Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

3.2 Der  Bund  der  Saarvereine  als  Anwalt  des  Saargebiets
3.2.1 Symbolische  Gesten  zur  Deutscherhaltung
Satzungsgemäß  hatte  sich  der  Bund  der  Saarvereine  der  Erhaltung  und  Förderung  des
Deutschtums  im  Saargebiet  verschrieben.  Das  Zusammengehörigkeitsgefühl  zwischen
  der  saarländischen  und  der  reichsdeutschen  Bevölkerung,  welches  durch  die
Französisierungspolitik  bzw.  autonomistische  Bewegung  als  gefährdet  angesehen
wurde,  sollte  ebenso  wie  das  deutsche  Volksbewußtsein  immer  wieder  aufs  neue
bekräftigt  werden.  Dabei  gingen  die  „Saarfreunde“  von  der  Annahme  aus,  daß,
solange  der  Wunsch  nach  Wiedervereinigung  mit  dem  deutschen  Vaterland  nicht  ins
Wanken  geriete,  sämtliche  französischen  Begehrlichkeiten  zum  Scheitern  verurteilt
seien.  Wie  zuvor  der  Saargebietsschutz  hoffte  die  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“,  die
Entfremdung  der  Saarländer  von  Deutschland  durch  deren  moralische  und  wirtschaftliche
  Unterstützung  verhindern  zu  können.  Folglich  beteuerten  die  Vortragsredner
  des  Bundes  bei  allen  sich  bietenden  Gelegenheiten,  dafür  Sorge  zu  tragen,  daß
das  Saargebiet  nicht  zugunsten  anderer  bedrohter  Reichsteile  geopfert  werde  und  daß
die  Saar  nicht  in  Vergessenheit  geriete148.  Drohte  wie  während  des  Ruhrkampfes
1923  die  Not  des  Saargebietes  in  den  Hintergrund  zu  geraten,  so  nutzte  die  Geschäftsstelle
  Kundgebungen,  Aufrufe  und  Sammlungen  gegen  die  Besetzung  des
Ruhrgebietes,  um  die  Saar  als  gleichberechtigtes  Problem  zu  thematisieren149.
Schon  in  einem  ihrer  ersten  Rundschreiben  appellierte  die  Geschäftsstelle,  an  Verwandte,
  Bekannte  und  Freunde  in  der  Saarheimat  zu  schreiben,  um  diesen  wieder
Mut  zu  machen150.  Dem  gleichen  Ziel  sollte  der  Ausbau  der  eigenen  Organisation
dienen:
„Unsere  Brüder  und  Schwestern  an  der  Saar  müssen  von  Tag  zu  Tag  deutlicher  fühlen,  daß  das
unbesetzte  Deutschland  ihnen  einmütig  die  Bruderhand  entgegenstreckt.  Deshalb  müssen  wir  die
Kunde  von  der  Not  der  treudeutschen  Saarbevölkerung  weit  über  Deutschland,  über  seine
Grenzen  hinaus,  tragen,  müssen  wir  das  Schicksal  so  sehr  zur  Herzenssache  jedes  Deutschen
machen,  daß  jede  deutsche  Stadt,  jede  deutsche  Gemeinde,  jeder  deutsche  Verein,  jede  sonstige
deutsche  Körperschaft,  jeder  deutsche  Mann  und  jede  deutsche  Frau  Mitglieder  des  Bundes
werden.“151

148  Gerade  während  des  Belagerungszustandes  im  August  1920  finden  sich  zuhauf  derartige  Beteuerungen:
  Vgl.  beispielsweise  SF  1  (1920)  16,  S,  150.  Vgl.  ebenso:  SF  1  (1920)  14,S.  121;  SF  1  (1920)
21,  S.  209;  SF  1  (1920)  5/6,  S.  25;  Brief  der  GSV  an  verschiedene  Schriftleitungen  (19.01.24),  in:
BA-R  8014/1091.
149  Vgl.  Brief  der  GSV  an  Reichskanzler  Cuno  (15.03.23),  in:  PA  AA,  11  a  Saargebiet,  R  76.091;
Protokoll  der  Sitzung  des  Bundesvorstandes,  des  Aufsichts-  und  Beratungsausschusses  und  des
interfraktionellen  Saarausschusses  vom  23.03.23  (24.03.23),  in:  BA-R  1601/1697;  Flugblatt  „Rhein,
Ruhr  und  Saar!“  (15.04.23),  in:  StA  Gießen,  L  1365/HI;  SF  4  (1923)  2,  S.  17;  SF  4  (1923)  4,  S.  37  f.;
SF4  (1923)  5,  S.  53  f.;  SF4  (1923)  8.  S.  95;  SF  4  (1923)  9,  S.  112;  SF4  (1923)  12,  S.  168;  SF  4
(1923)  13,  S.  171,
150  Als  Nebeneffekt  dieser  Briefkampagne  hoffte  Vogel,  an  Informationen  aus  dem  Saarrevier  zu
gelangen,  die  aufgrund  der  Postüberwachung  nicht  direkt  an  die  Berliner  Zentrale  geschickt  werden
konnten:  Vgl.  Rundschreiben  der  GSV  (März  1920),  in:  LA  Saarbrücken,  Saar-Verein  I.
I?l  Rundschreiben  „Unser  Saargebiet  in  Gefahr!“  (Sommer  1921),  in:  Ebd.

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