Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

An  die  Bewilligung  von  Zuschüssen  für  das  Theater  sollten  Bedingungen  geknüpft
werden29.  Des  weiteren  warnte  Vogel  vor  dem  Aufbau  eines  Volkswohlfahrtswesens
in  Saarbrücken,  welches  allein  für  einen  noch  zu  errichtenden  Neubau  zwei  Millionen
  Mark  beansprucht  hätte.  Er  persönlich  hielt  die  Zeit  für  einen  derartigen  Wohlfahrtsausschuß
  noch  nicht  gekommen;  erst  müßte  im  Saargebiet  eine  politische
Einheitsfront  aufgebaut  werden.  Wenn  Vogel  in  seinem  Schreiben  mehrfach  anklingen
  ließ,  daß  die  Propagandaarbeit  unter  Ausschaltung  jeder  Parteipolitik  vor  sich
gehen  müsse,  so  macht  dies  vor  allem  deutlich,  daß  der  nationalliberale  Vogel
keineswegs  den  Sozialdemokraten  das  kulturpolitische  Feld  überlassen  wollte.  Die
Verteilung  der  mitunter  beträchtlichen  Geldmittel  durch  linksstehende  Parteifunktionäre
  und  Gewerkschaftssekretäre  hätte  nicht  nur  zwangsläufig  das  Monopol  in
kulturellen  Fragen  in  die  Hände  der  saarländischen  SPD  gelegt,  sondern  zugleich
auch  deren  politisches  Gewicht  zu  Lasten  der  Liberalen  und  Konservativen  gestärkt.
Angesichts  dessen  erscheint  Vogels  Forderung  nach  Überparteilichkeit  als  subtiler
Versuch  der  Geschäftsstelle  „Saar-Verein”,  die  ihr  nahestehenden  bürgerlichen
Kreise  in  das  kulturpropagandistische  Boot  zu  heben.  Anstelle  des  sozialdemokratisch
  orientierten  kriegsversehrten  Dr.  Plessow  schlug  Vogel  seinen  Verbindungsmann
  in  Saarbrücken.  Prof.  Meyer,  vor  und  regte  die  Bildung  eines  überparteilichen
Arbeits-  und  Überwachungsausschusses  an.  Zumindest  in  Teilbereichen  gelang  es
Vogel,  seine  Vorstellungen  durchzusetzen:  Der  Saarbrücker  Volksbildungsverein
Meyers  erhielt  in  den  nächsten  Tagen  10.000  Mark  von  der  RfH  und  mit  der  geplanten
  Orchestergründung  im  Saargebiet  wurde  die  Berliner  Geschäftsstelle  selbst
betraut30.
Trotz  der  vertraglichen  Fixierung  der  Kooperation  zwischen  RfH  und  Geschäftsstelle
„Saar-Verein“  im  Januar  192031,  die  letzterer  die  Deckung  ihrer  laufenden  Unkosten
sicherte,  intrigierte  Vogel  weiter  gegen  die  Reichsbehörde.  So  bezeichnete  er  die
Zentralstelle  als  eine  unnötige  Instanz  zwischen  den  zuständigen  Berliner  Stellen  und
den  Landsmannschaften  des  Westens.  Sie  verschlinge  zu  viel  Geld  und  gefährde
durch  ihren  offiziellen  Charakter  die  patriotische  Arbeit  der  Vereinigungen32.  In
dieser  Vorgehensweise  zeigt  sich  das  Selbstverständnis  Vogels:  Die  Geschäftsstelle
„Saar-Verein'4  sollte  nicht  bloß  ausführendes  Organ  einer  selbst  nur  nachgeordneten

29  Vgl.  Brief  der  GSV  an  die  RfH  (05.11.19),  in:  BA-R  8014/775.
Ansprechpartner  vor  Ort  für  den  Saarverein  sollte  der  sozialdemokratische  Rechtsanwalt  Lehmann  in
Saarbrücken  sein:  Vgl.  Briefe  der  RfH  an  die  GSV  (14.10.19  und  10.11.19),  in:  BA-R  8014/775.
1  Der  Apparat  des  Saarvereins  stand  demnach  der  RfH  zur  Durchführung  von  Propagandaaufgaben  zur
Verfügung,  wobei  Vogels  Geschäftsstelle  gegenüber  der  RfH  insofern  weisungsgebunden  sein  sollte,
daß  sie  ihre  Arbeit  und  insbesondere  ihre  Kontakte  zu  anderen  Regierungsstellen  mit  der  Reichszentrale
zu  koordinieren  hatte.  Um  keine  Rückschlüsse  auf  die  Kooperation  zuzulassen,  durfte  die  RfH  offiziell
weder  als  Geldgeberin  in  Erscheinung  treten  noch  die  Vertrauensleute  im  Saargebiet  direkte  Verbindung
  zu  ihr  aufnehmen.  Zur  gleichen  Zeit  schloß  die  RfH  ähnliche  Verträge  auch  mit  anderen  Landsmannschaften:
  Vgl.  die  Verträge  in:  BA-R  1603/2723.  Das  Abkommen  zwischen  RfH  und  der  GSV
siehe  im  Anhang,  Dok.  10.
i2  Vgl.  Protokoll  einer  Vorstandssitzung  des  DSB  (30.01.20),  in:  BA-R  8014/756,

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