Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

dem  Exodus  der  Saarländer  Einhalt  zu  gebieten162  bzvv.  den  Vertriebenen  und  ihren
Angehörigen  helfend  zur  Seite  zu  stehen.  Es  war  abzusehen,  daß  sieh  die  Entwicklung
  nach  Inkrafttreten  des  Versailler  Vertrages  noch  verschärfen  würde  und  hierdurch
  die  staatliche  Fürsorge  angesichts  der  Massenemigration  überfordert  gewesen
wäre.  Aus  diesem  Grund  schlossen  sich  im  Frühjahr  1919  verschiedene  landsmannschaftliche
  Vereinigungen,  unter  ihnen  auch  der  Saargebietsschutz,  zum  „Bund  der
Deutschen  Grenzmarken-Schutzverbände“  unter  dem  Vorsitz  des  Oberregierungsrats
von  Tilly  zusammen16'.  Obwohl  sich  der  Bund  primär  auf  die  gefährdeten  Ostgebiete
konzentrierte,  sicherte  die  Präsenz  Vogels  im  Verwaltungsrat  die  Berücksichtigung
der  saarländischen  Flüchtlinge  und  Vertriebenen.  Im  Mittelpunkt  stand  außer  der
notwendigen  Versorgung  der  bereits  aus  den  Grenzgebieten  geflüchteten  Deutschen
die  prophylaktische  Flüchtlingsfürsorge,  lag  es  doch  im  ureigensten  Interesse  des
Reiches,  daß  sich  die  Kräfteverhältnisse  in  den  Abstimmungsgebieten  nicht  durch
Abwanderung  veränderten164.  Prinzipiell  sollten  daher  zwar  alle  bedürftigen  „Pioniere
der  deutschen  Kultur“  von  seiten  des  Bundes  Hilfe  erfahren,  jedoch  wurden  die
gegen  ihren  eigenen  Willen  Vertriebenen  gegenüber  den  freiwillig  Verzogenen
bevorzugt  unterstützt165.
Der  Beitritt  des  Saargebietsschutzes  bzw.  der  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  zu  dem
Dachverband166,  dem  das  Finanzministerium  im  Kronprinzenpalais  Räumlichkeiten
zur  Verfügung  gestellt  hatte,  zeigt,  daß  Vogel  bemüht  war,  in  möglichst  zahlreichen
Organisationen  der  Deutschtumspflege  vertreten  zu  sein.  Auf  diese  Weise  erhielt  er
die  Möglichkeit,  vor  interessierten  Foren  auf  die  besondere  Situation  des  Saargebietes
  hinzuweisen  und  damit  die  Saarfrage  gerade  angesichts  der  gravierenden
Probleme  in  den  östlichen  Abstimmungsgebieten  präsent  zu  halten.  Zugleich  sicherte
ihm  die  Mitgliedschaft  in  den  Führungsgremien  Einfluß  auf  die  Vergabe  von  Geldern.
  Ähnlich  wie  beim  Arbeitsausschuß  der  Grenzmarken-Schutzverbände  basierte
die  Flüchtlingsfürsorge  der  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  auf  zwei  Hauptpfeilern:
162  Dies  schien  auch  deshalb  angeraten,  weil  die  abgewanderten  deutschen  Arbeiter  und  Angestellten
umgehend  durch  Franzosen  mit  deren  Familien  ersetzt  wurden:  Vgl.  Aufzeichnung  des  AA
(13.02.22).  in:  BA-R  43-1/240;  Brief  des  Oberpräsidenten  von  Groote  an  die  Reko  (27.02.20),  in:
Weißbuch,  Dok.  38,  S.  75.
163  Vgl.  die  Satzungen  des  Bundes  (07.11.19),  in:  BA-R  8014/973.
164  Verlagsdirektor  Ginschel  drückte  es  auf  der  Gründungsversammlung  drastisch  aus:  „[...]  wer  von  dort
flieht,  vergeht  sich  am  Volke  und  am  Vaterlande.“:  Undatiertes  Protokoll  vom  25.07.19,  in:  BA-R
8014/973.
165  Die  Betrugsfälle,  in  denen  „Wanderflüchtlinge“  (so  der  amtliche  Sprachgebrauch)  an  verschiedenen
Stellen  Unterstützungsgelder  erschlichen,  hatten  derart  überhand  genommen,  daß  sich  das  RMI  in
einem  Rundschreiben  vom  07.11.19  genötigt  sah,  darauf  hinzuweisen,  daß  Flüchtlinge  künftig  nur
noch  unter  Vorlage  eines  amtlichen  Ausweisungsbefehls  oder  einer  Bescheinigung  der  Heimatbehörde
durch  die  Fürsorgestellen  zu  betreuen  waren:  BayHStA,  MA  108.097.
166  Im  Sommer  1919  gehörten  dem  Bund  an:  Der  „Reichsverband  Ostschutz“,  der  „Zweckverband  Ost“,
der  „Pfälzer  Hilfsausschuß“,  der  „Hilfsbund  für  die  Elsaß-Lothringer  im  Reich“,  der  „Deutsche
Ausschuß  für  Schleswig“,  der  „Rheinische  Hilfsbund“  und  der  Saarverein.  Wenig  später  trat  auch  der
„Deutsche  Heimatbund  Posener  Flüchtlinge“  bei.  Alle  Mitglieder  bearbeiteten  „ihr“  Gebiet  in  eigener
Verantwortung.

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