Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

tung  des  Vereins,  daß  die  deutschen  Behörden  durch  die  Tätigkeit  der  Geschäftsstelle
„Saar-Verein“  eine  merkliche  Entlastung  erfuhren,  nicht  von  der  Hand  zu  weisen
ist1  ^  .  In  ihrer  Funktion  als  Auskunftsstelle  in  Saarangelegenheiten  fing  sie  einen
beträchtlichen  Teil  der  sonst  an  die  Ministerien  gerichteten  Anfragen  ab,  beantwortete
  diese  entweder  gleich  oder  leitete  sie  an  die  zuständigen  Sachbearbeiter
weiter.  Die  gelegentlich  vorgebrachte  Beteuerung,  sich  im  Kontakt  der  Saarländer  zu
Reichs-  und  Staatsbehörden  nicht  als  Zwischeninstanz  etablieren  zu  wollen* 158,  dürfte
in  erster  Linie  zur  Beruhigung  der  eigentlich  zuständigen  Sachbearbeiter  gedient
haben.  Denn  zweifelsohne  hatte  das  Saarbüro  ein  vitales  Eigeninteresse  daran,  als
erste  Anlaufstelle  und  verbindendes  Relais  zwischen  die  Saarbevöikerung  und
amtliche  Stellen  zu  treten  -  was  es  in  seiner  Außendarstellung  auch  eigens  betonte159:
„Es  wird  eine  enge  Fühlung  mit  der  Bevölkerung  des  Saargebiets  aufrechterhalten.  Die  Bevölkerung
  gewöhnt  sich  immer  mehr  daran,  bei  allen  möglichen  Anliegen  den  Bund  und  die  Geschäftsstelle
  ,Saar-Verein1  als  ihren  Mittler  und  Sprecher  in  Anspruch  zu  nehmen.“
Schien  das  zugrundeliegende  Problem  von  allgemeinerem  Interesse  zu  sein,  wurde  es
in  einer  der  nächsten  Ausgaben  des  „Saar-Freund“  thematisiert.  Hunderte,  wenn  nicht
gar  Tausende,  saarländischer  und  reichsdeutscher  Bittsteller  trugen  auf  diese  Weise
in  Berlin  zunächst  ihr  Anliegen  in  der  Königgrätzer  Straße  vor,  bevor  sie  gegebenenfalls
  an  Reichs-  oder  Staatsbehörden  verwiesen  wurden.  Durch  ihr  im  Laufe  der  Jahre
sukzessiv  ausgebautes  Archiv  konnte  die  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  schließlich
selbst  Anfragen  beantworten,  so  daß  bisweilen  sogar  Reichsministerien  um  Auskunft
baten160.  Allerdings  konnte  von  einer  generellen  zentralen  ersten  Anlaufstelle  zu
keiner  Zeit  die  Rede  sein.
3.2.3 Karitatives  Engagement  des  Bundes  der  Saarvereine
Verglichen  mit  dem  Flüchtlingsstrom,  der  nach  Ende  des  Krieges  aus  den  verlorenen
Ostprovinzen  und  Elsaß-Lothringen  einsetzte,  stellten  die  Saarflüchtlinge  quantitativ
eine  marginale  Größe  dar.  Zwischen  Sommer  1914  und  1923  hatten  etwa  8.000
Personen  aus  der  Saarregion  ihrer  ehemaligen  Heimat  den  Rücken  gekehrt,  darunter
auch  diejenigen  Binnenemigranten,  die  freiwillig  ihren  Wohnsitz  ins  Reichsgebiet
verlegten161.  Schon  weil  das  Saarbecken  durch  den  Versailler  Vertrag  zum  Abstimmungsgebiet
  geworden  und  Anfang  der  zwanziger  Jahre  der  Ausgang  der  Volksbefragung
  noch  offen  war.  mußte  von  staatlicher  Seite  alles  daran  gesetzt  werden,

“  Vgl.  „Die  Jahresarbeit  des  Bundes  der  Saarvereine  und  der  Geschäftsstelle  ,Saar-Verein*  im  Jahre
1925“  (Januar  1926),  in:  LA  Saarbrücken,  Saar-Verein  2.
158  Vgl.  „Völklinger  Nachrichten“  Nr.  272  (21.11.25):  Tätigkeitsbericht  1926,  S.  3  f.
1,9  Vogel:  Deutsch  die  Saar  immerdar!  (1925),  S.  26.
160  Vgl.  hierzu  BA-R  8014/813-834,  838-842,  845-881,  885  f„  889-894,  897-965.  999-1005  und
1012-1015.
"  Vgl,  Brief  der  Presseabteilung  des  DSB  an  die  GSV  (27.08.23),  in:  BA-R  8014/758.  Unmittelbar  nach
dem  Waffenstillstand  setzte  eine  Fluchtwelle  von  Elsaß-Lothringern  über  den  Rhein  ein,  die  bis
Anfang  1920  bereits  100.000  Personen  umfaßte.  Bis  April  1921  stieg  diese  Zahl  um  weitere  30.000,
für  die  insgesamt  150  Mio.  Mark  aufgebracht  werden  mußten:  Vgl.  SF  2  (1921)  8,  S.  95;  ROTH:  Die
Rückkehr  Elsaß-Lothringens,  S.  132-135.  Weiteres  statistisches  Material  bei  Riesenberger,  S.  182.

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