deutschen Politik im Saargebiet für gut befunden wird. Konfessionelle Fragen und parteipolitische
Bestrebungen sind ausgeschlossen.“109
Spätestens im Herbst 1925 - nach der Konferenz von Locarno - dürfte sich in der
Bundesführung die Erkenntnis durchgesetzt haben, daß die Strategie der Unterordnung
die beste Chance bot. Gehör und Anerkennung bei der Wilhelmstraße zu
finden. Im Gegenzug für das Entgegenkommen, die Propaganda vorab mit dem
dortigen Saarreferat zu koordinieren, erhoffte sich die Geschäftsstelle „Saar-Verein“
Einblicke in Regierungsinterna und - wenn schon nicht offiziell als Juniorpartner, so
doch de facto als Sprachrohr des Auswärtigen Amtes - damit die eigene Existenzberechtigung
demonstrieren zu können. Infolge der Wirtschaftskrise erlebte die Kooperationsbereitschaft
mit den reichsdeutschen Behörden im allgemeinen und dem
Auswärtigen Amt im besonderen in den letzten Jahren der Republik eine weitere
Intensivierung. Wenn es galt, den Fortbestand der Geschäftsstelle „Saar-Verein“ zu
sichern, nahmen die Angebote bisweilen anbiedernde Züge an. Vogel, dessen wirtschaftliche
Existenz und gesellschaftliche Reputation auf das Engste mit dem Schicksal
der Saarorganisation verknüpft war, fürchtete offenbar nichts mehr, als daß die
Reichsregierung zukünftig auf seine Mithilfe verzichten könnte. Wenngleich die
Saarfrage nach dem Scheitern der Pariser Konferenz und angesichts massiver innenpolitischer
Probleme vorübergehend in den Hintergrund rückte, dürfte von Regierungsseite
wohl kaum an den Aufbau einer neuen Organisation gedacht worden
sein110. Es war aber gerade diese Sorge, im Vorfeld der Saarabstimmung von der
aktiven Mitwirkung ausgeschlossen zu sein, die Vogel zu Jahresende 1931 veranlaßte,
den Bund der Saarvereine vollends als willfähriges Instrument zur Verfügung
zu stellen. Nach einer Unterredung mit von Friedberg resümierte Vogel, fortan
eine „Schlagwortpolitik“ betreiben zu wollen, die nach außen im scheinbaren Gegensatz
zur diplomatischen Verhandlungspolitik stehen sollte. Je detaillierter er über die
jeweiligen Absichten der offiziellen Saarpolitik unterrichtet sei, desto gezielter könne
die Bundesorganisation ihre Propagandaarbeit gestalten.
„Es wird in bestimmten Fällen sogar nötig sein, von Ihnen [...] bestimmte Winke zu erhalten, um
in der Saarvereinsarbeit über das Ziel der Regierung hinausschießend eine Aktion einzuleiten, um
in der Durchführung dieser Arbeit schließlich auf die Grenzen der Regierungspolitik zurückzukommen.
Je weniger die amtliche Inspiration der Saarvereinsarbeit hervortritt, um so wirksamer
wird die Aufklärungsarbeit sein können.“
Die vom Verein in der Öffentlichkeit geäußerte Kritik an Maßnahmen der Regierung
sei daher eher als taktisches Mittel zur Förderung der Regierungsarbeit zu verstehen.
In jedem einzelnen Fall, so schloß Vogel seine Ausführungen, wolle die Geschäftsstelle
„Saar-Verein“ im Vorfeld den jeweiligen Grad der Obstruktion mit dem
109 „Denkschrift über Bund und Geschäftsstelle ,Saar-Verein*“ (Januar/ Februar 1925), in: StA Freiburg
C 4/ IX/ 2/ 1, S. 5. Ebenso in: „Die Jahresarbeit des Bundes der Saarvereine und der Geschäftsstelle
,Saar-Verein* im Jahre 1925 (Januar 1926), in: LA Saarbrücken, Saar-Verein 2.
110 Selbst die RfH drohte zu dieser Zeit der Brüningschen Deflationspolitik zum Opfer zu fallen: Vgl.
Richter: Reichszentrale für Heimatdienst, S. 57-61; Wippermann, S. 340-348.
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