Full text: Volk, Reich und Westgrenze

geschlossen/4' Seitmann wollte die „reinrassig gebliebenen“ polonisierten Deut¬ 
schen feststellen und regermanisieren.* 844 Man suchte sämtliche Daten zu den 
pfälzischen Auswanderern nach Ostpolen, um das Deutschtum im Distrikt Lublin 
erforschen zu können, und Heimatbriefe und Propagandabroschüren zur Schulung 
der Rückzudeutschenden. 
Die faschistische Germanisierungspolitik in Polen wurde wissenschaftlich und 
praktisch aus der Westmark unterstützt: wissenschaftlich durch die beschriebene 
Lieferung sippenkundlichen Grundlagenmaterials zur Selektion der polnischen 
Bevölkerung, praktisch durch soziale Leistungen beim Aufbau deutscher kulturel¬ 
ler Einrichtungen in den annektierten und besetzten Gebieten. Der VDA ver¬ 
mittelte den deutschen Annexionsbehörden Patenschaften im Reich.84- Dem VDA- 
Gauverband Westmark wurde im Frühjahr 1941 die Patenschaft über die Polen 
Pfälzer Herkunft in den Kreisen Zamosc und Bilgoraj und zusätzlich über die 
Kreise Kutno und Lentschütz im Reichsgau Wartheland des brutalen Gauleiters 
Arthur Greiser übertragen.846 Der VDA-Gauverband hielt seinen stellvertretenden 
Vorsitzenden Braun über die Korrespondenz mit den deutschen Behörden in Polen 
und mit der VDA-Bundesleitung auf dem Laufenden und zog ihn zu Rate.847 
Um den „Landsleuten“ in Zamosc ein Bild von der „Urheimat“ zu geben, wurden 
Diavortragsreihen über das saarpfälzische Volkstum und Brauchtum oder den 
,,westmärkische[n] Mensch[en] an der Arbeit“ konzipiert.848 849 Seitmanns Volks¬ 
politisches Referat ließ im Sommer 1941 zum Zwecke einer „Intensivierung der 
Arbeiten zur völkischen Rückgewinnung polonisierter Pfälzer Dörfer“ ein 
Schulungsheim zur beruflichen Weiterbildung und Erholung errichten.846 Dem 
Schulungsheim wie den Warthelandkreisen schenkte der VDA Westmark zu 
Weihnachten 1941 westmärkisches Heimatschrifttum und Wandschmuck mit 
den „besten künstlerischen Arbeiten führender saarpfälzischer Kunstmaler“.850 
Zusammen mit der Frauenschaft Westmark übernahm die Mittelstelle direkte 
84' BABL, R69/132, f. 11-12: Dr. R. Foerth, Aktenvermerk an den Leiter der EWZ v. 
17.2.1942. 
844 ADM, 1W234: Seitmann an Mittelstelle v. 12.2.1941. 
847 ADM, 1W234: Bruno Hübler (VDA-Gauverband Westmark) an stellv. Gauverbandsleiter 
Braun v. 13.5.1941, in Anlage „Aufgaben der Patenschaftsarbeit“. 
846 ADM, 1W234: Stanglica an Mittelstelle v. 15.5.1941; Uhrig an Pg. Eckelmann (Finanz¬ 
verwaltungsleiter der VDA-Bundesleitung) v. 9.8.1941 [1]; cf. Hermann Weiß, „Greiser, 
Arthur“, Biographisches Lexikon zum Dritten Reich, 2. Aufl. (Frankfurt, M.: S. Fischer, 1998), 
160-62; Volker Rieß, „Wartheland, Reichsgau“, Enzyklopädie des Nationalsozialismus, Hg. 
Wolfgang Benz, Hermann Graml, Hermann Weiß, 2. Aufl. (München: dtv, 1998), 797-98. 
847 ADM, 1W234, passim. 
848 ADM, 1W234: Uhrig an Hillebrand v. 22.8.1941, 2; Uhrig an Seitmann v. 12.8.1941, cf. 
Uhrig an Braun v. 12.8.1941. 
849 ADM, 1W234: Uhrig an Braun v. 28.7.1941. 
8M) ADM, 1W234: Uhrig an Eckelmann v. 24.11.1941, cf. Uhrig an Braun v. 24.11. u. 10.12. 
1941, Uhrig an Hillebrand v. 22.8.1941, 2; Uhrig an Emrich v. 9.8.1941, 2-3; [Uhrig] an Pg. 
Arnold Koffsky (Osorken, Gau Wartheland) u. an Pg. Otto Mund (Kutno, Gau Wartheland) v. 
10.12.1941. 
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