Grenz- und Auslandsdeutschtum“.95 Sie schlossen die Lücke, die durch die Auflösung
der Leipziger Stiftung Ende der 1920-er Jahre entstand. Im Gegensatz zu den
Leipziger Großtagungen von Politik und Wissenschaft waren die VFG regional in
einzelne Forschungsgemeinschaften aufgeteilt und beschränkten sich auf Themen
orientierte wissenschaftliche Fachtagungen, zu denen auswärtige Forscher aus den
betreffenden Grenz- und Auslandsdeutschtumsgebieten eingeladen wurden.96
Saarliteratur bis 1926
Weil Frankreich die politischen und wirtschaftlichen Trümpfe in der Hand hielt,
konnte die deutsche Politik im Saargebiet einzig die Karte der Kulturpropaganda
ausspielen. Dennoch schuf sie in den 1920-er Jahren nur wenig bedeutende saarwissenschaftliche
Abhandlungen.97 Selbst Albert Ruppersbergs Geschichte des
Saargebietes von 1924 stellte nicht mehr dar als eine geraffte Version seiner
schon vor dem Ersten Weltkrieg erschienenen Geschichte der Grafschaft Saarbrücken
f Die neue juristische Situation des Völkerbundmandates Saargebiet zog
zuerst Abhandlungen zu seiner staats- und völkerrechtlichen Stellung nach sich,99
welche mitunter von reichsdeutschen Saarstellen unterstützt wurden. Aber nicht
alle Reichsressorts zogen an einem Strick. Aus Furcht vor außenpolitischen
Verwicklungen hielt sich das Auswärtige Amt bedeckt.11,0 Einem Jurastudenten,
der Anfang der 1920-er Jahre eine Dissertation über die völkerrechtliche Stellung
des Saargebietes abfasste, verweigerte das Archiv des Außenministeriums die
97 Hans Steinacher, „Neue Wege - erste Erfolge des VDA“, Bundesleiter des VDA 1933-1937:
Erinnerungen und Dokumente, Hg. Hans-Adolf Jacobsen, Schriften des Bundesarchivs, 19
(Boppard, Rh.: Boldt, 1970), 29.
№ Fahlbusch, Wissenschaft, 81: Rheinische/Westdeutsche Forschungsgemeinschaft (WFG),
Alpenländische Forschungsgemeinschaft (AFG), Südostdeutsche Forschungsgemeinschaft
(SODFG) für Südosteuropa, Nord- und Ostdeutsche Forschungsgemeinschaft (NOFG) für
Mittelosteuropa, Übersee-Forschungsgemeinschaft (ÜFG) und im Zweiten Weltkrieg die
Osteuropäische Forschungsgemeinschaft (OEFG) für die besetzten russischen Gebiete.
Wilhelm Martin, Land und Leute an der Saar: Eine Landeskunde des Saargebiets (Saarbrücken:
Hofer, 1922); cf. Markus Gestier, Die christlichen Parteien an der Saar und ihr
Verhältnis zum deutschen Nationalstaat in den Abstimmungskämpfen 1935 und 1955, Saarbrücker
Hochschulschriften: Geschichte, 15 (St. Ingbert: Rührig, 1991), 25.
Hoppstädter, „Saarländische Geschichtsforschung“, 23; cf. Albert Ruppersberg, Geschichte
des Saargebietes ([Saarbrücken] SDV [1924]); id., Geschichte der ehemaligen Grafschaft
Saarbrücken, nach Friedrich u. Adolf Köllner neubearb. u. erw., 2. verb, Aufl. (Saarbrücken:
Kreis u. Stadt Saarbrücken, 1908-14).
Reinhard Frank, Das Saargebiet im Friedensschluß: The Saar-District at the Conclusion of
Peace: Le Bassin de la Sarre au traité de paix (München: Gerber [1919]); Hans Wehberg,
Saargebiet: Die staats- und völkerrechtliche Stellung des Saargebiets, Staatsbürger-Bibliothek,
116 (M[önchen-]Gladbach: Volksverein, 1924); Reismüller, Hofmann, Westbibliographie, 227-29;
cf. Linsmayer, Politische Kultur, 503.
BACos, R1601/1829: Rühlmann (RVP) an RMbG v. 6.5.1927; cf. Jacoby, Nationalsozialistische
Herrschaftsübernahme, 42 Anm.; Hans Bongard, „Grundlinien deutscher Kulturpolitik an
er aar , Die Grundlagen des Saarkampfes: Handbuch zur Volksabstimmung, Hg. Adolf Grabowsky
Georg Wilhelm Sante, Vorw. Franz v. Papen, Zeitschrift für Politik, Sondernr.
(Berlin: Heymann, 1934), 307-36 verschwieg den Berliner Einfluss.
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