Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Propagandaarbeiten  werden  von  uns  in  streng  vertraulicher  und  unbedingt  unauffälliger  Weise
betrieben.  Die  uns  zur  Verfügung  stehenden  Vertrauensleute  gehören  allen  Schichten  der  Saarbevölkerung
  an  und  haben  sich  nur  unter  der  Bedingung  für  eine  Mitarbeit  bereitfinden  lassen,  daß
ihre  Mitarbeit  streng  geheimgehalten  bleibt.  Wir  beabsichtigen  deshalb  insbesondere  die  Propagandaarbeiten
  durch  vertrauliche  und  geheime  Unterstützungen  der  zahlreichen  mit  uns  in
Verbindung  stehenden  deutschen  Vereine  und  Vereinigungen  sowie  durch  Verteilung  von
Flugschriften  und  Aufrufen,  die  für  diesen  Zweck  von  uns  besonders  verfaßt  und  erlassen  werden,
durchzuführen.“21
Vogels  Konzept  überzeugte  die  Behörde  und  so  erhielt  die  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“
  ab  Oktober  1919  aus  dem  Etat  der  RfH  monatlich  5.000  Mark22.  Zuvor  war
es  ihm  bereits  gelungen,  mit  Otto  Ludwig  und  Adam  Lillig  zwei  seiner  Vertrauensleute
  in  Saarbrücken  und  Frankfurt  in  Außenstellen  der  Reichszentrale  zu  installieren:
  Der  Neunkircher  Lotterieeinnehmer  Otto  Ludwig  wurde  von  der  RfH  mit  einem
Jahresgehalt  von  12.000  Mark  fest  angestellt23.  Als  Treffpunkt  für  konspirative
Zusammenkünfte  zwischen  dem  einstigen  Major  und  Max  Groger,  dem  Leiter  der
Frankfurter  RfH-Stelle,  diente  das  „Christliche  Hospiz  Hotel  Schweizerhof“  in
Frankfurt.  Lillig24  seinerseits  stand  in  regelmäßiger  Verbindung  mit  den  Umschlagund
  Kopfstellen  der  RfH  in  Kreuznach,  Heidelberg,  Darmstadt,  Trier,  Mannheim,
Köln  sowie  natürlich  Frankfurt.  Als  Verbindungsmann  zu  den  katholischen  Kreisen
im  Saargebiet  sollte  der  ehemalige  Redakteur  der  „Saar-Zeitung“  mit  den  dortigen
christlichen  Gewerkschaftsorganisationen,  den  Angestellten-  und  Beamtenverbänden,
konfessionellen  Vereinen,  der  katholischen  Geistlichkeit  und  insbesondere  der
Zentrumspresse  Fühlung  halten,  während  die  Frankfurter  RfH  hingegen  die  freien
Gewerkschaften  und  sozialdemokratischen  Kreise  betreute.  In  Kooperation  mit  dem
Syndikus  der  Saarbrücker  Handelskammer  publizierte  Lillig  periodische  Berichte
über  die  wirtschaftliche  Abschnürung  des  Saargebiets.  Als  ständiger  Mitarbeiter  der
„Neuen  Rheinischen  Korrespondenz“,  einem  von  der  Frankfurter  RfH-Landesstelle
finanzierten  Unternehmen,  sowie  der  liberalen  „Frankfurter  Zeitung“,  der
„Rheinisch-Westfälischen  Zeitung“  und  Blättern  aus  dem  Scherl-Verlag  hielt  er
Kontakt  zur  Presseabteilung  des  Saarvereins.  Über  ihn  bezog  die  Berliner  Geschäftsstelle
  französische  und  frankophile  Zeitungen;  Lillig  selbst  fertigte  mehrmals  wöchentlich
  längere  Lage-  und  Stimmungsberichte  an,  die  zusammen  mit  dem  sonstigen
Briefwechsel  durch  einen  geheimen  Kurierdienst  zwischen  beiden  Geschäftsstellen

21  Brief  der  GSV  an  die  RfH  (10.10.19),  in:  BA-R  8014/775.  Unterstreichungen  im  Original.
22  Vgl.  Brief  der  GSV  an  die  RfH  (21.11.19),  in:  BA-R  8014/775.
23  Vgl.  Brief  der  GSV  an  Lillig  (17.09.19),  in:  BA-R  8014/340.  Schon  am  08.08,20  wurde  er  nach  einer
Haussuchung  verhaftet  und  wegen  Verschwörung  gegen  den  französischen  Staat  inhaftiert.  Aus  den
nachfolgenden  Verhören  erfuhren  die  Sicherheitsbehörden  weitere  Details  über  den  Vertrauensmännerapparat.
  Ludwig,  der  unter  dem  Pseudonym  „Otto  Julius“  arbeitete,  flüchtete  Anfang  September  1920
aus  dem  Saargebiet:  Vgl.  Protokoll  Otto  Ludwigs  (September  1920),  in:  BayHStA,  Haupthilfsstelle
Pfalz  104;  Brief  der  GSV  an  das  AA  (18.08.20),  in:  PA  AA,  11  a  Saargebiet,  R  75.623.
24  Der  1874  geborene  Lillig  war  -  selbst  Ende  April  ausgewiesen  -  zu  dieser  Zeit  Kommissar  für  die
Vertriebenenfürsorge  in  Bensheim.  Im  Januar  hatte  er  als  Zentrumskandidat  im  Kreis  Saarlouis  bei  der
Wahl  zur  Nationalversammlung  kein  Mandat  erringen  können:  Vgl.  HEINZ:  19,  Januar  1919,  S.  38
sowie  den  Nachruf  auf  den  am  23.11.25  verstorbenen  Lillig  in:  SF  6  (1925)  23,  S.  394.

128
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.