Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Parallelen, die eben dieses Bedrohungsszenario ausschmiickten und appellierte an das 
Pflichtgefühl der Deutschen, gemeinsam mit dem Bund der Saarvereine Widerstand 
zu leisten. Insbesondere nach Gründung der ..Association Française de la Sarre44 1928 
und verstärkt in der wirtschaftlich schwierigen Phase zu Anfang der dreißiger Jahre 
forderte die Geschäftsstelle „Saar-Verein'4, im „Endkampf um die Saar44 ausreichende 
Finanzmittel zur Verfügung zu stellen, um der Saar das Schicksal Oberschlesiens zu 
ersparen242. 
3.2.5 Unterstützung saarländischer Vereine 
Das anfänglich vom Bürgertum dominierte Vereins wesen an der Saar hatte sich 
infolge der industrialisierungsbedingten Migrationsbewegung in der zweiten Hälfte 
des 19. Jahrhunderts auch auf unterbürgerliche Schichten ausgeweitet. Spätestens in 
den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg vollzog es den Übergang zum Massenphäno¬ 
men und legte nach einem vergleichsweise späten Beginn den Grundstein für die dort 
noch heute überdurchschnittlich hohe Vereinsdichte243. Neben den bis dahin vorherr¬ 
schenden berufs- bzw. geschlechtsspezifischen Vereinigungen und bürgerlichen 
Volksbildungsvereine etablierten sich nun zunehmend solche Verbände, welche das 
stetig wachsende Bedürfnis der Menschen nach gemeinsam verbrachter Freizeit 
befriedigten - ein Trend, der durch den Ersten Weltkrieg noch beschleunigt wurde. 
Während der Völkerbundszeit verdichtete und differenzierte sich das Vereinswesen 
weiter, bis es Ende der zwanziger Jahre schließlich seinen quantitativen Höhepunkt 
erreichte244. 
Angesichts dieser Konkurrenz - allein in Saarbrücken existierten nebeneinander 13 
Sport- und elf Turnvereine - lag es auf der Hand, daß die einzelnen Vereine immer 
weniger in der Lage waren, notwendige Investitionen aus eigener Kraft zu bestreiten. 
Die finanziellen Bedürfnisse der saarländischen Vereine boten den reichsdeutschen 
Behörden hingegen willkommene Ansatzpunkte, deren staatsbejahende und prodeut¬ 
sche Gesinnung zu fördern245. Schon bald gewöhnten sich die saarländischen Vereine 
daran, in der Königgrätzer Straße ihre Bitten um finanzielle Unterstützung vor¬ 
zutragen. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Mittel zur generellen Förderung der 
Vereinsaktivitäten und -feierlichkeiten, wegen Zuschüssen für den Bau bzw. die 
(1921) 3, S. 36; SF 2 (1921) 21. S, 297 ff.; SF 3 (1922) 8, S. 114; SF 3 (1922), 23, S. 361 f.; SF4 
(1923) 1, S. 8 f.; SF 6 (1925) 19. S. 316 f.; SF 7 (1926)4. S. 54 f.; SF 8 (1927) 9, S. 133 f.; SF 11 
(1930) 23, S. 417 f.; SF 12 (1931) 7, S. 98 ff.; MAYER: Französische Politik, S. 83-91. 
242 Vgl. Rundschreiben der CSV „Vaterland. Saardeutschland ruft Dich!“ (November 1928). in: LA 
Saarbrücken, Saar-Verein 19; Rundschreiben der GSV (Frühjahr 1931). in; Ebd. In einer undatierten 
Entschließung (1929, in: LA Saarbrücken. Saar-Verein 2) appellierte die GSV „an das Gewissen der 
Welt, an die Verantwortung des Völkerbundes: [...] Schafft kein neues Oberschlesien an der Saar!“ 
243 Beispielsweise existierten in der saarländischen Bergmannsgemeinde Dudweiler im Jahr 1900 bei 
13.500 Einwohnern insgesamt etwa 140-150 verschiedene Vereine: Vgl. LlNSMAYER: Geselligkeit 
und Selbstbestimmung, S. 222 f. 
244 Zum saarländischen Vereinswesen in der Zwischenkriegszeit vgl. LlNSMAYER: Politische Kultur, S. 
372-436; Bungert/ Lehnert, s. 53-123. 
245 Vgl. BüNGARD, S. 434 f.; Bungert/ Lehnert, S. 73-78. 
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