Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Aufmerksamkeit.83  Der  BSV  war  nur  einer  davon.  Zusammen  mit  der  Rheinischen
Volkspflege  (RVP),  der  Reichszentrale  für  Heimatdienst,  dem  Hilfsbund  für  die
Elsass-Lothringer  im  Reich,  den  Vereinigten  Landsmannschaften  Eupen-Malmedy-Monschau
  und  anderen  war  der  BSV  im  Westausschuss  für  Rhein,  Saar  und  Ruhr
zusammengefasst,  der  „als  das  notwendige  Bindeglied  zwischen  den  Verbänden
und  den  Regierungsorganen“  des  Deutschen  Reiches  diente.84 *  1933  wurde  der  BSV
gleichgeschaltet  und  mit  Nationalsozialisten  neu  besetzt.  Der  Westausschuss  und
die  ihm  angehörenden  Organisationen  wurden  in  den  Bund  Deutscher  Westen
(BDW)  überführt,  der  Ende  Mai  zur  Koordinierung  der  deutschen  Volkstumspolitik
  in  Westeuropa  von  Rudolf  Heß’  Volksdeutschen  Rat  eingerichtet  worden
war.  Präsident  des  BDW  war  der  in  Metz  geborene  Eduard  Karl  Spiewok,s>
Führer  war  der  Elsässer  Robert  Ernst.  Geschäftsführer  Karl  Mehrmann,86  der  vom
Westausschuss  in  den  BDW  übernommen  wurde,  schrieb  1933:87  „Der  Bund
Deutscher  Westen  umfasst  alle  im  ganzen  deutsche[n]  Reich,  auch  die  östlich  der
Elbe  vorhandenen  Landsmannschaften  und  Volksdeutschen  Körperschaften,  die
für  die  Wahrung  unseres  deutschen  Volksgutes  im  Westen  einzutreten  gewillt
sind.“  Das  „Kampfgebiet“  des  BDW  sei  innerhalb  des  Deutschen  Reiches  das
fremd  bestimmte  Saargebiet  und  das  militärisch  verteidigungsunfähige  und  in  der
inneren  Sicherheit  gefährdete  Rheinland,  außerhalb  der  Reichsgrenze  Eisass-Lothringen,
  Luxemburg  und  Eupen-Malmedy.88

83  Auch  in  Griff  nach  dem  Westen  kamen  die  Westgrenzverbände  zu  kurz.
84  Akten  zur  Deutschen  Auswärtigen  Politik  ¡918-1945,  im  Folgenden  ADAP  abgekürzt,  Ser.  B:
1925-1933,  Bd.  9:  1.  Mai  bis  30.  August  1928,  Hg.  Hans  Rothfels  t  [et  al.J  (Göttingen:  V&R,
1976),  25-26:  Ministerialamtmann  Schneider,  Sitzung  der  Vertreter  der  Regierungsstellen  und
der  landsmannschaftlichen  Westverbände  am  10.5.1928;  cf.  ibid.,  Ser.  A,  10:  48:  G[ra]f  Adelmann
  (RMbG)  an  AA  v.  11.4.1924;  Applegate,  Nation,  138  n.  74  unterschätzte  den  politischen
Willen  der  Deutschtumsverbände  in  der  Weimarer  Republik  und  glaubte,  dass  erst  die  Nationalsozialisten
  die  rheinischen  Heimatverbände  zentralisiert  hätten.
83  Eduard  Karl  Spiewok,  *  1882,  Gaubeauftragter  des  Winterhilfswerks  Gau  Berlin,  Gauamtsleiter
  des  Amtes  für  Volkswohlfahrt  (NSV)  Gau  Berlin,  1933  MdR,  Reichsredner  der  NSDAP,
frühes  SS-Mitglied;  Erich  Stockhorst,  Fünftausend  Köpfe:  Wer  war  was  im  Dritten  Reich
(Velbert:  blick  +  bild,  1967),  369.
Karl  Mehrmann,  „Die  Verkrüppelung  der  rheinischen  Freiheit  nach  der  Räumung“,  Denkschrift
  über  die  Besetzung  und  Befreiung  der  Rheinlande:  Materialsammlung,  hg.  i.  A.  der  im
Westausschuß  für  Rhein,  Pfalz  und  Saar  vereinigten  landsmannschaftlichen  Verbände:  Reichsverband
  der  Rheinländer,  Verein  der  Badener,  der  Hessen,  der  Pfälzer,  von  Eupen-Malmedy,
Rheinische  Frauenliga,  Deutscher  Rhein  e.  V.,  Bund  der  Saarvereine,  v.  Karl  Mehrmann  u.
Wilhelm  Scheffen  (Berlin:  Bemard  &  Graefe,  1930),  14-26.
BABL,  R8014/753,  f.  77:  Westdeutsche  Chronik  (Monatsspiegel)  (31.7.1933)  [Nr.  1]
(Redakteur:  Mehrmann);  cf.  [o.  Forts,  der  Foliierung]  Mehrmann  an  Vogel  (Saar-Verein)  v.
18.7,1933;  Geschäftsstelle  Saar-Verein  an  Bürckel  v.  28.6.1933;  Manfred  Weißbecker,  „Bund
Deutscher  Westen  (BDW)  1933-1937“,  Lexikon  zur  Parteiengeschichte:  Die  bürgerlichen  und
kleinbürgerlichen  Parteien  und  Verbände  in  Deutschland  (1789-1945),  Hg.  Dieter  Fricke
[et  al.],  Geschichte  der  bürgerlichen  und  kleinbürgerlichen  Parteien  und  Verbände  (Köln:  Pahl-Rugenstein,
  1983),  1:316-17.
BABL,  R8014/753,  f.  58-59:  Mehrmann,  Arbeitsaufbau.

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