großen und ganzen läßt sich der Schriftwechsel der Geschäftsstel le „Saar-Verein“ mit
den Behörden in vier Kategorien unterteilen: Abgesehen von den regelmäßigen Bitten
um finanzielle Unterstützung leitete Vogel Gesuche und Anträge von Saarländern
bzw. reichsdeutscher Privatpersonen und Firmen weiter. In eine dritte Gruppe fällt
der Schriftverkehr, den die Geschäftsstelle in ihrer Eigenschaft als Hilfsorgan der
Behörden verfaßte: Schon lange vor der nationalsozialistischen „Machtergreifung“
bewarben sich saarländische Freiwillige zum Eintritt in die Reichsmarine und das
Reichsheer. Da hierfür neben einem Auszug aus dem Strafregister und einer Auskunft
bei der zuständigen saarländischen Bürgermeisterei auch eine vertrauliche
Auskunft über den Leumund, die politische Gesinnung, mögliche Parteizugehörigkeit
sowie die geistige Zurechnungsfähigkeit des Bewerbers und dessen Familie erforderlich
war, traf die Geschäftsstelle „Saar-Verein“ mit dem Reichswehrministerium
die Übereinkunft, die erforderlichen Informationen über ihre Vertrauensleute
an der Saar einzuziehen. Der Schriftverkehr mit den einzelnen Reichswehrkommandos
wurde schließlich so umfangreich, daß die Geschäftsstelle Vordrucke mit ihrem
Briefkopf erstellen ließ, um die Arbeit zu rationalisieren*7. Zur vierten und interessantesten
Kategorie zählen die Schreiben, in welchen sie ihre eigenen Vorstellungen
zur Saarfrage präsentierte und Anregungen zur Bewältigung aktueller Probleme
gab'*8.
Ermutigt durch eine Anfrage der Waffenstillstandskommission - Vogel wurde
gebeten, die Namen der ausgewiesenen saarländischen Verwaltungs- und Polizeibeamten
zu übermitteln87 89 - unternahm die Geschäftsstelle schon im Sommer 1919
einen Vorstoß beim Auswärtigen Amt und brachte sich selbst ins Spiel90:
„Wie wir wiederholt festgestellt haben, wandten sich Angehörige des Saargebietes und Elsaß-Lothringens
an die amtlichen Stellen hier in verschiedenen Anliegen. Wir haben Grund, anzunehmen,
daß unter diesen Persönlichkeiten recht zweifelhafte Elemente waren, denen das
größte Mißtrauen entgegengebracht werden mußte.
Da in unserer Geschäftsstelle alle Persönlichkeiten des Saargebietes bekannt sind oder aber über
ihre Personalien leicht Auskunft eingeholt werden kann, beehren wir uns hiermit ganz ergebenst,
anheimzustellen, bei Gelegenheit unsere Geschäftsstelle zu benutzen, um die Vertrauenswürdigkeit
der sich meldenden Personen festzustellen.“
Das Auswärtige Amt war der privaten Saarorganisation in den ersten Monaten ihres
Bestehens wohlgesinnt. Nachdem er sich in der zweiten Jahreshälfte 1919 durch
verschiedene Hilfsdienste bewährt hatte, wurde Vogel in seiner Eigenschaft als
Geschäftsführer von der Wilhelmstraße zu einer Sitzung eingeladen, welche Ende
87 Siehe hierzu: BA-R 8014/690-693 (1925-1932).
88 Beispielsweise wurde das RMPost im Jahr 1925 aufgefordert, eine direkte Telefonverbindung von
Saarbrücken über Frankfurt auszubauen: Vgl. SF 6 (1925) 17, S. 288 f.
89 Vgl, Briefe der Waffenstillstandskommission an die GSV (15.08.19 und 30.08.19) sowie Antwortschreiben
der GSV (18.08.19 und 29.08.19), in: BA-R 8014/662.
90 Brief der GSV an das AA (21.09.19), in: PA AA, Friedensabteilung, R 95.913. Gewissermaßen als
Bestätigung dieser Behauptung folgte wenige Tage später eine Warnung vor vier Männern, die nach
Ansicht Vogels unter dem Verdacht der Spionage für Frankreich standen: Vgl. Brief der GSV an das
AA, das RMI und das preußische Staatsministerium (02.10.19), in: BA-R 8014/662.
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