Full text : Volk, Reich und Westgrenze

Sinnbildplatte  nahm  er  jedoch  auf.687  In  diesem  Artikel  interpretierte  Bertram  die
Sinnzeichen  „Sonne,  Schlange,  Hand  und  Beil“  auf  einer  Steinplatte  aus  dem  12.
Jahrhundert,  die  in  die  Mauer  der  Kirche  im  pfälzischen  Hauenstein  eingelassen
war.  Seine  Assoziationen  waren  der  nationalsozialistischen  Sinnbildforschung  entsprechend
  sehr  frei.  Als  Fazit  wagte  er  allerdings  nur  die  naive  Feststellung,  dass
die  Symbole  „wahrscheinlich  altüberkommene  Heils-  und  Schutzzeichen“  seien.688
Die  „braune  Volkskunde“  wurde  im  Gau  ebenfalls  von  Christmann  vertreten.  Im
Dezember  1938  gründete  das  Amt  Rosenberg  in  der  Saarpfalz  eine  Arbeitsgemeinschaft
  für  Volkskunde.  Sie  war  Gauschulungsleiter  Rührig  unterstellt.  Christmann
  war  ihr  stellvertretender  Leiter;689  1941  wurde  er  von  Honorarprofessor
Bernhard  Martin  zum  Leiter  der  westmärkischen  Abteilung  der  Arbeitsgemeinschaft
  für  Volkskunde  ernannt  und  mit  Forschungsmitteln  ausgestattet.  Zu  dieser
Ernennung  war  Martin  berechtigt,  da  er  in  Marburg  der  Mittelstelle  Deutsche
Volkssprache  der  Rosenbergschen  Arbeitsgemeinschaft  für  Volkskunde  Vorstand.690
Er  und  sein  Kollege  Professor  Walther  Mitzka,  Leiter  der  Abteilung  Volkssprache
der  Reichsgemeinschaft  für  deutsche  Volksforschung,691  waren  durch  ihren  Deutschen
  Sprachatlas  in  die  Arbeit  der  Volkskundeeinrichtungen  Rosenbergscher
Richtung  einbezogen.692  Ein  anderer  Rosenbergianer,  Karl  Haiding,  bat  Christmann
  um  Aufsätze  für  seine  Zeitschrift  Deutsche  Volkskunde,  worauf  Christmann
einen  Bericht  darüber  schrieb,  wie  er  vor  lothringischen  Lehrern  die  Flur-  und
Familiennamenforschung  in  den  Dienst  der  Schulungs-  und  Volkstumsarbeit
stellte.693  1943  übersandte  dieser  eine  überarbeitete  Version  seines  berüchtigten
Rufnamenartikels.694  Ein  weiteres  Nebenprodukt  seiner  lothringischen  Tätigkeit
war  ein  Aufsatz  über  „Germanische  Kult-  und  Dingstätten  in  Lothringen“,  den
er  im  Germanen-Erbe  unterbrachte,  dem  offiziellen  Organ  des  Rosenbergschen
Reichsbundes  für  Deutsche  Vorgeschichte,  bei  dem  er  schon  vor  dem  Krieg

981  BDC-Ahnenerbe,  Bertram,  f.  200:  Plaßmann  an  Bertram  v.  28.5.1940,  f.  199  u.  201:
Bertram  an  Plaßmann  v.  25.4.  u.  v.  18.6.1940.
688  Otto  Bertram,  „Sonne,  Schlange,  Hand  und  Beil:  Zum  Sinnbildstein  an  der  alten  Kirche  in
Hauenstein  (Saarpfalz)“,  Germanien  (1940),  471-74,  hier  474;  cf.  Jjoseph]  0[tto]  Plassmann,
„Das  Sinnbild  im  Märchen“,  Germanien,  13  (1941),  201-10;  Brednich,  „Weigelsche  Sinnbildarchiv“,
  29-34.
089  IpGV,  Verwaltung  1939-44:  „Auf  uraltem  Kulturboden:  Volkskunde  in  der  Saarpfalz:  Der
wahre  Inhalt  -  Loslösung  von  fremden  Verkleidungen“,  NSZ  [Rheinfront]  (7.12.1938).
690  HMP,  G/Besprechungsbelege,  Christmann  allg.:  Christmann  an  OB  Kaiserslautem  v.  6.11.  1941.
691  H.  Lixfeld,  „A.  Spamers  Rolle“,  93;  cf.  Fahlbusch,  Wissenschaft,  131-32.
(,9~  Prof.  Dr.  Walther  Mitzka,  *  27.2.1888  Posen;  Honorarprof.  Dr.  Bernhard  Christian  Friedrich
Martin,  *  1.8.1889  Rhoden/Waldeck,  nach  dem  Zweiten  Weltkrieg  weiterhin  Direktor  am
Deutschen  Sprachatlas-,  DBA  II,  901:  398-400  u.  858:  104-05;  cf.  Lerchenmueller,  Simon,  Im
Vorfeld,  83.  Martin  arbeitete  ebenfalls  in  Himmlers  Ahnenerbe  mit;  BABL,  NS21/309:
Prof.  Dr.  Martin,  Ahnenerbe-Az.  B26/m4.
693  HMP,  G/Besprechungsbelege,  Christmann  allg.:  Martin  an  Christmann  v.  16.12.1941,
Christmann  an  Martin  v.  19.12.1941.
694  HMP,  G/Sach  1943-44:  Christmann  an  Deutsche  Volkskunde  v.  15.4.1943,  cf.  v.  29.4.1943.

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