  landsmannschaftlichen  Zusammenschlüssen,
in:  BA-R  8014/725-733.  Vergleichbare  Akten  auf  Behördenseite  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R
76.140-76.143;  BayHStA,  MA  108.025-108.028,  108.211,  108.216  und  108.218.
247  In  den  frühen  zwanziger  Jahren  engagierte  sich  die  GSV  in  besonderer  Weise  für  den  Auf-  und
Ausbau  der  Volksbibliotheken  und  Lesehallen,  die  mit  „geeigneter“  Literatur  bestückt  wurden:  Vgl.
Protokolle  der  Sitzung  des  Aufsichts-  und  Beratungsausschusses  sowie  des  interfraktionellen
Saarausschusses  vom  19.06.23  (22.06.23,  in:  LA  Saarbrücken,  Saar-Verein  2)  und  17.11.23,  in:  PA
AA.  II  a  Saargebiet.  R  76.091.
24S Vgl.  SF  10(1929)9,  S.  117.
249  Vgl.  den  Artikel  „Liesbet  Dill,  unsere  Heimatdichterin“,  in:  SF  2  (1921)  3,  S.  33  f.  Romanauszüge
und  Erzählungen  Dills  in:  SF  2  (1921)  6,  S.  70  f.  Vgl.  hierzu  allgemein:  Gay.
250  Vgl.  Aktenvermerk  in  der  Reichskanzlei  (16.07.32),  in:  BA-R  43-1/252.

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