Full text : ‚‚Deutsch die Saar, immerdar!‛‛

Saargebiet  zu  bereisen.  Daß  dieser  Initiative  zur  Förderung  des  saarländischen
Fremdenverkehrs  insgesamt  nur  wenig  Erfolg  beschieden  war.  lag  zu  einem  großen
Teil  an  den  hohen  Kosten.  Während  Ausländsdeutschen  auf  Vermittlung  des  DAI
Fahrpreisermäßigungen  bei  Bahnfahrten  ins  Reich  gewährt  wurden14*,  konnten  die
Saarländer  diese  Vergünstigungen  nicht  von  vornherein  in  Anspruch  nehmen.  Schon
auf  der  Dortmunder  Bundestagung  1922  wurde  daher  der  Gedanke  aufgeworfen,  in
der  Ferienzeit  Sonderzüge  in  das  Saargebiet  einzusetzen,  doch  ließ  sich  die  Idee  erst
vier  Jahre  später  realisieren:  Ab  1926  fuhr  jeden  Sommer  ein  derartiger  Zug  von
Dortmund  über  Köln.  Koblenz  und  Trier  nach  Saarbrücken,  der  vermutlich  Vereinsmitgliedern
  reserviert  war.  Jeweils  etwa  1.000  Personen  nahmen  das  Angebot  wahr,
für  die  Hälfte  des  regulären  Fahrpreises  in  die  alte  Heimat  zu  reisen148 149.  Parallel  hierzu
initiierten  die  rheinisch-westfälischen  Ortsgruppen  Autobusreisen  an  die  Saar,  deren
starke  Resonanz  der  Regierungskommission  ein  Dorn  im  Auge  war150.
Wie  gestaltete  sich  nun  die  Propagandaarbeit  in  den  Ortsgruppen?  Als  leuchtendes
Beispiel  galt  stets  die  im  Februar  1925  gegründete  Stettiner  Saarvereinigung151.  Ihr
gelang  es,  regelmäßig  neue  Mitglieder  zu  gewinnen,  die  nicht  nur  mehrheitlich  den
„Saar-Freund“  bezogen,  sondern  auch  dafür  sorgten,  daß  er  in  den  städtischen
Leseräumen  auslag.  Der  Vorsitzende,  Oberregierungsrat  Dr.  Max  Stegner1'’2,  publizierte
  regelmäßig  in  der  einheimischen  Presse  und  in  Zeitschriften  der  Eisenbahnervereine
  Artikel  über  die  Saarfrage  und  transportierte  damit  die  Thematik  vor  ein
breites  Publikum.  Das  Beisammensein  lief  in  harmonischer  Weise  ab.  der  jährliche
Beitrag  an  die  Geschäftsstelle  „Saar-Verein“  wurde  ordnungsgemäß  abgeführt,  und
keine  andere  Ortsgruppe  entfaltete  eine  so  große  Aktivität  bei  der  Benennung  von
Straßen  wie  Stettin.  1928  regte  der  Stettiner  Saarverein  sogar  eine  Eingabe  beim
preußischen  Kultusministerium  an,  der  Saar  in  den  Unterrichtsplänen  die  ihr  gebührende
  Beachtung  zu  schenken153.

148  Vgl.  Grundmann,  S.  179.
149  Vgl.  SF  7  (1926)  17,  S.  331;  SF  8  (1927)  19,  S.  372;  SF  12(1931)  13/14,  S.  233;  SF  12(1931)  15/16,
S.  281  f.;  SF  12  (1931)  17,  S.  300;  SF  14  (1933)  15,  S.  250.  Im  letzten  Jahr  vor  der  Abstimmung
wurden  sogar  vier  Züge  mit  ähnlicher  Belegung  eingesetzt:  Vgl.  SF  15  (1934)  15,  S.  294;  Vogel:
Geschäftsstelle  „Saar-Verein“,  S.  241.  Die  Reichsbahn  gewährte  zu  dieser  Zeit  ohnehin  schon  für
Kleingruppenreisen,  die  als  Propagandafahrt  ins  Saargebiet  deklariert  wurden,  eine  75%ige  Fahrpreisermäßigung:
  Vgl.  Rundschreiben  Kellners  an  die  Ortsgruppen  (19.07.34),  in:  LHA  Koblenz,
661,11/7.
150  So  durften  die  Busse  nur  bis  zur  deutsch-saarländischen  Grenze  fahren,  während  die  Reisenden  die
Grenze  zu  Fuß  überqueren  mußten  und  erst  ab  Mettlach  die  Fahrt  auf  den  saarländischen  Bahnen
fortsetzen  konnten:  Vgl.  SF  14  (1933)  16/17,  S.  288  f.;  SF  15  (1934)  5,  S.  87.  Die  erste  Fahrt  fand
vom  12.-14.03.32  statt:  Vgl.  SF  12  (1931)  23,  S.  396;  SF  13  (1932)  5,  S.  75;  SF  14  (1933)  4,  S.  58.
151  Vgl.  BA-R  8014/608-612.
152  Nachdem  der  gebürtige  Ostpreuße  Stegner  erst  im  Frühjahr  1922  von  der  Eisenbahndirektion  des
Saargebietes  zur  Reichsbahndirektion  Trier  gewechselt  war,  wurde  er  am  13.01.23  wegen  Aufhetzung
deutscher  Eisenbahner  gegen  die  französische  Besatzung  des  Rheinlandes  verwiesen:  Vgl.  SF  4
(1923)8,  S.  97;  SF  5  (1924)  11,  S.  158.
153  Vgl.  SF  9  (1928)  5,  S.  77  f.

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