Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

fand  sich  die  Reichsregierung  bereit,  die  fälligen  Eingangszölle  zu  stunden  und  somit
der  kostenintensiven  saarländischen  Stahl-  und  Eisenindustrie  den  Export  nach  Osten
zu  ermöglichen222.  Die  nachfolgenden  deutsch-französischen  Verhandlungen,  die
schließlich  in  die  Saarzollabkommen  von  Juli  1925,  November  1926  und  Februar
1928  mündeten,  wurden  vom  „Saar-Freund“  genauestens  beobachtet  und  als  Indiz
dafür  gewertet,  daß  die  wirtschaftspolitischen  Bestimmungen  des  Versailler  Vertrages
  nicht  realisierbar  waren223.  So  sehr  sie  die  zwischen  Paris  und  Berlin  ausgehandelten
  Vereinbarungen  prinzipiell  befürwortete,  mahnte  die  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“
  auch  weiterhin  die  generelle  Aufhebung  der  neuen  Zollschranke  an.  um  die
Umleitung  der  Handelsströme  zu  verhindern224.  Zuverlässiger  Kooperationspartner
bei  all  diesen  Bemühungen  war  die  Berliner  Dependance  der  Saarbrücker  Handelskammer,
  deren  Syndikus  Gramberg  den  „Saar-Freund“  bis  zur  Umwandlung  des
Hauptstadtbüros  in  eine  Saar-Verbindungsstelle  (Frühjahr  1921)  mit  detailgesättigten
Artikeln  über  die  aktuelle  Entwicklung  der  wirtschaftlichen  Uage  an  der  Saar  informierte225.
  In  späteren  Jahren  nahm  diese  Aufgabe  das  Saarwirtschaftsarchiv  wahr226.
Mit  Oberberghauptmann  Flemming,  Mitglied  im  Aufsichts-  und  Beratungsausschuß
und  Ministerialdirektor  im  preußischen  Handelsministerium,  verfügte  die  Geschäftsstelle
  „Saar-Verein“  über  einen  Insider  im  staatlichen  Behördenapparat,  den  sie  in
Grubenangelegenheiten  konsultieren  konnte.
Die  ökonomische  Bedeutung  des  saarländischen  Bergbaus227 228  spiegelt  sich  schon
allein  quantitativ  in  der  Unmenge  von  Berichten  und  Aufsätzen  wider;  Statistiken  der
monatlichen  Kohlenförderung,  die  Entwicklung  der  Kohlenpreise  oder  personelle
Veränderungen  in  der  Verwaltung  zählten  neben  gezielten  Diskreditierungskampagnen
  gegen  die  „Administration  des  Mines  Domaniales“  zum  Standardrepertoire  des
„Saar-Freund“22x.  Als  größter  Arbeitgeber  im  Saargebiet  stand  der  französische  Staat
permanent  in  der  Schußlinie  des  Blattes:  Da  sich  der  Widerstand  gegen  wirtschafts¬2:2

  Vgl.  AdR,  Kabinett  Luther  I,  Dok.  121,  S.  426  (14.07.25);  AdR,  Kabinett  Luther  II,  Dok.  235,  S.  909
f.  (27.11.25).
222 Das  hohe  Detailwissen  in  den  Berichten  des  Bundesorgans  deutet  daraufhin,  daß  die  Redaktion  vom
AA  über  den  Gang  der  Gespräche  auf  dem  laufenden  gehalten  wurde:  Vgl.  SF  6  (1925)  8,  S.  118  f.;
SF  6  (1925)  15.  S.  241  ff.;  SF  6  (1925)  16,  S.  265-268.
224  Zwar  wollte  Vogel  zu  keinem  direkten  Boykott  französischer  Waren  aufrufen,  doch  wies  er  ausdrücklich
  daraufhin,  daß  das  Konsumieren  französischer  Artikel  den  Kampf  um  die  Wiedervereinigung  mit
Deutschland  verlängere  und  erschwere:  Vgl.  VOGEL;  Deutsch  die  Saar  immerdar!  (1929),  S.  107.
22'  Vgl.  Brief  derGSV  an  die  Saarbrücker  Handelskammer  in  Berlin  (17.02.21),  in:  BA-R  8014/762.
226  Das  Archiv  unter  der  Leitung  Walther  Cartellieris  war  Anfang  1927  von  der  Saarbrücker  Handelskammer
  und  zwei  saarländischen  Verbänden  ins  Leben  gerufen  worden.  Auf  der  Basis  seines
Materials  entstanden  mehrere  Untersuchungen  mit  wissenschaftlichem  Anspruch:  so  wurde  beispielsweise
  auch  die  SWS  ab  1927  vom  Saarwirtschaftsarchiv  herausgegeben.  Vgl.  hierzu:  HELLWIG:  Das
Saarwirtschaftsarchiv,  S.  26  ff.
22  Vgl.  zur  Entwicklung  des  saarländischen  Steinkohlebergbaus  nach  1918:  MüRGENROTH,  S.  93-129.
228  Vgl.  die  Rubriken  „Aus  der  preußischen  Bergverwaltung“,  „Personal  nachrichten  der  Preußischen
Bergbehörde“,  „Vom  Saarbergbau“,  „Saarbergbau  und  Saarindustrie“  und  „Wirtschaftliche  Nachrichten“.
  Hier  konnten  sich  interessierte  Unternehmer  über  die  aktuellen  Bestimmungen  im  Handelsverkehr
  mit  der  Saar  informieren.

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