Full text : Volk, Reich und Westgrenze

zurück.  Vordergründig  ging  der  Streit  um  die  französischen  Worte  in  der  Saarlouiser
  Mundart,  die  laut  Kiffer  „den  mächtigen  Einfluß  der  französischen
Sprache  infolge  der  geographischen  Lage  und  der  geschichtlichen  Vergangenheit
des  Ortes  und  seiner  Gegend“  bewiesen.208  Unausgesprochen  zankte  man  sich  um
die  nationale  Zugehörigkeit  und  Zukunft  von  Saarlouis.
Volkskunst  und  Flurnamenforschung
Seit  der  Übernahme  der  Museumsleitung  in  Saarbrücken  Mitte  der  1920-er  Jahre
hatte  sich  Dr.  Hermann  Keuth  (1888-1974)  der  „Erforschung  der  Erscheinung  und
Wesensarten  der  Volkskunst  des  Saarlandes“  gewidmet.2"9  Er  interessierte  sich  für
Bauernhofarten,  Haus-  und  Kirchformen,  Innenausstattung,  Gebrauchsgegenstände,
  Trachten  und  Wandschmuck.  Von  Aubin  befürwortet,  bat  Keuth  im  April
1927  die  Notgemeinschaft  und  das  Reichsministerium  für  die  besetzten  Gebiete
um  Förderung  seiner  Forschungen.210  Von  Keuth  in  seinem  Antrag  vergessene
nationalpolitische  Argumente  lieferte  Aubin  nach:  „Es  ist  aber  die  Vertiefung  in
diese  Teile  des  Ausdrucks  unseres  Volkslebens  eine  unabweisbare  Notwendigkeit,
  wenn  wir  zu  einem  Gesamtbild  der  Entwickl[un]g  und  des  Zustands  unserer
Nation  gelangen  wollen.“  Keuth  erhielt  im  Sommer  1927  vom  Reichsministerium
für  die  besetzten  Gebiete  und  vom  preußischen  Kultusministerium  eine  einmalige
Beihilfe.  Ab  1929  wurden  seine  Forschungen  von  der  SFG  finanziert.2"  Keuth
leitete  Untersuchungen  über  die  saarländische  Tracht  ein.212  1934  erbrachten  sie
das  traurige  Ergebnis,  dass  es  eine  solche  nicht  gebe.  Keuth  hielt  sie  für  untergegangen.
  Eine  Erklärung  für  das  vermeintliche  Fehlen  einer  saarländischen
Tracht  hätte  Keuth  in  der  Geschichte  der  örtlichen  Heimatbewegung  finden
können.  Möglicherweise  war  in  der  Saarregion  im  19.  Jahrhundert  einfach  kein
Trachtenverein  entstanden  und  keine  quasi  offizielle  Trachtentradition  entsprechend

1)8  Kiffer,  Offener  Brief  10.
LASb,  SM  12:  Keuth  via  Aubin  an  Notgemeinschaft  v.  16.4.1927  [1],  cf.  Sitzung  des
verstärkten  Vorstandes  der  SFG  v.  13.4.1927  [3-4];  Sigrid  Howest,  „Vom  Saarmuseum  zur
Museumslandschaft“,  Grenzenlos:  Lebenswelten  in  der  deutsch-französischen  Region  an  Saar
und  Mosel  seit  ¡840:  Katalog  zur  Ausstellung,  Hg.  Historisches  Museum  Saar  [Lieselotte
Kugler]  ([Saarbrücken]  Hist.  Museum,  1998),  400-20;  Linsmayer,  Politische  Kultur,  328-31,
334;  DBA  II,  700:  109-10;  Wolfgang  Läufer,  „Saarbrücker  Museumspläne  und  Museen:  Die
Unterbringung  der  Sammlungen  des  Historischen  Vereins  für  die  Saargegend  bis  zur  Deponierung
  im  Heimatmuseum/Saarland-Museum“,  Zeitschrift  für  die  Geschichte  der  Saargegend,  37
(1989),  63-93,  hier  81-93;  „Hermann  Keuth:  1888-1974“,  Hermann  Keuth,  Materialsammlung,
Bd.  2:  Zeichnungen  und  Notizen  zur  saarländischen  und  lothringischen  Volkskunde,  Hg.
Institut  für  Landeskunde  im  Saarland,  Veröffentlichungen  des  Instituts  für  Landeskunde  im
Saarland,  29  (Saarbrücken:  Inst.  f.  Landeskunde  im  Saarland,  1988)  [5-6].
'I0  LASb,  SM  12:  Keuth  via  Aubin  an  Notgemeinschaft  v.  16.4.1927  [3  u.  1].
211  StdASb,  Personalakte  Keuth,  Personalbeiakte:  Aubin  an  Keuth  v.  5.10.1927;  BACos,
R1601/1832:  [RMbG]  an  Aubin  v.  Aug.  1927;  cf.  RMbG  an  PrKM  v.  15.7.1927,  1-2;  RMbG  an
Kanzlei  v.  27.8.1927;  LASb,  SM  12:  Aubin  an  Keuth  v.  9.8.1928;  Aubin,  Griewank,  Mitgliederversammlung
  der  SFG  am  6.1.1929,  9.
212  LASb,  SM  12:  Aubin,  Bericht  über  die  SFG  v.  1.10.1928-30.9.1929,  3.

86
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.