der Bevölkerung für die Heimatgeschichte“ zu interessieren und Lehrern
Unterrichtsmaterial an die Hand zu geben. Alle 14 Tage wurden ihre Teilnehmer
vom Assistenten des IGL, Adolf Noll, versammelt und trugen ihre Forschungsergebnisse
über die Siedlungsverhältnisse ihrer Heimatorte vor. Trotz der großen
Aufmerksamkeit, die ihren ersten Sitzungen zuteil wurde, erzielten die Arbeitsgemeinschaften
im Saargebiet nicht die gewünschte Breitenwirkung.14’
Gründung
Um die wissenschaftliche Betreuung der Saarlande qualitativ und quantitativ zu
gewährleisten, war eine ständige Einrichtung vor Ort vonnöten. Im Frühjahr 1926
griff der Präsident der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft, der späteren
Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Friedrich Schmidt-Ott ( 1860-1956),143 144
aus wissenschaftlichen, nationalpolitischen und persönlichen Motiven - seine Familie
stammte von der Saar143 - den Plan Aubins auf und regte eine unabhängige
Forschungsgemeinschaft für die Saarlande in Form einer „Kleinen Akademie“
an.146 Der Saarhistoriker Linsmayer ließ sich von Santés, des langjährigen Schriftführers
der SFG, rückschauender Betrachtung aus den 1930-er Jahren14 zur
Feststellung verleiten, die SFG sei als wissenschaftliches „Gegeninstrument“ zum
Comité d’études und zur Société des amis des pays de la Sarre geschaffen
worden.148 Tatsächlich führte Schmidt-Ott in den Gründungsverhandlungen des
143 BACos, R1601 /1832: Aubin an RMbG v. 16.5.1927, 1-2; [Bericht über die Arbeitsgemeinschaften]
v. 12.11.1926 [Anlage zu PrKM an RMdl v. 21.12.1926], 1-4; Abschrift zu A III Nr.
15535 U 1, 1; HessHStA, 1150/46: Sante, „Saar-Forschungsgemeinschaft und Kulturpolitik an
der Saar: 1925-1935“ [ca. Anfang 1938], 2-3; Linsmayer, Politische Kultur, 348.
144 Zur Forschungsförderung der DFG im NS verfasst zzt. Jochen Kirchhoff (München) seine
Dissertation. Hammerstein, Deutsche Forschungsgemeinschaft-, Wolfgang Schlicker, „Notgemeinschaft
der deutschen Wissenschaft (NdW) 1920-1945 (Seit 1929 Deutsche Gemeinschaft
zur Erhaltung und Förderung der Forschung; seit 1934 Deutsche Forschungsgemeinschaft
[DFg])“, Lexikon zur Parteiengeschichte: Die bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien und
Verbände in Deutschland (1789-1945), Hg. Dieter Fricke [et al.], Geschichte der bürgerlichen
und kleinbürgerlichen Parteien und Verbände (Köln: Pahl-Rugenstein, 1985), 3: 532-37; Ulrich
Marsch, Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft: Gründung und frühe Geschichte 1920-1925,
Münchner Studien zur neueren und neuesten Geschichte, 10 (Bern: Lang, 1994), 100-03,
118-33; Hannjost Lixfeld, „Die Deutsche Forschungsgemeinschaft und die Dachverbände der
deutschen Volkskunde im Dritten Reich“, Volkskunde und Nationalsozialismus: Referate und
Diskussionen einer Tagung der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde München, 23. bis 25.
Oktober 1986, Hg. Helge Gemdt, unveränd. Nachdr. 1987, Münchner Beiträge zur Volkskunde, 7
(München: Münchner Vereinigung f. Volkskunde, 1989), 69-82.
143 HessHStA, 1150/46: Sante, SFG und Kulturpolitik [ca. Anfang 1938], 1; Friedrich Schmidt-Ott,
Walther Zimmermann, Von den Vorfahren: Werden und Erleben eines deutschen Bürgerhauses,
als Ms. f. d. Familie gedr. [o. O. u. Verl.: 1937], 265.
146 LASb, SM 12: Schmidt-Ott, Aubin, Mitgliederversammlung der SFG am 10.9.1932, 3; cf.
HessHStA, 1 150/63: Sante [Forschungsarbeit an der Saar] v. 9.3.1935, 1.
147 HessHStA, 1150/63: Sante, Anlage I v. 21.1.1935; HessHStA, 1150/46: Sante, SFG und
Kulturpolitik [ca. Anfang 1938], 24; cf. BayHStA, MA 108204: Sante, „Französische
Propaganda“, 5-10.
148 Linsmayer, Politische Kultur, 347. Ebenso irrte Jacoby, Nationalsozialistische Herrschaftsübernahme,
43.
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