Full text : Volk, Reich und Westgrenze

seit  1937  unter  Plaßmann  in  der  Germanien-Redaktion  und  wurde  dessen  wichtigster
  Mitarbeiter  in  der  Märchenkunde-Abteilung.  Im  Sommer  1938  übernahmen
sie  zusammen  von  der  DFG  das  Zentralarchiv  der  deutschen  Volkerzählung.  1939
ließ  sich  Huth  im  Ahnenerbe  eine  eigene  Abteilung  für  indogermanische
Glaubensgeschichte  einrichten.  1942  bekam  er  an  der  RU  Straßburg  ein  Extraordinariat
  für  Religionsgeschichte.746  Ittenbach  war  Germanist,  Minnesang-  und
lothringischer  Volksliedforscher;  1944  erschien  im  Brüsseler  Ahnenerbe-Verlag
De  Burcht  seine  gemeingermanische  Nibelungenliedinterpretation.747  SS-Hauptsturmführer
  Professor  Hans  Schwalm,  Mitherausgeber  des  Handwörterbuchs  des
Grenz-  und  Auslanddeutschtums  und  Chef  des  GWE  in  Norwegen,  erfasste  im
Auftrag  des  Ahnenerbes  1941/42  als  Leiter  der  Kulturkommission  Laibach  das
Kulturgut  der  aus  der  Region  Laibach-Gottschee  ausgesiedelten  Deutschen.748
Außerdem  lehrte  Schwalm  Geographie  an  der  RU  Posen.747  Das  „Tätige  Mitglied“
des  Ahnenerbes  Snijder,  Professor  für  Klassische  Archäologie  und  Kunstgeschichte,
  Angehöriger  der  Germanischen  SS  und  Träger  des  Totenkopfringes,  war
1937  als  Freund  des  Nationalsozialismus  von  Hitler  mit  der  Goethe-Medaille  für
Kunst  und  Wissenschaft  ausgezeichnet  worden  und  stand  seit  Mai  1940  im  Dienst
des  Reichskommissars  für  die  Niederlande.751 752’  Der  Kölner  Chemiker  und  Professor
für  Ur-  und  Frühgeschichte  Stokar  war  Mitglied  des  Rosenbergschen  Reichsbunds
für  Deutsche  Vorgeschichte,  bevor  der  polemische  Nationalsozialist  zum  Ahnenerbe
  wechselte.  Der  Niederlande-Experte  war  der  Urheber  des  Planes  zu  einer
„Germanischen  Universität  Leiden“  als  „Tochterstiftung  von  Köln“.7”1  Der  Chefvolkskundler
  des  Ahnenerbes  und  Schriftleiter  von  Germanien  und  Nordland
Plaßmann  hatte  bei  seinem  Frankreicheinsatz  1940/41  in  Paris  und  in  der  Bretagne
gelernt,  militärische  Überlegenheit  in  wissenschaftliche  Münze  umzuprägen752.

me  und  Perspektiven  der  Forschung,  Hg.  Doris  Kaufmann,  Geschichte  der  Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft
  im  Nationalsozialismus,  1/2  (Göttingen:  Wallstein,  2000),  2:  468-89,  hier  478;
Kater,  Ahnenerbe,  187;  Derks,  Deutsche  Westforschung,  187-90,  cf.  165-67,  178-81;  Jean-Paul
Allard,  „Introduction“,  Jan  de  Vries,  L  'univers  mental  des  Germains  (Die  geistige  Welt  der
Germanen),  trad.  Jean-Paul  Allard  (Paris:  Porte-Glaive,  1987),  i-ix.
746 Kater,  Ahnenerbe,  119,  74-75,  95,  192,  287;  Gajek,  „J.  O.  Plassmann“,  129.
4  Max  Ittenbach,  Das  Nibelungenlied:  Dichtung  und  Schicksalsgestaltung  (Brüssel:
De  Burcht,  1944).
748  Lerchenmueller,  Simon,  Im  Vorfeld,  84.
749  Fahlbusch,  Wissenschaft,  151-52  Anm.;  Kater,  Ahnenerbe,  169-70,  179,  183,  186-88;
Behringer,  „Bauem-Franz“,  128.
750  Kater,  Ahnenerbe,  406.
751  Eigentlich  Walter  Stokar  Freiherr  von  Neuforn;  Dietz,  „Interdisziplinäre  ,Westforschung“4,
198;  Kater,  Ahnenerbe,  139,  198,  300-01,440;  G.  Hirschfeld,  „Universität  Leiden“,  581-82,  cf.
584;  Gerhard  Hirschfeld,  „Die  nationalsozialistische  Neuordnung  Europas  und  die  ,Germanisierung4
  der  westeuropäischen  Universitäten“,  Vertuschte  Vergangenheit:  Der  Fall  Schwerte
und  die  NS-Vergangenheit  der  deutschen  Hochschulen,  Hg.  Helmut  König,  Woligang
Kuhlmann,  Klaus  Schwabe  (München:  Beck,  1997),  79-102,  hier  90-92.
752  BABL,  NS21/321,  passim;  Kater,  Ahnenerbe,  105-06,  460;  Gajek,  „J.  O.  Plassmann“,  130-35.

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