Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

auf  etwa  eine  Million  angewaehsenen  Fonds  zusehends  entwertete,  wurde  die  gesamte
  Summe  im  April  1923  der  „Allgemeinen  Notstandshilfe“  in  Saarbrücken,  einer
Vereinigung  saarländischer  karitativer  Organisationen,  zur  Verfügung  gestellt1'7.  Ein
mit  großem  Aufwand  organisiertes  Wohltätigkeitskonzert  Anfang  September  1922  in
Berlin-Treptow,  zu  dem  alle  Berliner  Reichs-  und  Staatsbehörden  eingeladen  worden
waren,  erbrachte  lediglich  18.500  Mark  Gewinn;  bei  einem  Franckurs  von  1:111  war
dies  noch  weniger  als  der  sprichwörtliche  Tropfen  auf  den  heißen  Steinl  >H.
Im  Zuge  der  deutsch-französischen  Entspannungspolitik  Mitte  der  zwanziger  Jahre
endete  die  eigentliche  Flüchtlingsfürsorge  der  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“.  Sie
setzte  sich  zwar  noch  weiterhin  vereinzelt  für  „national  zuverlässige“  Saarländer  im
Reich  ein  und  vermittelte  bei  den  Behörden,  finanzielle  Zuwendungen  wurden
allerdings  kaum  mehr  gezahlt,  zumal  ab  Anfang  1924  die  Länder  und  Kommunen  für
die  Wohlfahrtspflege  zuständig  waren* 199.  Die  prophylaktische  Fürsorge  lief,  wenn
auch  nicht  unter  diesem  Namen,  bis  zur  Abstimmung  weiter200 *.  Ab  Anfang  der
dreißiger  Jahre  sah  sie  sich  angesichts  der  katastrophalen  Massenarbeitslosigkeit7111
zunehmend  mit  Bitten  um  finanzielle  Unterstützung  und  Arbeitsvermittlung  konfrontiert,
  während  sie  sich  selbst  durch  das  nahezu  vollständige  Wegbrechen  privater
Zuwendungen  nur  schwer  über  Wasser  halten  konnte.  In  seitenlangen  Schreiben
legten  im  Völkerbundsland  lebende  oder  bereits  ins  Reichsgebiet  verzogene  Saarländer
  ihr  persönliches  -  natürlich  unverschuldetes  -  Schicksal  dar,  nicht  ohne  auf  ihren
aufopferungsvollen  Einsatz  für  die  Stärkung  des  Deutschtums  an  der  Saar  hin¬Vgl.

  Brief  der  GSV  an  die  Schriftleitung  der  „Saarländischen  Landeszeitung“  (06.04.23),  in:  BA-R
8014/966.  Vgl.  auch:  SF  3  (1922)  21.  S.  310;  SF  4  (1923)  1,  S.  7;  SF4  (1923)  2,  S.  36;  SF4  (1923)
6/7,  S.  85;  SF  4  (1923)  9,  S.  115.
198  Vgl.  BA-R  8014/989;  SF  3  (1922)  16,  S.  239;  SF  3  (1922)  17,  S.  260;  SF  3  (1922)  18,  S.  274.
199  1924  gelangten  insgesamt  3.000  RM  zur  Auszahlung,  1925  sogar  nur  noch  1.000  RM:  Vgl.  Briefe  der
GSV  an  das  PrMVolkswohlfahrt  (03.10.24  und  01.05.25),  in:  BA-R  8014/673  und  675.  Zum
karitativen  Engagement  der  GSV  in  den  Jahren  1924  bis  1930  vgl.  BA-R  8014/982  ff.  sowie  „Die
Jahresarbeit  des  Bundes  der  Saarvereine  und  der  Geschäftsstelle  ,Saar-Verein‘  im  Jahre  1925“  (Januar
1926),  in:  LA  Saarbrücken,  Saar-Verein  2.  Den  zahlenmäßig  kaum  ins  Gewicht  fallenden  Saarländern,
  die  nach  1933  mit  der  Reko  in  Konflikt  geraten  waren,  wurde  ebenfalls  bereitwillig  geholfen:
Vgl.  Brief  der  GSV  an  das  AA  (23.09.33),  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  75.577.
200  Nach  Grubenunglücken  und  anderen  Katastrophen  im  Saargebiet  trat  die  GSV  umgehend  auf  den
Plan:  Vgl.  beispielsweise  die  Hilfsmaßnahmen  für  die  Opfer  des  bis  dahin  schwersten  Grubenunglücks
  im  Saarrevier  auf  der  Grube  Maybach  (25.10.30,  in:  SF  11  (1930)  21.  S.  381-384;  SF  12
(1931)  3,  S.  44  f.)  oder  die  verschiedenen  Initiativen  der  Ortsgruppen  im  Zusammenhang  mit  der
Explosion  des  Neunkircher  Gasometers,  die  über  60  Menschen  in  den  Tod  riß,  in:  SF  14  (1933)  5,  S.
76  f.;  SF  14  (1933)  5,  S.  81  f.;  SF  14  (1933)  6,  S.  97-100;  SF  14  (1933)  7,  S.  114  f.;  SF  14  (1933)  8,
S.  129  f.;  SF  14(1933)9,  S.  147  f;  SF  14(1933)  16/17.  S.  296.
21)1  Bis  zum  Ausbruch  der  Weltwirtschaftskrise  hielt  sich  die  Arbeitslosenquote  an  der  Saar  noch  im
Rahmen;  prozentual  bewegte  sich  der  Anteil  der  Erwerbslosen  in  den  zwanziger  Jahren  zwischen
0,72%  und  3,53%.  1932  verzehnfachte  er  sich  auf  30,13%,  wobei  die  „Saargänger“,  also  die  Arbeiter
in  der  saarländischen  Wirtschaft  mit  Wohnsitz  jenseits  der  Saargebietsgrenzen,  nicht  erfaßt  waren:
Vgl.  SWS  9(1934),  S.  75.  Statistisches  Material  zur  Entwicklung  der  Arbeitslosenquote  (1930-1934),
in:  LHA  Koblenz,  403/16.856-16.861;  SWS  9  (1934),  S.  75-79.  Vgl.  Bungert/  Mallmann:  Der
„schwarze  Freitag“.

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