Full text : Volk, Reich und Westgrenze

wissenschaftlichen  Wächter  an  der  Westgrenze  des  Deutschtums.  Seine  Forschungen
  zur  Stammes-  und  Volksgeschichte  führten  ihn  zwar  „nicht  in  Nachbarschaft
zum  Nationalsozialismus“"255  -  Steinbach  war  nie  Mitglied  der  NSDAP  und  wurde
der  Distanz  zum  nationalsozialistischen  Rassengedanken  bezichtigt256  aber
fraglos  bewegten  sich  seine  und  die  Aktivitäten  der  WFG  unter  dem  Dach  des
nationalsozialistischen  Expansionismus.
Saarfragen  schloss  die  WFG  ausdrücklich  ein.  Ihre  erste  Tagung,  die  Ende  Juli  /
Anfang  August  1932  in  Trier  stattfand,  widmete  sich  der  Saar.25  An  ihr  nahmen
zahlreiche  Mitglieder  der  SFG  teil.258 259  Wie  sollte  sich  die  WFG  gegenüber  der  SFG
verhalten?  Kloevekorn  hatte  vor,  die  SFG  in  die  WFG  einzugliedern.  Aber  Steinbach
  wollte  sich  nicht  in  Aufgaben  der  SFG  drängen.  Sante  stellte  sich  eine  Aufgabenteilung
  zwischen  den  beiden  Forschungsgemeinschaften  vor,  wobei  die  SFG
ausschließlich  „abstrakte  Wissenschaft“  pflegen  und  die  WFG  sich  stärker  den
„politischen  Kreisen“  zuwenden  könne.  Dem  widersprach  Steinbach  ebenfalls:
Auch  die  SFG  habe  politische  Notwendigkeiten  zu  berücksichtigen.  Schließlich
einigte  man  sich,  dass  die  WFG  Saarfragen  „nur  im  Zusammenhang  mit  den
allgemeinen  Grenzlandfragen  des  Westens“  behandeln  solle.269
Doch  wurde  das  Verhältnis  zwischen  SFG  und  WFG  gespannt.  Sante  hinterbrachte
  Schmidt-Ott  Einzelheiten  von  der  Trierer  WFG-Tagung,260  möglicherweise
  als  gezielte  Indiskretion,  um  Steinbach,  der  langfristig  die  Übernahme  der
SFG  anstrebte,  bloßzustellen.  Sofort  nahm  Schmidt-Ott  die  WFG  ins  Visier.  Er
warf  ihr  vor,  „nicht  freundlich  über  die  Arbeit“  der  SFG  geurteilt  zu  haben.  Ein
Kooperationsangebot  Steinbachs  wies  Schmidt-Ott  schroff  ab.  Die  WFG  habe
sich,  damit  „keine  Fehde  aufkomme“,  schlicht  aller  Saarfragen  zu  enthalten.  Vor
allem  fürchtete  Schmidt-Ott  bei  den  weit  gehenden  politischen  Einlassungen  der
WFG  um  den  wissenschaftlichen  Anspruch  der  Saarforschung.  Ministerialdirektor
Haslinde  pflichtete  bei,  da  das  preußische  Kultusministerium  nicht  seinen  unmittelbaren
  Einfluss  auf  die  Saar  verlieren  und  verhindern  wollte,  dass  Frankreich
Georg  Droege,  Veröffentlichungen  des  Instituts  für  geschichtliche  Landeskunde  der  Rheinlande
  an  der  Universität  Bonn  (Bonn:  Röhrscheid,  1967),  899-912.
255  Luise  Schorn-Schütte,  „Steinbach,  Franz  (1895-1964)“,  Historikerlexikon:  Von  der  Antike
bis  zum  20.  Jahrhundert,  Hg.  Rüdiger  vom  Bruch,  Rainer  A.  Müller,  BsR,  405  (München:
Beck,  1991),  299-300,  hier  300.
~56  Friedrich  Schilling,  „Volkstum,  Volksgrenze  und  ,Kulturkreis4:  Rückblicke  und  grundbegriffliche
  Fragen  zur  westdeutschen  Volksgrenzforschung  und  zu  Petris  Deutung  des
Schicksals  der  fränkischen  Landnahme  in  Frankreich“,  Westmärkische  Abhandlungen  zur
Landes-  und  Volksforschung,  4  (1940),  126-41,  hier  132.
257  HessHStA,  1150/70:  Sante  an  Aubin  v.  8.7.1932,  7;  cf.  PAAA,  R60270,  f.  E061457:
Aktenvermerk  v.  4.7.1931;  f.  E061459:  Ammann,  Protokoll  27728.6.1931.
8  PAAA,  R  60270,  f.  E061513:  Vertraulicher  „Bericht  über  die  Tagung  der  Arbeitsgemeinschaft
  für  westliche  Grenzfragen  in  Trier  vom  31.  Juli  bis  2.  August  1932  (Rheinische  Forschungsgemeinschaft)“.
  Fast  die  Hälfte  der  Teilnehmer  gehörten  der  SFG  an:  Bach,  Bongard,
Kloevekorn,  Niessen,  Overbeck,  Röchling,  Sante,  Steinbach,  Wolfram  und  Zimmermann.
259  PAAA,  R60270,  f.  E061520:  Tagung  der  RFG  v.  31.7.-2.8.1932,  8.
"60HessHStA,  1150/57:  Sante  an  Aubin  v.  12.1.1933,  3.

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