übermittelt wurden. Hinter dem Aufbau
der „Geschäftsstelle ,Saar-VereirL
Frankfurt am Main“ in der Gallusanlage
2 steckteein längerfristiges Konzept: So
sollte Lillig nicht nur den Aufbau einer
eigenen Organisation für Flüchtlingsund
Vertriebenenfürsorge in Frankfurt
koordinieren, sondern auch Vortragsredner
in großer Zahl anwerben und für diese Dispositionen anfertigen25.
Für den Berliner Saarverein erwies sich diese Regelung als äußerst vorteilhaft. Lillig,
der zur Tarnung einen Redakteursposten bekleidete26, wurde überwiegend aus
Reichsmitteln finanziert und belastete damit nicht den eigenen Etat. Durch seine
Integration in die lokale Struktur des Heimatdienstes konnte Lillig ferner auf die
personellen und institutionellen Ressourcen der RfH zurückgreifen und diese in den
Dienst der Saarpropaganda stellen. Die selbst noch junge Berliner Geschäftsstelle
„Saar-Verein“ wurde durch die Kooperation mit der RfH aufgewertet und verfügte
zugleich übereine arbeitsfähige Nebenstelle, die zur Verschleierung der Propagandatätigkeit
der Zentrale beitrug. Während der wechselseitige Austausch von Informationen
zwischen den beiden parallel arbeitenden Vertrauensmännernetzen im Saargebiet
weitgehend reibungslos lief, konnte Vogel sehr massiv auftreten, wenn er den Eindruck
hatte, die Geschäftsstelle „Saar-Verein“ werde bewußt übergangen oder
übervorteilt.
Als sich beispielsweise Groger - entsprechend der Arbeitsteilung mit Lillig - Anfang
Oktober 1919 in Saarbrücken mit Vertretern der saarländischen Sozialdemokratie
traf, um mit diesen kulturpolitische Fragen zu diskutieren27 28, provozierte dies den
Widerstand Vogels und veranlaßte ihn, unaufgefordert seine eigenen Vorstellungen
über die Kulturpropaganda im Saargebiet darzulegerr*. So begrüßte er zwar grundsätzlich
das Konzept, welches den Aufbau von Volksbibliotheken, den Ausbau der
Volkshochschule, Zuschüsse zur Arbeiterbildung und Jugendpflege sowie die
Förderung bzw. den Aufbau des Theater- und Orchesterwesens vorsah, machte aber
seine Vorbehalte in Einzelfragen geltend: Anstelle der geplanten neuen Bibliotheken
in Saarbrücken, Neunkirchen, Völklingen und Saarlouis sowie in verschiedenen
Bergarbeitergemeinden plädierte er für den Ausbau bereits bestehender Lesehallen.
25 Bisher war dies daran gescheitert, daß keine demokratischen, sozialdemokratischen und
deutschnationalen Redner gefunden werden konnten: Vgl. Protokoll der Sitzung der rheinischen RfH-Vertreter
vom 30.09.19 (01.10.19), in: BA-R 8014/775. Die Berichte Lilligs in BA-R 8014/807 und
BayHStA, M A 108.205 sind interessante und aufschlußreiche Quellen für die politische Geschichte des
frühen Saargebiets.
26 Vgl. Briefe der GSV an Lillig (30.08.19 und 06.03.20), in: BA-R 8014/159 und 341.
: Vgl. undatiertes Protokoll Grogers (Oktober 1919), in: BA-R 8014/775. Daß sich eine Abschrift dieses
Protokolls mit seinen detaillierten Kostenaufstellungen in den Akten der GSV findet, ist ein Indiz für
die Kooperationsbereitschaft seitens der RfH.
28 Vgl. Brief der GSV an die RfH (27.10.19). in: Ebd.
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