Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Es  sollte  allerdings  noch  mehrere  Jahre  dauern,  bis  sich  1928  die  Detroiter  Ortsgruppe
  des  „Bundes  der  Frontsoldaten.  Gau  Nordamerika“  unter  der  Leitung  von
Vogels  Neffen  Tankred  Ziegler  als  körperschaftliches  Mitglied  anschloß"5.  Die
deutschsprachige  „Detroiter  Abendpost“  übernahm  fortan  für  amerikanische  Leser
verfaßte  Artikel.
Die  Gründung  einer  eigenständigen  Saarländervereinigung  in  den  USA  erfolgte  erst
im  Frühjahr  1934  in  New  York"6.  Anzeigen  in  den  deutschen  Blättern  der  Ostküste
riefen  die  potentiellen  Abstimmungsberechtigten  auf,  sich  um  die  Zuteilung  der
notwendigen  Unterlagen  zu  bemühen.  Die  Untersuchungen  des  ebenfalls  1934
gegründeten  „Dickstein  Committee“"7  ließen  kurzzeitig  die  Frage  des  korporativen
Beitritts  zur  reichsdeutschen  Bundesorganisation  in  ein  neues  Licht  rücken.  Da  sich
der  New  Yorker  Verein  aber  im  Laufe  des  Frühjahres  auch  formal  dem  Bund  der
Saarvereine  anschloß,  konnten  die  vorhandenen  Bedenken  innerhalb  der  Ortsgruppenführung
  offensichtlich  zerstreut  werden.  Zumindest  der  Schriftführer  Alfons
Wenz  geriet  in  keinen  Loyalitätskonflikt;  er  selbst  bezeichnete  sich  als  treuen  Deutschen
  und  zugleich  guten  amerikanischen  Bürger28.
Es  ist  anzunehmen,  daß  die  New  Yorker  Gruppe,  die  im  Sommer  1934  immerhin  327
abstimmungsberechtigte  Mitglieder  zählte225 229,  Vorbild  für  die  Gründung  weiterer
Saarvereinigungen  in  den  Vereinigten  Staaten  war.  So  konstituierten  sich  in  der
zweiten  Jahreshälfte  in  Los  Angeles  die  Ortsgruppe  „Kalifornien“230 231  und  an  der
kanadischen  Grenze  der  „Saarländerverein  für  Chicago  und  den  Mittel  westen'1231.
Letzterer  trat  dem  Bund  der  Saarvereine  im  Oktober  1934  mit  insgesamt  256  Mitgliedern
  bei.  Nach  seinen  Statuten  konnte  jede  im  Saargebiet  geborene  Person  sowie
jeder  Deutsch-Amerikaner  die  Mitgliedschaft  erlangen;  der  Verein  bezeichnete  sich
selbst  als  „politisch  unbedingt  neutral“232.

225  Vgl.  Brief  Zieglers  an  die  GSV  (07.11.28),  in:  BA-R  8014/1030.  Der  Sohn  von  Vogels  Schwester  war
erst  nach  dem  Krieg  emigriert  und  hatte  die  amerikanische  Staatsbürgerschaft  angenommen:  Vgl.
Brief  Zieglers  an  Vogel  (10.09.29),  in:  BA-R  8014/1031.  Zur  Tätigkeit  der  Detroiter  Stahlhelm-  bzw.
Saarvereinsgruppe  vgl.  SF  10(1929)4,  S.  78;  SF  11  (1930)  10,  S.  190.
226  Vgl.  Brief  des  deutschen  Generalkonsulats  New  York  an  das  AA  (05.04.34),  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,
  R  75.473;  Brief  Wenz’  an  die  GSV  (12.02.34),  in:  BA-R  8014/1031.
227  Benannt  nach  seinem  stellvertretenden  Vorsitzenden  und  eigentlichen  Initiator,  dem  Vorsitzenden  des
Einwanderungs-Amtes  Samuel  Dickstein,  untersuchte  es  „unamerikanische“  Aktivitäten  in  den
Vereinigten  Staaten.
22g  Vgl.  Brief  Wenz’  an  die  GSV  (05.04.34),  in:  BA-R  8014/530.
229  Vgl.  Brief  Wenz’  an  Röchling  (21.07.34),  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  75.473.  Etwa  zu  dieser  Zeit
wurde  sogar  ein  besoldeter  Geschäftsführer  eingestellt:  Vgl.  Brief  des  deutschen  Generalkonsulats
New  York  an  das  AA  (17.07.34),  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  75.478.
230  An  der  Westküste  hatten  sich  nur  27  abstimmungsberechtigte  Saarländer  zusammengefunden:  Vgl.
Brief  Emil  Schmidts  an  die  GSV  (30.10.34),  in:  PA  AA,  ¡1  a  Saargebiet,  R  75.482.
231  Schon  die  von  70  Personen  besuchte  Gründungsversammlung  wurde  von  den  Organisatoren  zum
Ausfüllen  der  Abstimmungsanträge  genutzt:  Vgl,  Brief  des  deutschen  Generalkonsulats  Chicago  an
das  AA  (21.08.34),  in:  PA  AA,  II  a  Saargebiet,  R  75.477.
232  Vgl.  Brief  des  „Saarländer-Vereins  für  Chicago  und  den  Mittelwesten“  an  die  GSV  (08.10.34),  in:
BA-R  8014/292;  SF  15  (1934)  23,  S.  507.  Den  dürftigen  Informationen  über  den  Vorstand  des
Chicagoer  Vereins  zufolge  war  dessen  Präsident  Joseph  P.  Martin  gebürtiger  Wehrdener;  der  1893  in

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