Full text : Volk, Reich und Westgrenze

und  des  VDA-Westmark.  Die  VoMi-Hauptstelle  für  Völkische  Schutzarbeit  rief
Braun  zu  einer  „Besprechung  hinsichtlich  Neuordnung  der  völkischen  Schutzarbeit“
  nach  Berlin.818  Die  VoMi  der  SS  benötigte  Angaben  über  die  nichtdeutschen
  Arbeiter  in  Lothringen,  um  deren  Deportierung  und  die  Heranziehung  einer
entsprechenden  Zahl  deutschstämmiger  Umsiedler  vorzubereiten.  Braun  wurde
beauftragt,  im  Gau  Westmark  „den  zahlenmäßigen  Einsatz  von  Fremdvölkischen“
festzustellen  und  die  Volksdeutschen  Arbeiter  fremder  Staatsangehörigkeit  zu
erfassen.  Ende  1941  listete  er  der  VoMi  die  Ausländer  in  der  Westmark  auf.819
Über  die  VDA-K.reisbeauftragten  forderte  er  die  Unternehmen  auf,  Auskunft  über
die  angestellten  Volksdeutschen  zu  geben.  Im  Februar  1942  erhielt  die  VoMi  von
Braun  Übersichten  über  die  Volksdeutschen  und  stellte  für  Volksdeutsche  und
Fremdvölkische  verschiedenfarbige  Ausweise  aus.820  Die  Vertreibung  letzterer
konnte  beginnen.  Braun  stellte  seine  wissenschaftlichen  und  praktischen  Erfahrungen
  in  den  Dienst  von  Partei  und  SS  und  leistete  einen  wirksamen  Beitrag  zur
nationalsozialistischen  Rassenpolitik  und  zur  Fortsetzung  der  Vertreibungen  aus
der  Moselle.
Verbrechen  in  Polen
Nicht  nur  in  Westdeutschland  und  Ostfrankreich  half  Brauns  Auswandererforschung
  bei  der  nationalsozialistischen  Volkstumspolitik  und  bei  den  Vertreibungen
nichtdeutscher  Bevölkerungsgruppen,  auch  an  der  verbrecherischen  Siedlungsund
  Vernichtungspolitik  im  besetzten  Polen  war  die  Mittelstelle  Westmark
indirekt  beteiligt.821  Im  März  1941  erhielt  die  Mittelstelle  Post  aus  dem  Generalgouvernement.
  Ein  Bekannter  aus  der  Auswanderungsforschung,  der  frühere
Wiener  Hofkammerarchivar  und  KZ-Wächter  Franz  Stanglica,  der  mittlerweile
zum  Stab  des  SS-  und  Polizeifuhrers  Lublin  versetzt  war,  schilderte  Braun  seine
Aufgaben  in  Polen:  „Ich  bin  unterdessen  auf  Befehl  des  Reichsführers-SS  von  der
Truppe  hierher  abkommandiert  worden  und  mache  als  SS-Sturmmann  der  Waffen-SS
  hier  im  volkspolitischen  Referat  des  SS-  und  Polizeiführers  im  Distrikt  Lublin
Dienst.  Meine  Aufgabe  ist  ganz  gross  und  dürfte  vielleicht  ähnlich  sein,  wie  die
des  Herrn  Dr.  Braun  im  Eisass  [sic].  Zu  meinen  Aufgaben  gehören:  Umsiedlung
von  Deutschen,  Polen  und  Juden,  Rückgewinnung  deutschblütiger,  reinrassig

Auxiliäries:  The  Volksdeutsche  Mittelstelle  and  the  German  National  Minorities  of  Europe,
1933-1945  (Chapel  Hill:  U  of  North  Carolina  P,  1993).  Auch  im  Eisass  war  der  Gaubeauftragte
der  VoMi  eng  mit  der  Propagandaleitung  verbunden;  AN,  AJ411  1408/1:  Schmid  (Gaupropagandaleiter
  u.  VoMi-Gaubeauftragter)  an  Mindir.  Frank  v.  27.  u.  29.11.1941.
818  ADM,  2W63/2,  f.  37:  SS-ObersturmFührer  Weber  an  Braun  v.  1.11.1941;  cf.  f.  32-34:
Brauns  Notiz  für  ein  Telegramm  an  Weber  v.  9.12.1941,  Braun  an  VoMi-Völkische  Schutzarbeit
  v.  5.12.1941,  Weber  an  Braun  v.  8.12.1941.
819  ADM,  2W63/2,  f.  31,24:  Braun  an  VoMi-Völkische  Schutzarbeit  v.  20.12.1941  u.  v.  12.2.  1942.
820  ADM,  2W63/2,  f.  21-22:  Braun  an  VoMi-Völkische  Schutzarbeit  v.  26.2.1942;  cf.  f.  23:
Braun  an  VDA-Westmark  v.  26.2.1942.
821  Christmann,  „Bericht“,  397.

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