vergab die SFG 15 290 Reichsmark an Forschungsförderungen, von denen die
Notgemeinschaft fast zwei Drittel trug.183
Diese Auflistung ist unvollständig, da die Ausgaben für das verdeckte Großprojekt
der SFG, den Saar-Atlas, gesondert geführt wurden. Mitte 1930 veranschlagte
Sante für den Saar-Atlas 20 000 Reichsmark.184 Er gestand zu, dass dies
„hohe Summen“ seien, und wusste nicht, woher sie „bei der allgemeinen Ebbe in
den Kassen“ zu nehmen seien. Die Ebbe in den deutschen Kassen hatte Niedrigwasser
noch lange nicht erreicht, während die Kostenvoranschläge für den Saar-Atlas
weiter stiegen.185 Ende 1931 schätzte die Notgemeinschaft seine Kosten
realistischer auf 30 000 bis 40 000 Reichsmark, die sich Notgemeinschaft,
Reichsministerium des Innern und die restlichen Ressorts (Auswärtiges Amt,
preußisches Ministerium des Innern und rheinische Provinzialverwaltung) zu je
einem Drittel teilten.186 Das Saar-Atlas-Projekt war es der deutschen Politik wert.
Tätigkeit
Zuerst kümmerte sich die SFG darum, die vom IGL eingerichteten Kreisarbeitsgemeinschaften
zu erhalten.18 Deren Leiter Dr. Noll erhielt einen Forschungsauftrag
zur Siedlungsgeschichte und Dr. Josef Niessen aus Elberfeld (1 891-1962)188
einen zur Territorialgeschichte der Saarlande. Im Sinne der Bonner Kulturraumforschung
veranschaulichten sie historische Umstände in Kartendarstellungen.
Noll untersuchte anhand der kartographisch verarbeitenden Siedlungsnamen die
germanische Landnahme bis zum Ende der mittelalterlichen Ausbauperiode.
Niessen erforschte die Stellung des Gebietskomplexes Saar zu den umliegenden
Territorien, besonders zu Lothringen, um die Ursachen für die herrschaftliche
Zersplitterung der Saarlande und damit für „die Schwäche dieses Grenzlandes
gegenüber dem vordringenden Frankreich“ zu klären und allgemeine Grundlagen
zur „westdeutschen Grenzlandforschung“ zu erarbeiten. 81 Beide Forschungen
l8' BABL, R8037/1: Übersicht über die von der SFG v. 1.10.1933 - 30.9.1934 vermittelten
Gelder, Laufende Kredite der SFG v. 1.10.1933 - 30.9.1934.
184 HessHStA, 1150/68: [Sante] Erläuterter Plan, 9.
185 HessHStA, 1150/57: Sante an Aubin v. 25.1.1930 [2]; cf. 1150/68: Aubin an Sante v.
31.1.[1930], 1 (Auszug aus den Schreiben von Aubin).
186 HessHStA, 1150/69: Haslinde, Bublitz, Besprechung am 21.10.1931, 3; HessHStA,
1150/70: Haslinde, Bublitz, Besprechung am 17.3.1932 im PrKM wegen des Saaratlasses, 4-5;
cf. HessHStA, 1150/57: Sante an Aubin v. 8.7.1932, 6.
18 LASb, SM 12: Sitzung des verstärkten Vorstandes der SFG v. 13.4.1927 [2-3].
188 Geschichtlicher Handatlas der deutschen Länder am Rhein: Mittel- und Niederhein, i. A. d.
Inst. f. gesch. Landesk. d. Rheinlande an d. Univ. Bonn bearb. v. Josef Niessen, Veröffentlichungen
des Instituts für geschichtliche Landeskunde der Rheinlande an der Universität Bonn
(Köln: Bachem/Lörrach: Res Gentium, 1950). Josef Niessen, * 31.12.1891 Mettmann, 1914-18
Soldat im Ersten Weltkrieg, Studium in Marburg und Bonn (Geschichte, Germanistik, VWL),
am IGL kartographische Arbeiten zur Kölner Jahrtausendausstellung 1925, Assistent am IGL
bis 1937, ab 1938 Studienrat in Bonn, t 15.6.1962; Franz Steinbach, „[Nachruf auf Josef
Niessen]“, Rheinische Vierteljahrsblätter, 28 (1963) [vi-viii].
I8; LASb, SM 12: Griewank, Sitzung der SFG am 4.10.1930, 4.
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