Full text: ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

von amtlicher Seite ergriffenen Maßnahmen die Zahl der tatsächlich Abstimmungs¬ 
berechtigten lediglich annäherungsweise zu erfassen137. 
Es wird Spekulation bleiben müssen, ob eine stärkere Kooperation mit dem Bund der 
Saarvereine die Mißstände in dieser frühen Phase hätte beseitigen können. Während 
die württembergischen Abstimmungsfisten bereits bis Frühjahr 1926 vorläufig 
abgeschlossen an das Statistische Reichsamt übersandt werden konnten'™ und die 
Berliner Ortsgruppe schon seit längerem auf die Unterstützung städtischer Behörden 
zählen konnte139, lag es am Reichs Wirtschaftsministerium, die Lanze für die Gesamt¬ 
organisation zu brechen. Als Repräsentantin der an der Volksabstimmung inter¬ 
essierten Bevölkerungskreise sollte der Geschäftsstelle in der Königgrätzer Straße die 
Möglichkeit gegeben werden, sich frühzeitig mit den Abstimmungsberechtigten in 
Verbindung zu setzen. Erst nach einigem Zögern gab die Saarabteilung des Aus¬ 
wärtigen Amtes der Bitte des benachbarten Ressorts unter der Bedingung statt, daß 
der Verein nicht die Führung bei der Erstellung der Listen an sich ziehen,,.sondern 
stets nur als privates Hilfsorgan tätig“ werde140. De facto blieben die Unterlagen 
damit auch in den kommenden Jahren unter Verschluß. 
Mit dem Schwinden der Chancen auf eine bilaterale Übereinkunft zwischen Paris 
und Berlin nach dem Scheitern der Pariser Saarverhandlungen rückten die organisato¬ 
rischen Vorbereitungen des Saarplebiszits wieder in den Vordergrund141 142. Obwohl 
sich auch die Geschäftsstelle in den zurückliegenden Jahren der Hoffnung hingege¬ 
ben hatte, daß die Rückgliederung ohne Abstimmung und damit vor 1935 stattfinden 
würde, hatte sie die sorgfältige Weiterführung der Abstimmungslisten im Auge'42. 
1 ’ Dies um so mehr, als seihst die erst nach dem Stichtag des 16.06.25 aus dem Saargebiet verzogenen 
Personen nur unzureichend erfaßt wurden, wie der badische Innenminister am 29.12.27 seinen 
Bezirksämtern mitteilte, in: GLA Karlsruhe, 344/7192. 
Vgl. Bericht Schellenbergers auf der Mitgliederversammlung in Köln (14.08.26), in: BA-R 8014/33. 
Selbstverständlich lassen sich die logistischen Probleme der Länder Preußen und Württemberg bei der 
Erfassung der Saarabstimmungsberechtigten nur sehr bedingt vergleichen: Im endgültigen Verzeich¬ 
nis der Abstimmungsberechtigten waren insgesamt nur 840 Personen nach Württemberg gezogen, 
während 32.100 Wähler inzwischen in Preußen beheimatet waren: Vgl. „Übersicht über die im 
Deutschen Reich (außerhalb des Saargebiets) wohnhaften Saarländer“ (15.10.34), in: LA Saar¬ 
brücken, Saar-Verein 28. 
119 Ähnlich kooperativ wie das Berliner Einwohnermeldeamt, welches wochenweise Listen derjenigen 
Personen übermittelte, die aus dem Saargebiet in die Reichshauptstadt gezogen waren, zeigte sich 
auch das Landesfinanzamt Berlin: Vgl. Brief des Berliner Polizeipräsidenten an die GSV (20.04.25), 
in: BA-R 8014/675; Schriftwechsel zwischen der GSV und dem Präsidenten des Landesfinanzamtes 
Berlin (Sommer 1927), in: BA-R 8014/679. 
140 Vgl. Brief des RM Wirtschaft an das AA (27.10.25) und Antwortschreiben des AA (13.11.25). in: PA 
AA. II a Saargebiet, R 75,455. Von Friedberg wollte an der bisher verfolgten Politik festhalten, die 
Grenze zwischen privater Vereinstätigkeit und amtlicher Behördenarbeit nicht zu verwischen. Das 
preußische Innenressort teilte diese Auffassung: Vgl. Rundschreiben des PrMI an die preußischen 
Staatsministerien, das RMbesGeb und das AA (03.07.25), in: PA AA. II a Saargebiet. R 75.091. 
141 Vgl. undatierte Mitschrift des Vortrag Vogels vom 30.11.30, in: LA Saarbrücken, NL Scheuer 61. 
Vgl. ebenso SF 12 (1931) 3, S. 34; SF 12 (1931) 23. S. 393. 
142 Vgl. undatiertes Protokoll der Sitzung des Aufsichts- und Beratungsausschusses sowie des inter¬ 
fraktionellen Saarausschusses vom 18.02.27, in: BA-R 8014/7. 
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