Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

gewesen  sein  dürfte.  Die  buchstabengetreue  Umsetzung  dieser  Konzeption  scheiterte
daran,  daß  sie  der  Regierungskommission,  die  durch  das  Zusammenspiel  von  Rheinlandkommission'’8
  und  französischer  Rheinarmee  schon  früh  über  Maßnahmen  des
Heimatdienstes  unterrichtet  war,  bekannt  wurde.  Bereits  im  Herbst  1919  war  es  dem
militärischen  Nachrichtendienst  gelungen,  zwei  verdeckt  wirkende  Mitarbeiter  der
RfH  zu  enttarnen,  wodurch  die  Franzosen  auch  detaillierte  Einblicke  in  das  deutsche
Propagandawesen  an  der  Saar  erhielten’4.  Ein  weiterer  Schlag  gegen  den  Heimatdienst38
 40  gelang  den  Franzosen  im  Zuge  der  französisch-belgischen  Besetzung  des
Maingaus  einschließlich  Frankfurts  am  6.  April  192041 43.  Die  dortige  RfH-Zentrale  war
zwar  schon  Ende  1919  nach  Mannheim  verlegt  worden,  dennoch  hatte  es  Groger
versäumt,  alle  Akten  zu  vernichten.  So  konnte  das  französische  Konsulat  in  der
Mainmetropole  der  Berliner  Botschaft  mitteilen,  daß  die  vom  „Service  de  Sûreté  de
l'Armée"  in  der  Geschäftsstelle  gefundenen  Dokumente  hinlänglich  bewiesen,
„que  le  Heimatdienst  était  un  organe  d'espionnage  s’occupant  plus  particulièrement  des  troupes
françaises  d’occupation,  en  relation  avec  le  service  allemand  pour  l’Alsace-Lorraine,  et  envoyant
également  des  agents  en  France;  on  a  trouvé,  par  exemple,  un  rapport  sur  le  moral  de  la  garnison
d'Orléans.“4“
Die  völkerrechtlich  fragwürdige  Besetzung  des  Maingaus  erfuhr  durch  diese  Enthüllungen
  ihre  nachträgliche  Legitimation,  ließen  sich  die  vermeintlichen  Vorbereitungen
  zu  einem  Generalstreik  -  nach  den  blutigen  Ereignissen  des  Kapp-Putsches  in
Berlin  wenige  Tage  zuvor  -  unschwer  als  Angriff  auf  die  Sicherheit  der  Besatzungstruppen
  interpretieren44.  Spätestens  nach  diesen  Funden  bei  Groger  war  dem  französischen
  „Service  de  Sûreté"  die  Struktur  des  Heimatdienstes  im  besetzten  Gebiet
detailliert  bekannt  und  mußten  alle  leitenden  Personen  der  Reichszentrale  im  Rheinland
  als  enttarnt  gelten.  Auch  die  Existenz  des  Saarausschusses  war  offenkundig
geworden44.

tums  in  Polen  bereit:  Vgl.  Krekeler:  Revisionsanspruch,  S.  14.
38  Als  Mittler  zwischen  den  amerikanischen,  belgischen,  britischen  und  französischen  Alliierten  und  den
deutschen  Zivilbehörden  trat  Ende  Juni  1919  die  „Haute  Commission  Interalliée  des  Territoires
Rhénans“  (H.C.I.T.R.)  unter  der  Leitung  des  Franzosen  Paul  Tirard  in  Koblenz  ihr  Amt  an.  Die
französische  Dominanz  des  Gremiums  garantierte  außer  der  sicheren  belgischen  Stimme  der  französische
  Vorsitz,  da  bei  Stimmengleichheit  das  Votum  des  Präsidenten  maßgebend  war:  Vgl.  BARIÉTY:  La
Haute  Commission  Interalliée;  Ders.:  Les  relations,  S.  46-61;  Ders.:  Die  Französische  Besatzungspolitik,
  S.  5-14;  JARDIN;  Köhler:  Französische  Besatzungspolitik  1918-1923.
39  Vgl.  „Rapport  au  sujet  du  .Heimatdienst1“  des  E.M.A  der  X.  Armee  (16.07.20),  in:  MAE,  Allemagne
415.  Vogel  galt  den  Franzosen  als  „chef  de  la  propagande  dans  la  Sarre“  :Vgl.  Feuille  de  renseignement
Nr.  2880  (21.02.20),  in:  MAE,  Sarre  115.
40  Die  Franzosen  unterschieden  nicht  zwischen  der  RfH  und  ihren  Vorläuferorganisationen  im  Krieg;
nahezu  die  gesamte  prodeutsche  Propaganda  fiel  unter  die  Rubrik  „Heimatdienst“:  Vgl.  „Note  sur  le
.Heimatdienst1“  (31.01.22),  in:  AN,  Af*  3154/1;  BOURSON,  S.  111-118.
41  Vgl.  MAYER:  Problem  der  Sicherheit,  S.  40^16;  WINKLER:  Weimar,  S.  125-134.
42  Brief  des  französischen  Konsulats  Frankfurt  an  die  Botschaft  Berlin  (05.05.20),  in:  C.A.D.N.,  Amb.
Berlin  B  353.  Siehe  auch  „Rapport  au  sujet  du  ,Heimatdienst1“  (16.07,20,  in:  MAE,  Allemagne  415).
43  Vgl.  BriefTirards  an  den  französischen  Außenminister(10.06.20),  in:  MAE,  Allemagne  415;  „Note  sur
le  .Heimatdienst111  (31.01.22),  in:  AN.  AJ9  3154/1.
44  Siehe  hierzu  den  „Rapport  au  sujet  du  .Heimatdienst1“  (16.07.20),  in:  MAE,  Allemagne  415.

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