preußische Innenministerium und das Reichsministerium für die besetzten
Gebiete Schlenkers Kritik an. Über das Reichsinnenministerium übten sie Druck
auf die Notgemeinschaft aus.167 Preußen befürchtete, durch die SFG aus der saarländischen
Wissenschafts- und Kulturpolitik herausgedrängt zu werden, und
pochte auf das Recht bestehender preußischer Einrichtungen im Rheinland,
namentlich des 1GL und des Vereins für geschichtliche Landeskunde.168 Am
meisten war man aber in Berlin darüber befremdet, vor der Gründung nicht zu
Rate gezogen worden zu sein. Schmidt-Ott rechtfertigte sich; er habe keine
Ministerienvertreter eingeladen, um den „rein wissenschaftlichen Charakter“ der
SFG in den Vordergrund zu stellen und nicht das Misstrauen der Regierungskommission
des Saargebietes zu erregen.169
Schmidt-Ott wollte die SFG und wusste, wie er sie bekommen würde. Er entschuldigte
sich beim Reichsinnenministerium für seine Eilfertigkeit und trat förmlich
von der Gründung zurück. Soweit hatten die Ministerien nicht gehen wollen:
Schmidt-Ott solle „die Sache natürlich doch machen“. Becker gab Schmidt-Ott
Ende Januar 1927 grünes Licht.10 Nur Bayern zögerte noch und verlangte, „daß
die Landeszugehörigkeit der beiden Teile des Saargebietes in keiner Hinsicht verwischt“
würde. München verwies auf die Tradition Pfälzer Wissenschaftsvereine
und auf die Ansprüche der Pfälzischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften
(PGFW). Schmidt-Ott versicherte, nicht den bayerischen Teil des Saargebietes
in den Tätigkeitsbereich der SFG einbeziehen zu wollen.171 Die letzten
Hindernisse wurden Anfang April 1927 von der Zentrumsfraktion des Reichstags,
vertreten durch den Münsteraner Deutschtumsprofessor Georg Schreiber und den
Reichstagsabgeordneten Prälat Ludwig Kaas,172 aus dem Weg geräumt, als sie
sich im Auswärtigen Amt, im Reichsministerium für die besetzten Gebiete und im
preußischen Kultusministerium für die SFG verwendeten.173
167 BayHStA, MA 108204: PrMdl v. 2.1.1927, 4-5, cf. PrKM v. 21.12.1926, 3 u. d. RMbG v.
17.1.1927, 6; BayKM an BayMA v. 7.2.1927, 2; Sperr an BayMA v. 8.4.1927, 1. Linsmayer,
Politische Kultur, 349-50.
168 BayHStA, MA 108204: PrKM an RMdl v. 21.12.1926, 1, 4; cf. RMbG an RMdl v.
17.1.1927, 6.
169 BayHStA, MA 108204: Schmidt-Ott an RMbG v. 19.1.1927, 7-8.
1 11 HessHStA, 1150/46: Sante, SFG und Kulturpolitik [ca. Anfang 1938], 9-10, Zitat 9.
1 1 BayHStA, MA 108204: Goldenberger (BayKM) an BayMA v. 7.2.1927, 2.
17“ Walter F. Peterson, „Kaas, Ludwig, katholischer Theologe und Politiker“, Biographisches
Lexikon zur Weimarer Republik, Hg. Wolfgang Benz, Hermann Graml (München: Beck, 1988),
168; Günther Franz, „Kaas, Ludwig“, Biographisches Wörterbuch zur deutschen Geschichte,
begr. v. Hellmuth Rößler, Günther Franz, 2., völlig neubearb. u. stark erw. Aufl., Bearb. Karl
Bosl, Günther Franz, Hanns Hubert Hofmann (München: Francke [1973]), 2: 1369; Karl Otmar
von Aretin, „Kaas, Ludwig“, Neue Deutsche Biographie, hg. v. d. Historischen Kommission
bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Schriftltg. Otto zu Stolberg-Wernigerode
[et al.] (Berlin: Duncker & Humblot, 1974), 10: 713-14.
1 BayHStA, MA 108204: Sperr an BayMA v. 8.4.1927, cf. Schmidt-Ott an Mitglieder der
SFG v. 19.4.1927.
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