Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Ausstattung
Während  sie  auf  den  Ausgang  der  Verhandlungen  mit  den  Ministerien  warteten,
blieben  Aubin  und  andere  Mitglieder  der  SFG  nicht  untätig.  Im  Gegenteil  sah  sich
Aubin  durch  „die  Periode  der  auferlegten  Zurückhaltung  [in  der]  üeberzeugung
von  der  Notwendigkeit  der  Forschungsgemeinschaft  nur  gestärkt“.174 175  Schon  im
Dezember  1926  besprach  er  im  Saargebiet  einige  Projekte.  Gut  vorbereitet  lud
Aubin  den  verstärkten  Vorstand  zum  13.  April  1927  nach  Gießen  ein,  um  sich  über
das  wissenschaftliche  Programm  der  SFG  zu  verständigen.  Das  wissenschaftliche
Interesse  im  Saargebiet  solle  belebt,  der  Nachwuchs  gefördert  und  in  erster  Linie
solche  Forschungen  unterstützt  werden,  „die  im  Saargebiet  und  über  das  Saargebiet“
  vorgenommen  würden.'73  Die  SFG  entschied  über  die  Fragestellungen  und
wählte  deren  Bearbeiter  aus,  denen  sie  materiell  und  intellektuell  zur  Seite  stand.176
Neben  neuen  Projekten  wurden  vom  1GL  begonnene  Arbeiten  fortgesetzt.17'
Über  einen  eigenen  Etat  verfügte  die  SFG  nicht.  Ihre  Ausgaben  wurden  durch  ihre
Förderer,  zuallererst  durch  die  Notgemeinschaft,  dann  durch  das  preußische  Kultusministerium,
  das  Reichsministerium  für  die  besetzten  Gebiete  und  den  rheinischen
  Provinziaiverband  gedeckt.178  Die  Notgemeinschaft  vergab  Stipendien  an
hauptamtlich  eingesetzte  Wissenschaftler.179  Schmidt-Otts  starke  Stellung  in  der
Notgemeinschaft  -  er  entschied  praktisch  allein  über  die  Forschungsmittel180  -
trug  Sorge,  dass  die  Anträge  der  SFG  ohne  Umstände  genehmigt  wurden.  Daher
verstand  sich  die  SFG  als  „der  Saarausschuss  der  Notgemeinschaft“.181 *  Im  ersten
Geschäftsjahr  1928/29  verfügte  sie  über  fast  25  000  Reichsmark.  Kein  anderes
Geschäftsjahr  der  SFG  erreichte  wieder  diese  Ausgabenhöhe,  da  langfristig  angelegte
  Forschungsprojekte  1928  ihre  Anschubfinanzierung  erhielten.187  1933/34

174  LASb,  SM  12:  Aubin  an  die  Mitgliederd.  SFG  v.  14.4.1927.
175  LASb,  SM  12:  Sitzung  des  verstärkten  Vorstandes  der  SFG  v.  13.4.1927  [2-3].
176  HessHStA,  1  150/63:  Neikes,  „Denkschrift  über  die  künftige  Förderung  wissenschaftlicher
Arbeit  an  der  Saar“  v.  15.2.1935,  2.
177  LASb,  SM  12:  Aubin,  Griewank,  Mitgliederversammlung  der  SFG  v.  25.9.1927,  2,  3  u.  8.
18  HessHStA,  1150/46:  Sante,  SFG  und  Kulturpolitik  [ca.  Anfang  1938],  10-11;  LASb,  SM  12:
Adressenverzeichnis  der  SFG  v.  Anfang  1929;  cf.  Schmidt-Ott  vertraulich  an  die  Mitglieder  der
SFG  v.  19.4.1927,  1;  cf.  HessHStA,  1150/63:  Sante  an  Emrich  v.  14.3.1935,  2-3.
179  HessHStA,  1150/63:  Neikes,  Denkschrift  v.  15.2.1935,  3.
Schlicker,  „Notgemeinschaft  3:  534;  id.,  Berliner  Akademie,  T.  2,  128;  cf.  Lothar
Mertens,  „NS-Wissenschaftspolitik  am  Beispiel  der  DFG  1933-1937“,  Geschichte  und
Gesellschaft,  29  (2003),  393-408.  hier  396.
181  HessHStA,  1150/46:  Sante,  SFG  und  Kulturpolitik  [ca.  Anfang  1938],  8.
8‘  Den  Löwenanteil  von  fast  20  000  Reichsmark  trug  die  Notgemeinschaft,  den  minor  pars  die
Stadt  Saarbrücken;  LASb,  SM  12:  Aubin,  Wissenschaftliche  Unternehmungen  der  SFG
1928/29;  Übersicht  über  die  von  der  SFG  verfügten  Mittel  v.  1.10.1928  -  30.9.1929.  Zum  Vergleich:
  1928  betrug  der  Gesamthaushalt  der  Notgemeinschaft  RM  8  212  000;  Schlicker,  „Notgemeinschaft“,
  3:  536.

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