Eine kurzzeitige Wiederbelebung erfolgte erst nach 1933, als die Mitgliederentwick¬
lungeinen Aufschwung erlebte und infolgedessen Vortragsveranstaltungen größeren
Zulauf erhielten. Nun war die Ortsgruppe wieder „der Bedeutung der Reichshaupt¬
stadt entsprechend [...] führend im Kampfe um die Deutscherhaltung des Saar¬
gebietes“199 *.
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Die süddeutschen Landesverbände™
Enge wirtschaftliche Beziehungen der saarländischen Schwerindustrie nach Süd¬
deutschland2111 hatten bereits im Februar 1919 württembergische Industrielle bewo¬
gen, eine Organisation zu schaffen, welche die Öffentlichkeit über das ökonomische
Potential des Saarreviers und seine Bedeutung für die Region aufklären sollte202 205.
Während sich der Berliner Saargebietsschutz noch mit seinem Schwesterverein
dahingehend arrangierte, daß beide Organisationen unter vollständiger Wahrung ihrer
Autonomie nebeneinander arbeiten sollten203, sah Vogel die Expansion seines Ver¬
bandes durch die Stuttgarter Vereinigung behindert. Umgekehrt wurde die Exi¬
stenzberechtigung der Geschäftsstelle „Saar-Verein“ von der württembergischen
Gruppe in Frage gestellt wurde204. Obwohl Vogel betonte, die Selbständigkeit der
unerwünschten anderen Zentrale nicht antasten zu wollen, sammelte er in deren
Einflußgebiet Gelder und forderte andere Organisationen auf, weiterhin nur mit der
Berliner Vereinigung zu kooperieren2115. Letztendlich konnte die Geschäftsstelle
„Saar-Verein“ den Konkurrenzkampf für sich entscheiden, da die ursprüngliche
Aufgabe der Stuttgarter Vereinigung mit Inkrafttreten des Versailler Vertrages
obsolet geworden war. Ende August 1920 schlossen Vogel und der Stuttgarter
Vorsitzende ein Abkommen, in welchem die jeweiligen Kompetenzen abgegrenzt
wurden und sie eine Kooperation vereinbarten206: In Württemberg, Bayern und Baden
sollte die Stuttgarter Vereinigung die zentrale Organisation für die Saarpropaganda
sein und in diesen Ländern nach eigenem Ermessen auch Ortsgruppen gründen
dürfen. Dafür sollten fortan alle größeren Unternehmungen der Stuttgarter im Vor¬
199 SF 15 (1934) 10, S. 183.
2ÜU Zur Stuttgarter Gruppe vgl. BA-R 8014/616—621, zur Münchener B A-R 8014/509-512.
2UI Etwa 25% des gesamten Kohlen- und Koksabsatzes im Jahr 1913 gingen in süddeutsche Staaten: Vgl.
Herr/ Jahns, S. 288.
202 Vgl. Denkschrift der „Vereinigung gegen die Lostrennung unseres Saargebietes und der Rheinpfalz“
(08.09.20), in: BA-R 2/2689.
203 Vgl. Brief Teichs an die GSV (09.01.20), in: BA-R 8014/616.
204 „Der ,Saar-Verein1 ist gewiß recht hübsch und verdient jede Sympathie und Unterstützung, er wird
aber - befürchte ich - politisch ohne durchgreifende Wirkung bleiben, ein landsmännisches Familien¬
kränzchen.“: Brief Teichs an die GSV (10.09.19), in: Ebd.
205 Vgl. Briefe der GSV an die Vereinigung (13.01.20 und 27.01.20), in: Ebd. Vgl. demgegenüber den
Brief der GSV an den „Bund der Deutschen Grenzmarken-Schutzverbände“ (16.01.20), in: Ebd.
20i> Vgl. Anlage 3 zur Denkschrift vom 08,09.20 (31.08.20), in: PA AA, II a Saargebiet. R 75.430.
Abgedruckt bei: JACOBY. Dok. 1, S. 203 f.
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