werden darf.“272 Es dauerte noch bis Jahresende, daß sich die Ministerien auf eine
Lösung verständigen konnten: Die zunehmende französische Propaganda und der
immer näher rückende Abstimmungstennin erforderten nach Ansicht des Reichsministeriums
des Innern nicht nur die Aufrechterhaltung der bisherigen Arbeit, sondern
machten ihren Ausbau notwendig. Hierzu veranschlagte der zuständige Referent
einen gesicherten Jahresetat von 100.000 RM für den Bund der Saarvereine, was
angesichts zurückgegangener privater Zuwendungen ein stärkeres staatliches Engagement
erfordere. Ferner sollte der Bund an den Einnahmen der preußischen Landeslotterie
„Grenz- und Heimatschutz“ beteiligt werden273.
Neben teilweise beträchtlichen Zuwendungen der noch immer solventen Industrie
kompensierten somit vor allem die aufgestockten Reichszuschüsse den Beitragsausfall
der Einzelmitglieder und angeschlossenen Körperschaften. Die Gelder stammten
aus der 1926/27 geschaffenen und mit 13,5 Millionen Reichsmark dotierten „Westhilfe“,
von der 1,5 Millionen für kulturelle Zwecke vorgesehen waren. Durch den
Wegfall des Fonds für besondere Zwecke des besetzten Gebiets 1930 zweigten die
Behörden insgesamt 100.000 RM aus diesem Topf für Publikationen über die Westgebiete
sowie die betreffenden Landsmannschaften ab274; auch 1932 stammte der
Reichszuschuß ebenfalls aus den Mitteln der kulturellen Westhilfe, die überwiegend
für die Rückgewinnung des Saargebietes dienen sollte275.
2.7 Zusammenfassung
Auf einer breiteren Grundlage, aber mit den gleichen Zielsetzungen wie der Saargebietsschutz
war im Sommer 1919 die Berliner Geschäftsstelle „Saar-Verein“ ins
Leben gerufen worden. Sie bildete unter der Leitung des aus Saarbrücken ausgewiesenen
Redakteurs Theodor Vogel bis zum Plebiszit 1935 das Herzstück der privaten
Saarpropaganda. Zu ihrer Entlastung und um die Forderung nach Rückgliederung der
Saar als alle Parteien, Schichten, Konfessionen und Stände erfassende Volksbewegung
darstellen zu können, initiierte sie die Gründung lokaler Saarvereine im unbesetzten
Teil der jungen Republik. Obwohl sich die Ortsgruppen im Herbst 1920 zum
Bund der Saarvereine zusammenschlossen, war dieser kein streng homogener Ver¬22
SF 12 (1931) 3, S. 34. Vgl. ebenso: Brief der GSV an das AA, BayMA. PrMl und RMbesGeb
(25.06.29), in: PA AA, II a Saargebiet. R 76.093; Rundschreiben der GSV (27.03.30), in: LA
Saarbrücken, Saar-Verein 19.
273 Vgl. Brief des RMI an den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen (29.12.30), in: PA AA, II a
Saargebiet, R 76.093. Mindestens 50.000 RM sollten dem BdS aus dem Erlös der Wohlfahrtslotterie
zugute kommen: Vgl. Brief des RMI an das PrM Volkswohlfahrt (11.02.31), in: BA-R 1601/1699.
274 Die restlichen 1,4 Millionen wurden anteilig an die betroffenen Länder Baden, Bayern, Hessen,
Oldenburg und Preußen verteilt: Vgl. Rundschreiben des RMI an verschiedene Länder- und Reichsressorts
(17.08.31), in: BA-R 2/4410; Richtlinien für die Westhilfe (August 1930), in: BA-R 2/4409;
Blaich, S. 72-98. LlNSMAYER (Politische Kultur, S. 428) lag also falsch, als er dem BdS allein
jährlich 100.000 RM Reichszuschüsse zuschrieb.
2 5 Vgl. Brief des RMI an die GSV (23.06.32), in: BA-R 43-1/252; Brief des RMI an das RMFinanz
(15.08.32), in: BA-R 2/4412.
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