3.1.2 Ambitionen als Juniorpartner: Die Kooperation mit offiziellen Saarstellen
Parallel zur Propagandaarbeit im Fahrwasser von RfH und RVP suchte die Geschäftsstelle
„Saar-Verein" von Anfang an den Kontakt zu anderen, auch offiziell mit
Saarangelegenheiten betrauten deutschen Reichs- und Staatsbehörden. Dem Auswärtigen
Amt als federführender Reichsinstanz84 widmete sie natürlich besondere
Aufmerksamkeit. Es dürfte allerdings kaum ein Ministerium in Berlin und München
gegeben haben, das im Laufe der folgenden Jahre nicht mit Eingaben, Anfragen,
Vorschlägen oder Bittschriften bedacht worden wäre85 86. Insbesondere in den Wochen
vor und nach ihren Bundestagungen führte die Geschäftsstelle „Saar-Verein" eine
umfangreiche Korrespondenz mit allen mit der Saarfrage betrauten staatlichen Stellen
und auf allen Ebenen des Behördenapparates“’, so daß die Organisation zumindest
bei den zuständigen Sachbearbeitern als bekannt vorausgesetzt werden kann. Im
84 Zunächst war die Friedensabteilung des AA unter Leitung des späteren deutschen Botschafters in
Moskau, Friedrich Werner Graf von der Schulenburg, für Eingaben der GSV zuständig. Anfang 1920
kamen die Referenten verschiedener Reichs- und Staatsressorts überein, den Saarverein auch weiterhin
an das Referat von Schulenburgs im AA zu verweisen: Vgl. Brief der Friedensabteilung an das RMFinanz
(20.01.20), in: BA-R 2/2689: Brief des UStS der Reichskanzlei an die GSV (01.03.20), in: BA-R
8014/663. Im Zuge der neugeschaffenen Regionalabteilungen durch die „Schülersche Reform“ (vgl.
DOSS, S. 215-286) zeichnete ab Anfang 1921 Legationsrat Heinrich von Friedberg als Leiter des
Referates „Besetzte Gebiete“ in der Abteilung II (Westeuropa bzw. West- und Südosteuropa) verantwortlich:
Vgl. Biographisches Handbuch des deutschen Auswärtigen Dienstes, S. XXIII-XXXIX und
S. 614 f.: Nachruf auf von Friedberg in SF 14 (1933) 15, S. 244. Von Friedberg hatte seinerzeit als
Referent im RMFinanz den Kontakt zwischen RfH und dem Verein vermittelt. Sein Mitarbeiter,
Legationsrat Hermann Voigt (1889-1968), garantierte die personelle Kontinuität bis zur Abstimmung
1935. Vgl. allgemein zur Außenpolitik der Weimarer Republik und zum AA in dieser Zeit: ELZ;
KRÜGER: Die Außenpolitik der Republik von Weimar; Ders.: Struktur, Organisation und außenpolitische
Wirkungsmöglichkeiten; Sasse. Im PrMI war Landrat Böhme für den BdS zuständig.
85 Zu den Saarstellen im Reich vgl. Jacoby, S. 31-37. Zum Schriftverkehr mit Staats- und Reichsbehörden
vgl. BA-R 8014/662-687, BA-R 1601/1696-1699, PA AA, II a Saargebiet, R 76.090-76.098
sowie BayHStA. MA 106.120 und 108.206 ff.
86 Zur weiteren Illustration der unterschiedlichen Tätigkeitsfelder seien hier die auf der ersten Bundestagung
in Kassel erwähnten Eingaben an deutsche Behörden zitiert: „Denkschrift über die Tätigkeit der
Geschäftsstelle ,Saar-Verein1, Vorschläge für eine neue Presseorganisation der besetzten und abgetrennten
Gebiete, Subventionen von Theater und Orchester, desgl. von Zeitungen, Bergwerksfragen und
Bergbeamtenangelegenheiten, Ausweisungen und Bedrückung der Saarbevölkerung, Knebelung der
Presse, Gemeinde- und Staatssteuerangelegenheiten der ausgewiesenen Saarbewohner, Versorgung der
deutschen Presse im Saargebiet mit Papier, Kleiderunterstützung für ausgewiesene Bergleute, Einsprüche
gegen französische Verurteilungen, Lebensmittelversorgung für das Saargebiet (Kartoffeln),
Vermittlung der Einfuhrerlaubnis für Saarbrücker Geschäftsleute, Abschieds- und Treugelöbnis-Kundgebung,
Saargebietsfrage in Parlamenten, Veranlagung und Erhebung von Reichssteuern,
Regelung der Beamten-, Angestellten- und Arbeiterverhältnisse bei dem Übergang der Saargruben,
Einreiseerlaubniserleichterungen, Briefmarken, Frankenwährung, Zollbeschwerden, Eingaben an alle
politischen Parteien wegen Vertretung des Saargebietes in Parlamenten, gegen die Auslandsschalter in
Köln, Berücksichtigung des Saargebietes in dem Gesetz über den Ersatz der durch die Abtretung
deutscher Reichsgebiete entstandenen Schäden (Verdrängungsschädengesetz), Behandlung des
Saargebietes als Ausland, Gesuche der Handel- und Gewerbetreibenden, Einsprüche gegen Verstöße
gegen den Friedensvertrag, Anregungen von Kundgebungen im Reich- und Landtag, Errichtung einer
Darlehnskasse, Verhandlungen mit freien und christlichen Gewerkschaften wegen Fühlungnahme mit
Arbeiterorganisationen der übrigen Völker des Völkerbundes“: Llndatiertes Protokoll der Sitzung vom
03.04.21, in: BA-R 8014/18.
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