Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Der Verhinderung weiterer Abwanderung als vorbeugende Fürsorge und der Hilfelei¬ 
stung für bereits verdrängte und geflüchtete Saarländer167. Beide Aspekte besaßen 
hohen propagandistischen Wert und erlaubten der Geschäftsstelle zugleich, ihre 
sonstigen Aktivitäten hinter der Fassade der gemeinnützigen Fürsorge zu verbergen. 
Bis Februar 1921 zeichneten die betroffenen Länder Preußen und Bayern in der 
Fürsorge verantwortlich - mit der Konsequenz, daß zeitweise mehr von Konkurrenz 
als von Kooperation gesprochen werden konnte. In dieser Phase engagierte sich die 
Geschäftsstelle fast ausschließlich für preußische Verdrängte, wobei sie an die 
Kooperation zwischen dem Saargebietsschutz, dem Roten Kreuz und Vaterlän¬ 
dischen Frauenverbänden anknüpfen konnte168 169. Anfänglich wurden die preußischen 
Saarflüchtlinge zunächst auf dem Bahnhof in Frankfurt am Main erfaßt und an die 
Gießener „Übernahme- und Verteilungsstelle“ zur Ausstellung der amtlichen Flücht¬ 
lingspapiere weitergeleitet, welche die Voraussetzung für den Erhalt von Unterstüt¬ 
zungsgeldern waren166. Für den Fall, daß sich Saarländerohne entsprechende Papiere 
aus Gießen bei anderen Fürsorgestellen meldeten, sollte diese entweder vom Roten 
Kreuz oder einer Ortsgruppe des Saarvereins bzw. des „Reichsverbands der Rhein¬ 
länder“ vorläufig unterstützt werden. Die Kooperation mit den lokalen Saarvereinen 
wurde den Fürsorgestellen explizit ans Herz gelegt170. Die Berliner Geschäftsstelle 
„Saar-Verein“ und die Landesverbände des Roten Kreuzes171 172 tauschten hierbei 
wechselseitig Listen der Antragsteller aus, um so den zahlreichen Betrugsfällen einen 
Riegel vorzuschieben. Saarpfälzische Flüchtlinge wandten sich in dieser Zeit an die 
„Zentralstelle für pfälzische Angelegenheiten“ in Mannheim, welche die Hilfesu¬ 
chenden nach Feststellung der Bedürftigkeit an das Würzburger Durchgangsamt zur 
Verteilung in Bayern weiterleitete177. Bei ihren Hilfsmaßnahmen173 * war die Ge¬ 
schäftsstelle „Saar-Verein“ zu einem Spagat gezwungen: Auf der einen Seite galt es. 
167 Vgl. Bericht der GSV über die Verwendung von Geldern für die Flüchtlingsfürsorge (02.05.21), in: 
BA-R 8014/973. Vgl. auch den Aufruf „Der Saarlande Not und Hilfe“ (November 1919), in: BA-R 
8014/2. 
168 Vgl. Brief der GSV an die Zentralfürsorgestelle in Düsseldorf (10.10.19), in: BA-R 8014/785 sowie 
den gesamten Schriftverkehr der Bände 785-789; RIESENBERGER, S. 181 ff. 
169 Ab Herbst 1920 erfaßte die Übernahmestelle für elsaß-lothringische Flüchtlinge in Frankfurt am Main 
auch die preußischen Vertriebenen und versorgte sie mit den notwendigen Papieren. Ausgewiesene 
Beamte hatten sich an die Kasseler Zweigstelle des Berliner Fürsorgeamtes zu wenden; für saarpfäl¬ 
zische Vertriebene hingegen blieb weiterhin die Pfalzzentrale in Mannheim zuständig: Vgl. SF I 
(1920) 17, S. 176; SF 1 (1920) 20, S. 208. 
1711 Vgl. Richtlinien zur Zusammenarbeit, in: Nachrichten der Vertriebenen-Fürsorge (22.07.20), in: BA- 
R 8014/734. 
171 Als Dachorganisation wurde das „Deutsche Rote Kreuz“ erst Anfang 1921 gegründet: Vgl. RlESEN- 
BERGER, S. 174. 
172 Vgl. Brief des BayMInn an den Landeshilfsverein vom Roten Kreuz, Abteilung Flüchtlingsfürsorge 
(05.11.19), in: BayHStA, MA 108.097. Vgl. auch GEMBRIES, S. 157 f. 
173 Im ersten Jahr nach ihrer Gründung zahlte die GSV in 434 Fällen insgesamt etwas mehr als 20,000 
Mark an Unterstützungsgeldern aus; durchschnittlich erhielten die Bittsteller zwischen 20 und 50 
Mark, in besonderen Fällen - bei ausgewiesenen Lehrern, Redakteuren, Bürgermeistern oder Beamten 
- auch bedeutend höhere Summen. 
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