Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Auswärtigen  Amt  koordinieren"1.  Von  Friedberg  blieb  die  Antwort  auf  die  Offerte
schuldig.
Als  der  bayerische  Staatskommissar  Joias  am  Vorabend  der  nationalsozialistischen
..Machtergreifung“  eine  Lanze  für  die  Einbeziehung  des  Bundes  der  Saarvereine  in
die  Vorbereitung  und  Durchführung  der  Agitation  für  die  Volksabstimmung  brach"2,
sah  das  Auswärtige  Amt  dies  weitaus  skeptischer.  Die  Bildung  von  Aktionsausschüssen
  zur  agitatorischen  Bearbeitung  der  Abstimmungsberechtigten  sei  zwei  Jahre
vor  dem  Plebiszit  nicht  nur  verfrüht,  sondern  nach  Ansicht  Voigts  kamen  hierfür  nur
im  Saargebiet  ansässige  Personen  in  Betracht.  Den  Bund  der  Saarvereine  hielt  er  für
diese  Aufgabe  für  ungeeignet.
3.1.3 Die  Erfassung  der  Abstimmungsberechtigten  vor  1933
Dreh-  und  Angelpunkt  der  Saarvereinstätigkeit  war  es,  alles  nur  Erdenkliche  zu  tun,
damit  die  im  Saarstatut  vorgesehene  Abstimmung  über  die  staatsrechtliche  Zugehörigkeit
  des  Saargebiets  im  deutschen  Sinne  ausgehen  werde.  So  überrascht  es
kaum,  daß  sie  sich  schon  wenige  Tage  nach  dem  Amtsantritt  der  Regierungskommission
  an  das  Auswärtige  Amt  mit  der  Bitte  wandte,  unverzüglich  mit  der  Zusammenstellung
  aller  für  das  Plebiszit  benötigten  Unterlagen  zu  beginnen.  Offiziell  konnte
das  saarländische  Mitglied  der  Völkerbundskommission  jene  Vorarbeiten  leisten,  die
tatsächlich  von  den  Vertrauensleuten  der  Geschäftsstelle  sowie  den  ortsansässigen
Gemeindevorsteher  erbracht  werden  sollten"3.  Auch  im  Saarausschuß  wurde  in
dieser  frühen  Phase  die  Problematik  der  Erfassung  der  Saarabstimmungsberechtigten
diskutiert"4.  Die  Regierungskommission  jedoch  unternahm  bis  Ende  1922  in  diese
Richtung  nur  wenig:  Rault  verbot  sogar  vorbereitende  Treffen  der  saarländischen
Landräte  und  Bezirksamtsmänner  und  maß  einer  Volkszählung  keine  Bedeutung  in
diesem  Zusammenhang  bei1  L\  Auch  in  Genf  besaß  die  Angelegenheit  keine  Priorität:
Das  Sekretariat  des  Völkerbundes  zog  es  vor,  so  lange  zu  warten,  bis  weder  ein
Franzose  noch  ein  Deutscher  den  Vorsitz  der  Regierungskommission  innehätte.  Zu
gegebener  Zeit  sollte  die  Durchführung  -  „in  the  interests  of  the  fairest  and  smoothest
  plebiscite“  -  einem  unabhängigen  Gremium  übertragen  werden"6.
Nach  anfänglich  eher  halbherzigen  Versuchen  startete  die  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“
  im  Herbst  1922  eine  entschiedenere  Initiative;  sicherlich,  um  die  Staats-111
  Vgl.  Brief  der  CSV  an  das  AA  (01.12.31),  in:  PA  AA.  II  a  Saargebiet,  R  76.094.  Zu  dieser  sogenannten
  „schwarzen“  Propaganda  vgl.  Jowett/  O'DoNNELL,  S.  13  ff.
112  Vgl.  Aktennotiz  Joias’  (23.10.32),  in:  BayHStA,  MA  106.099.
11'  Vgl.  Brief  der  GSV  an  das  AA  (09.03.20),  in:  BA-R  8014/664.  Eine  Antwort  konnte  nicht  gefunden
werden.
114  Gemeindeweise  sollte  je  eine  Liste  der  abstimmungsberechtigten  Deutschen.  Franzosen  und  in  der
Zwischenzeit  Ausgewiesenen  erstellt  werden:  Vgl,  undatiertes  Protokoll  der  Sitzung  vom  20.04.20  in
Würzburg,  in:  BA-R  1603/2512.
115  Vgl.  Protokoll  der  Besprechungen  zwischen  Rault,  Lambert,  Deifau  und  Sartorius  vom  20.05.20
(28.05.20),  in:  BA-R  8014/1127;  SF  3  (1922)  18,  S.  270.  Zur  Blockade  durch  Rault:  Vgl.  SF  1  (1920)
10.  S.  71  f.
116  Vgl.  Aufzeichnung  (26.08.21),  in:  Arch.  SDN,  S  319/8.

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