Leistungen für die NS-Sozialpolitik nicht schwer genug. Herrigels nationalsozialistische
Weltanschauungsabteilung existierte faktisch nicht.
Wichtiger wurde für Bürckel der saarpolitische Einsatz der pfälzischen Wissenschaften,
den sie mit Bravour bewältigten, vor 1935 im Saarabstimmungskampf
und danach im Anschluss der Saarwissenschaften an den Gau. Das einzige
verbindende Glied zwischen Pfalz und Saar war die Westmarkideologie, die dafür
umso intensiver von den Kulturwissenschaften bemüht wurde. Die Westmarkideologie
legitimierte letztlich die Gründung des Saarpfälzischen Instituts als
„Bollwerk“ gegen westliche kulturelle und intellektuelle Einflüsse. Dabei ist ein
ideologischer Widerspruch bei den Gauwissenschaften festzustellen: Auf der
einen Seite stand die Ablehnung lokaler Selbstbezogenheit durch die nationalsozialistische
Heimatforschung; das Volksverständnis der Regionalgeschichtsschreibung
sollte sich grundsätzlich auf das Reichsganze richten. Auf der anderen
Seite galt bei der Besetzung wissenschaftlicher Stellen im Gau ein engstirniges
Lokalprinzip und die Reichseinheit wurde durch die Nachbarschaftskonflikte von
Bürckel und seinen Wissenschaftlern mit den Gauen Koblenz-Trier und Baden-Elsass
und durch die kleinliche Missgunst gegenüber WFG und den Volksdeutschen
Forschungsgemeinschaften untergraben.
Nach der Rückgliederung des Saarlandes konzentrierte sich die wissenschaftliche
Arbeit im neuen, größeren Gau Saarpfalz auf innere Strukturfragen. In Ermangelung
territorialer Objekte Bürckels wurden allgemein die Ziele der nationalsozialistischen
Politik unterstützt. Ebenfalls machte sich der generelle Wandel im
nationalsozialistischen Wissenschaftsverständnis bemerkbar: Nachdem 1933-35
die Universität einer radikalen politischen und rassistischen Kur unterzogen
worden war, konnten die verbliebenen fachlichen Ressourcen für die Ziele des
nationalsozialistischen Staates eingesetzt werden. Nach 1936 beteiligten sich die
Gauwissenschaftler zunehmend an der antisemitischen Propaganda. Saarpfälzische
Sozialwissenschaftler halfen bei der Umstrukturierung der industriellen und
ländlichen Wirtschaft und bei der sozialen Stadtplanung und durften ihre nationalpolitischen,
sozial elitären und rassistischen Ideen auf dem Rücken der Arbeiterschaft
des Saarlandes und der Pfalz in die Tat umsetzen. Ansonsten floss das
wissenschaftliche Leben vor sich hin. Es blieb sogar Zeit für die nur einem
begrenzten Publikum politisch nutzbringend zu vermittelnde völkische Wissenschaftsgeschichte
von Ramsauer. In der Kriegsvorbereitung erfüllten die Gauwissenschaften
wieder zunehmend die politischen Aufträge des Deutschen
Reiches. Die Auswandererforschung und vor allem die Kontaktpflege zum so
genannten Auslandsdeutschtum arbeiteten der militärischen Okkupation zu. Konkrete
Aufgaben gab es auch bei der Suche nach pfälzischen Bodenschätzen für die
deutsche industrielle Mobilmachung, konkrete Erfolge aber nicht.
Im Zweiten Weltkrieg wurden die wissenschaftlichen Einrichtungen des Gaues
Westmark ganz auf die NS-Bevölkerungspolitik ausgerichtet. Das Institut in
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