Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Daß die Geschäftsstelle „Saar-Verein“ alle Maßnahmen der Regierungskommission 
scharf kritisierte, welche auf eine Eigenständigkeit des Saargebiets vom deutschen 
Reich abzielten, überrascht weniger als die Tatsache, daß sie zumindest in ihrer 
Frühphase ebenso unerbittlich Verfehlungen und scheinbare Ignoranz auf reichsdeut- 
scher Seite anprangerte. Selbst vor den obersten Reichsinstanzen machte sie nicht 
Halt: So glaubte Vogel Anfang 1920, Reichspräsident Ebert und Reichskanzler Bauer 
rügen zu müssen, bei ihrem Abschiedsgruß an die durch den Versailler Vertrag 
abgetrennten Grenzgebiete die Saar nicht explizit erwähnt zu haben152. Regelmäßig 
erging an das Reichsverkehrsministerium die Bitte, fortan Eisenbahnfahrkarten in das 
Saargebiet nicht mehr an Auslandsschaltern zu verkaufen und auch das Auswärtige 
Amt handelte sich wegen Landkarten, auf denen die neuen Grenzen berücksichtigt 
worden waren, die Kritik der Geschäftsstelle „Saar-Verein“ ein153. Penibel achtete 
Vogel auf scheinbar nebensächliche Formalitäten: So verweigerte er im Frühjahr 
1920 die Annahme von 500 zuvor bestellten Faltkarten mit der Begründung, sie 
trügen die Aufschrift „Handkarte des Saarstaates“ anstelle „des Saargebietes“154. In 
unzähligen persönlichen Schreiben und Presseartikeln rief die Geschäftsstelle immer 
wieder ins Gedächtnis, daß das Saargebiet nicht zum Ausland gerechnet werden 
dürfe und Saarbrücken weder in Lothringen liege, noch dort französisch gesprochen 
würde155. 
Die Tätigkeit der Geschäftsstelle „Saar-Verein" ging in den eineinhalb Jahrzehnten 
ihres Bestehens weit über derartige symbolische Gesten hinaus. In noch viel größe¬ 
rem Umfang engagierte sie sich auf praktischem Gebiet, um das Ausharrungsver- 
mögen der Saarländer zu stärken. 
3.2.2 Die Königgrätzer Straße als Auskunftsstelle in Saarangelegenheiten 
Schon von Anbeginn seiner Tätigkeit war Vogel bemüht, die eigene Organisation als 
kompetentes Informationsbüro für politische, wirtschaftliche und kulturelle Fragen 
des Saargebiets zu etablieren156. Die zahlreichen Anfragen von privater und öffentli¬ 
cher Seite deuten darauf hin, daß ihm dies in der Tat gelungen ist und die Behaup¬ 
152 Vgl. Briefe derGSV an den Reichskanzler und den Reichspräsidenten (12.01.20), in: BA-R 43-1/239; 
SF 1 (1920) l.S. 5. 
I5i Vgl. Briefe derGSV an das RMVerkehr (03.05.20 und 02.02.22), in: BA-R 8014/664 und 667; Brief 
derGSV an das AA (09.11.20), in: BA-R 8014/665; SF 1 (1920) 21. S. 211. Das AA räumte gra¬ 
vierende Fehler und Versäumnisse deutscher Dienststellen selbst ein: Vgl. Brief Voigts an Göppert 
(05.02.20), in: PA AA. I a Friedensdelegation Paris/Versailles. R 22.755. 
154 Vgl. Brief derGSV an die Gebr. Hofer Verlagsanstalt (03.04.20), in: BA-R 8014/1019. 
155 Vgl. Brief der GSV an Major Weberstedt (05.08.20), in: BA-R 8014/10; Brief der GSV an den Hugo 
Michels Briefmarkenkatalog (13.12.21), in: BA-R 8014/1022; Briefe derGSV an die Firma Gustav 
Gerdts, Bremen und Walther Fischer, Hamburg (15.11.30), in: LA Saarbrücken, Saar-Verein 5. Vgl. 
ebenso SF2 (1921) 17, S. 241; SF 4 (1923) 5, S. 64; SF 5 (1924) 17, S. 261; SF 7 (1926) 8, S. 118; 
SF 7 (1926)9, S. 140 f.; SF 12 (1931) 2, S. 23 f. 
156 Auch in dieser Hinsicht setzte er die Vorarbeit des SGS fort, beispielsweise als er in regelmäßigen 
Abständen über die aktuellen Einreisemodalitäten ins besetzte Gebiet aufklärte: Vgl. Brief des 
Kommandeurs des Abschnitts 4 der besetzten Zone in Frankfurt an den SGS (04.07.19), in: BA-R 
8014/857. 
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