mitgearbeitet hatte.695 Schließlich wurde Christmann, der es liebte, Titel zu akkumulieren,
Leiter der westmärkischen Gaustelle für Spielforschung von Haidings
Institut für Deutsche Volkskunde der Hohen Schule in Rein bei Graz.696 An die
Hohe Schule sandte er Abschriften seiner Kinderlieder- und Kinderspielsammlung.697
Aber nicht alle Artikel Christmanns waren weltanschaulich bepackt. In
den Organen führender nationalsozialistischer Volkskundeorganisationen veröffentlichte
er mitunter unverfängliche Beiträge.698
Eine andere NS-Forschungseinrichtung, mit der Christmann zusammenarbeitete,
war das SS-Ahnenerbe, Von den nationalsozialistischen Wissenschaftsorganisationen
war die SS-Forschungs- und Lehrgemeinschaft Das Ahnenerbe eine der
monströsesten. 1935 gegründet, war ihre Aufgabe „Raum, Geist, Tat und Erbe des
nordrassigen Indogermanentums zu erforschen, die Forschungsergebnisse lebendig
zu gestalten und dem Volke zu vermitteln“.699 Himmler wollte „der entwurzelten
und ihres völkischen Zusammenhangs entbehrenden Wissenschaft und damit der
neuen ,Welt-Anschauung1 700 ihren festgegründeten Boden“ wiedergeben,71"1 wozu
Ahnenerbe-Wissenschaftler als „fanatische Kämpfer“ berufen seien.701 Mit dem
Ahnenerbe wollte die SS wissenschaftlichen Nachwuchs heranbilden, die Forschungsergebnisse
in Schule und Hochschule tragen und ihren Einfluss auf die
deutsche Universität verstärken. Das Ahnenerbe war so gut ausgestattet, dass es
noch im Krieg seine Forschungsabteilungen ausbauen konnte. Mit dem Ahnenerbe
schuf sich Himmler „ein schlagkräftiges Instrument [...], um, unabhängig
von aller verwaltungsmäßigen Schwerfälligkeit und mit mannigfachen Vorurteilen
695 HMP, G/Allgemein 1941-42: Christmann an Reinerth (Schriftleitung Germanen-Erbe) v.
19.2.1942; cf. HMP, G/Schriftverkehr 1944, Christmann M-Z: Christmann an Reinerth v.
19.8.1943; Ernst Christmann, „Wotans- und Donarsberge in der Pfalz“, Germanen-Erbe, 3
(1938), 226-33; id., „Alte Dingstätten“.
696 HMP, G/Allgemein 1941-42: Christmann an Haiding (NSDAP-Reichsleitung) v. 14.1.1942;
cf. Reinhard Bollmus, „Zum Projekt einer nationalsozialistischen Alternativ-Universität:
Alfred Rosenbergs ,Hohe Schule“1, Erziehung und Schulung im Dritten Reich, T. 2: Hochschule,
Erwachsenenbildung, Hg. Manfred Heinemann, Veröffentlichungen der Historischen
Kommission der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften, 4, 2 (Stuttgart: Klett-Cotta,
1980), 125-52.
69 HMP, G/Sach 1943-44: Christmann an Inst, für Deutsche Volkskunde der Hohen Schule in
Vorbereitung - Forschungsstelle Spiel und Spruch v. 1.12.1943, Christmann an Haiding v.
1.12.1943 u. v. 16.2.1944.
698 Emst Christmann, „Vom Namen der Wolfsangel“, Germanen-Erbe, 3 (1938), 53-54; cf. id.,
„Von der Wolfsangel“, Völkische Wissenschaft, 3 (1936/37), 308-09.
699 „Die Forschungs- und Lehrgemeinschaft ,Das Ahnenerbe1 zu neuen Arbeiten und Aufgaben
bereit“, Germanien (1939), 91; cf. [Hermann] Reischle, „Was will das deutsche Ahnenerbe?11
Germanien, 8 (1936), 337-38.
700 BABL, NS19/1850, f. 33: [o. Verf.] „Die Forschungs- und Lehrgemeinschaft ,Das Ahnenerbe1:
Aufgaben und Aufbau“ [nach 1941]; cf. Gisela Lixfeld, „Das ,Ahnenerbe1 Heinrich
Himmlers und die ideologisch-politische Funktion seiner Volkskunde“, Völkische Wissenschaft:
Gestalten und Tendenzen der deutschen und österreichischen Volkskunde in der ersten Hälfte des
20. Jahrhunderts, Hg. Wolfgang Jacobeit, Hannjost Lixfeld, Olaf Bockhom, Zsarb. James R.
Dow (Wien: Böhlau, 1994), 217-55, hier 219, 224-25, 239, 241; Kater, Ahnenerbe, 50.
701 Wolfram Sievers, „Wer hat Teil am Deutschen Ahnenerbe?“ Germanien, 8 (1936), 338-4 i.
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